Mobiliät
Radwege per App
Radwege planen Kommunen zu oft ohne Datenmaterial. Zählstellen liefern zwar punktuelle Daten, Befragungen bleiben aber oft lückenhaft. Genau hier setzt ein Projekt aus dem bayerischen Kirchenlamitz an – und zeigt, wie digitale Beteiligung ganz praktisch funktioniert.
Kirchenlamitz sammelt mit Radspur-App Daten
Mit der sogenannten Radspur-App sammelt die Stadt Daten direkt von den Nutzern der Infrastruktur. Wer die Anwendung auf dem Smartphone aktiviert, liefert während der Fahrt anonymisierte Informationen: GPS-Daten zeigen die Streckenführung, Sensoren erfassen Erschütterungen und damit den Zustand der Wege. Ergänzend können Radfahrer Gefahrenstellen, Hindernisse oder Verbesserungsvorschläge direkt melden.
Erstmals entsteht ein flächendeckendes, dynamisches Bild darüber, wo tatsächlich gefahren wird – und wo es Probleme gibt. Für die kommunale Verkehrsplanung ist das ein Paradigmenwechsel. Statt Annahmen zählen reale Bewegungsdaten. Statt politischer Wunschlisten rücken konkrete Bedarfe in den Mittelpunkt.
Der Ansatz ist bewusst niedrigschwellig. Die App funktioniert ohne Registrierung, persönliche Daten werden nicht erhoben. Start- und Endpunkte der Fahrten werden gar nicht erst gespeichert, um Rückschlüsse auf Wohn- oder Arbeitsorte auszuschließen. Damit soll die Hemmschwelle zur Teilnahme möglichst gering bleiben – ein entscheidender Faktor für belastbare Daten.
Investitionen gezielter steuern
Entwickelt wurde die Anwendung im Rahmen des Projekts „Smartes Fichtelgebirge“, das digitale Lösungen im ländlichen Raum erprobt. Kirchenlamitz dient dabei als Pilotkommune. Für Bürgermeister und Planer ergibt sich daraus ein klarer Vorteil: Investitionen lassen sich gezielter steuern. Wenn sichtbar wird, welche Strecken stark genutzt werden und wo der Zustand mangelhaft ist, können Mittel effizienter eingesetzt werden.
Gleichzeitig verändert das Projekt die Rolle der Bürger. Sie werden vom reinen Nutzer zum Datenlieferanten – und damit indirekt zum Mitplaner. Jede Fahrt trägt dazu bei, das Gesamtbild zu schärfen. Beteiligung wird nicht mehr abstrakt organisiert, sondern passiert im Alltag.
Noch ist Radspur ein Pilot. Doch das Prinzip dahinter hat Signalwirkung für viele Kommunen. Denn die Herausforderung ist überall ähnlich: knappe Kassen, steigende Erwartungen und zu wenig belastbare Daten. Wer diese Lücke schließt, trifft bessere Entscheidungen.


