Öffentlich-private Partnerschaften
Gemeinsam gegen den Investitionsstau
Morbach setzt auf private Investoren
Die Gemeinde wehrte sich. Im Rathaus begann man eigene Planungen voranzubringen. Sinnvoll für den Ort sollte das Gesamtkonzept sein und nicht nur Gewinn bringen. Gemeinsam mit einer Beratungsfirma wurde ein privater Partner gefunden, der zwischen 40 und 45 Millionen Euro investierte: in Windkraft, in Biomasse und in Photovoltaikanlagen. Michael Grehl vom Bauamt der Gemeinde erzählt: „Wir haben die Bevölkerung mit ins Boot geholt, unsere Vorhaben erklärt und die Ideen der Bürgerschaft mitgenommen. Herausgekommen ist ein Masterplan, der wissenschaftlich begleitet umgesetzt wurde.“
Investitionsstau belastet Kommunen
Der Investitionsrückstand der deutschen Kommunen beträgt laut KfW-Kommunalpanel 2025 rund 215,7 Milliarden Euro, wobei Schulen mit 67,8 Milliarden Euro und Straßen mit 53,4 Milliarden Euro im Rückstand sind. Mit sogenannten ÖPPs – Öffentlich-Private-Partnerschaften – versuchen zumeist größere Kommunen Investitionen zu stemmen, die sie alleine kaum tragen können. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Kommune nutzt privates Know-how und Kapital, die Planungen orientieren sich am Lebenszyklus eines Gebäudes, die Effizienz steigt, Leistungen werden gebündelt und das Investitionsrisiko wird sachgerecht verteilt.
In Köln, aber auch in vielen anderen Städten, wurden so Schulen gebaut oder saniert. In Halle entstanden auf diesem Wege neue Kitas und in Hünfeld in Hessen wurde eine Justizvollzugsanstalt errichtet. Natürlich bleiben die hoheitlichen Aufgaben in diesem Fall beim Land Hessen, während der private Partner beispielsweise für die Versorgung, die Reinigung, das Gebäudemanagement und andere Dienstleistungen zuständig ist. In Trier wurde ein Schwimmbad mithilfe eines privaten Partners in einem ÖPP-Pilotprojekt grundsaniert. Entscheidend für den Erfolg aller Projekte: eine ordentliche Prüfung der Wirtschaftlichkeit für beide Seiten.

Wirtschaftlich ist das ÖPP-Projekt in Morbach auf jeden Fall. Mittlerweile produzieren die Morbacher mehr Energie, als sie selbst benötigen. Die „Energielandschaft Morbach“ speist Energie aus Wind und PV ins Netz und mit der Abwärme der Biogasanlage werden Holzspäne – Abfälle der regionalen Holzindustrie – für eine weitgehend CO₂‑neutrale Holzpelletproduktion getrocknet. Die Kommune nimmt Gewerbesteuern ein und sehr gute Pachteinnahmen. Auch der Tourismus floriert. In den besten Zeiten besuchten 150 Gruppen im Jahr die beiden Ausstellungen in den ehemaligen US-Bunkern: Die Ausstellung „Kalter Krieg“ beleuchtet die Vergangenheit und die Ausstellung „Klimawandel“ die Gegenwart. Als der ursprüngliche Investor sich teilweise zurückziehen musste, übernahmen erfolgreich andere Unternehmen. Mittlerweile gibt es auch eine Bürgergesellschaft Windkraft, von der sowohl die Morbacher als auch die Gemeinde finanziell profitieren. Einen Teil der Gewinne investiert die Kommune in Vereine und in ein Förderprogramm für die Bürgerschaft. Auch Veranstaltungen des Morbacher Jugendparlaments unterstützt sie.
Verträge mit privaten Partnern
Michael Grehl unterstreicht: „Wir haben mit dem privaten Investor nur gute Erfahrungen gemacht. Auch weil wir gute Verträge ausgehandelt haben und uns von Mitarbeitern des Umwelt-Campus Birkenfeld, einem Außenstandort der Hochschule Trier, haben beraten lassen. Besonders wichtig war es für uns, in der Zusammenarbeit mit dem Investor stets faire Bedingungen für beide Seiten auszuhandeln.“
Mit diesem frühen Engagement kann Morbach durchaus als Vorreiter im Bereich Öffentlich-Privaten-Partnerschaften gelten. Bürgermeister Arianit Besiri fasst das Erfolgsmodell so zusammen: „Die erneuerbaren Energieanlagen in unserer Gemeinde leisten nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, sondern stärken auch das Miteinander und die Lebensqualität für alle Bürgerinnen und Bürger in Morbach. Wir nutzen die Einnahmen für Aufbau und Erhalt der kommunalen Infrastruktur sowie für kommunale Förderprogramme, die unsere Gemeinde nachhaltig aufstellt und für unsere Bürgerschaft lebenswert ist und bleibt.