Klimawandel
Gewässer jetzt vor künftiger Hitze schützen

Erik Weide lässt umbauen. Obwohl die beiden vorangegangen Sommer noch relativ nass waren. Den Waldbauern legt er die Pflanzung von trockenresistenten Bäume nahe und die Kommune geht mit gutem Beispiel voran. Die Renaturierung der Schutter ist im vollen Gange. Der Fluss, ein 55 Kilometer langer Wasserlauf, ist ein Nebenfluss der Kinzig. Teilweise schon vor Hunderten von Jahren wurde der Fluss höher gelegt und kanalisiert. In Friesenheim werden entlang der Schutter Flächen für Überflutungen angelegt, die Ränder neu bepflanzt, die Wasserqualität für die Tierwelt erhöht und nun darf das Flüsschen auch wieder mäandern. Er erklärt: "Nur wenn wir unsere Gewässer renaturieren, werden wir Regenwasser auch wieder in der Landschaft halten können. Es darf nicht sein, dass das kostbare Gut weiterhin in der Kanalisation verschwindet." In jedem Neubaugebiet, sagt der Bürgermeister, werden zudem Regenrückhaltebereiche mit eingeplant. Nach einer kurzen Klärung werde das Wasser der Natur sofort zurückgegeben.
Außerdem setzt sich die Kommune für Gewässerrandstreifen, Blühstreifen und Biotope ein - überall dort, wo die Kommune nicht selbst verantwortlich ist. Erik Weide bilanziert: "Für viele Menschen war 2026 einfach ein schöner Sommer. Manche Menschen haben noch immer nicht begriffen, dass der Klimawandel und die damit einhergehenden Veränderungen unsere Form des Wirtschaftens verändern muss - bevor wir echte Probleme mit der Wasserversorgung bekommen." In Friesenheim wird auch in diesem Herbst kräftig angepackt - auch mit Unterstützung der Bevölkerung. "Eine Vorzeige-Grüne-Gemeinde sind wir deshalb sicherlich noch nicht, aber wir haben die Zeichen der Zeit erkannt."
So sieht Gewässerschutz in Herbst und Winter aus
Die Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg empfiehlt, die Monate Oktober bis Februar gezielt zu nutzen, um Bäche und Flüsse besser gegen Hitze und längere Trockenphasen zu wappnen.
- Ufergehölze pflanzen: Bäume und Sträucher möglichst nahe am Ufer pflanzen, damit sie das Gewässer beschatten und die Erwärmung des Wassers reduzieren. Geeignete Arten sind beispielsweise Schwarz-Erlen, Baumweiden, Flatter-Ulmen und Schwarzpappeln.
- Natürliche Gewässerstrukturen fördern: Naturnahe Gewässer mit vielfältigen Strukturen, ausreichend Platz und natürlichen Abflussverhältnissen entwickeln und erhalten.
- Kaltwasserpools anlegen: In geeigneten, verbauten Gewässerabschnitten tiefere Bereiche schaffen, die durch Grundwasser oder kalte Zuflüsse gespeist werden und Fischen bei Hitze und Niedrigwasser als Rückzugsräume dienen.
- Fischunterstände errichten: Wo natürliche Verstecke wie Wurzeln fehlen, künstliche Unterstände schaffen und an die jeweiligen Fischarten anpassen.
- Ökologische Funktion stärken: Gewässer so entwickeln und unterhalten, dass sie Lebensräume für Fische, Insekten und andere Tiere bieten und Wasserextreme besser abpuffern können.
- Maßnahmen fachlich abstimmen: Pflanzungen und bauliche Eingriffe mit der unteren Wasserbehörde und der unteren Naturschutzbehörde abstimmen. Dabei Hochwasserschutz und Fischlaichzeiten berücksichtigen.