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  1. Praxis
  2. Klimaschutz
  3. Gewässer jetzt vor künftiger Hitze schützen
Wasser wird auch in Deutschlands Sommern zunehmend knapp.
Risse im Boden, Staub statt Wasserläufe: Deutschlands Sommer werden heißer - und trockener.
© 123rf

Klimawandel

Gewässer jetzt vor künftiger Hitze schützen

von Annette Lübbers
Reporterin
3. November 2026
Friesenheim bereitet sich bereits jetzt auf trockenere Sommer vor. Wie die Gemeinde im Ortenaukreis ihre Gewässer schützt und warum Herbst und Winter dafür entscheidend sind.

Etwa 14.000 Einwohner leben in Frisenheim am Rande des Schwarzwaldes auf 159 Metern Höhe. Die Kleinstadt ist relativ gimpflich durch den Sommer 2026 gekommen. Zwar war der heimische Bach nur noch ein feuchtes Rinnsal, aber die Baggerseen sind sehr tief und der Wasserpegel noch erträglich. Dennoch hat die Kommune mit Erik Weide als Bürgermeister an der Spitze die Wasserknappheit der kommenden Jahre schon seit einiger Zeit im Blick. "Ich bin selbst passionierter Angler und die Natur inklusive unserer Gewässer liegen mir sehr am Herzen", bekennt er. Nicht nur die heimischen Wälder sieht er in Gefahr, auch die Versorgungssicherheit. "Früher konnten wir uns auf die Quellen in den Bergen verlassen. Heute sind wir auf neue Tiefbrunnen und die Grundwasserspiegel der Rheinebene angewiesen." 

Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer arbeiten für die Renaturierung der Schutter.

Erik Weide lässt umbauen. Obwohl die beiden vorangegangen Sommer noch relativ nass waren. Den Waldbauern legt er die Pflanzung von trockenresistenten Bäume nahe und die Kommune geht mit gutem Beispiel voran. Die Renaturierung der Schutter ist im vollen Gange. Der Fluss, ein 55 Kilometer langer Wasserlauf, ist ein Nebenfluss der Kinzig. Teilweise schon vor Hunderten von Jahren wurde der Fluss höher gelegt und kanalisiert. In Friesenheim werden entlang der Schutter Flächen für Überflutungen angelegt, die Ränder neu bepflanzt, die Wasserqualität für die Tierwelt erhöht und nun darf das Flüsschen auch wieder mäandern. Er erklärt: "Nur wenn wir unsere Gewässer renaturieren, werden wir Regenwasser auch wieder in der Landschaft halten können. Es darf nicht sein, dass das kostbare Gut weiterhin in der Kanalisation verschwindet." In jedem Neubaugebiet, sagt der Bürgermeister, werden zudem Regenrückhaltebereiche mit eingeplant. Nach einer kurzen Klärung werde das Wasser der Natur sofort zurückgegeben.

Bürgermeister Erik Weide
Bürgermeister Erik Weide

Außerdem setzt sich die Kommune für Gewässerrandstreifen, Blühstreifen und Biotope ein - überall dort, wo die Kommune nicht selbst verantwortlich ist. Erik Weide bilanziert: "Für viele Menschen war 2026 einfach ein schöner Sommer. Manche Menschen haben noch immer nicht begriffen, dass der Klimawandel und die damit einhergehenden Veränderungen unsere Form des Wirtschaftens verändern muss - bevor wir echte Probleme mit der Wasserversorgung bekommen." In Friesenheim wird auch in diesem Herbst kräftig angepackt - auch mit Unterstützung der Bevölkerung. "Eine Vorzeige-Grüne-Gemeinde sind wir deshalb sicherlich noch nicht, aber wir haben die Zeichen der Zeit erkannt."  

So sieht Gewässerschutz in Herbst und Winter aus

Die Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg empfiehlt, die Monate Oktober bis Februar gezielt zu nutzen, um Bäche und Flüsse besser gegen Hitze und längere Trockenphasen zu wappnen. 

  • Ufergehölze pflanzen: Bäume und Sträucher möglichst nahe am Ufer pflanzen, damit sie das Gewässer beschatten und die Erwärmung des Wassers reduzieren. Geeignete Arten sind beispielsweise Schwarz-Erlen, Baumweiden, Flatter-Ulmen und Schwarzpappeln.
  • Natürliche Gewässerstrukturen fördern: Naturnahe Gewässer mit vielfältigen Strukturen, ausreichend Platz und natürlichen Abflussverhältnissen entwickeln und erhalten.
  • Kaltwasserpools anlegen: In geeigneten, verbauten Gewässerabschnitten tiefere Bereiche schaffen, die durch Grundwasser oder kalte Zuflüsse gespeist werden und Fischen bei Hitze und Niedrigwasser als Rückzugsräume dienen.
  • Fischunterstände errichten: Wo natürliche Verstecke wie Wurzeln fehlen, künstliche Unterstände schaffen und an die jeweiligen Fischarten anpassen.
  • Ökologische Funktion stärken: Gewässer so entwickeln und unterhalten, dass sie Lebensräume für Fische, Insekten und andere Tiere bieten und Wasserextreme besser abpuffern können.
  • Maßnahmen fachlich abstimmen: Pflanzungen und bauliche Eingriffe mit der unteren Wasserbehörde und der unteren Naturschutzbehörde abstimmen. Dabei Hochwasserschutz und Fischlaichzeiten berücksichtigen. 

Die Maßnahmen.

 

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