Feuerschutz
Wenn der Wald brennt: Diese hochmoderne Technik hilft
Während Deutschland historisch betrachtet kaum als klassisches Waldbrandland galt, zeigt die Statistik des Deutschen Wetterdienstes eine deutliche Tendenz in eine andere Richtung: So hat sich die Anzahl der Tage mit hoher bis extremer Waldbrandgefahr im Vergleich der Zeiträume 1961–1990 und 1991–2020 nahezu verdoppelt. Gleichzeitig sank die verbrannte Fläche durch Fortschritte in der Prävention und Bekämpfung von Waldbränden. Und diese Fortschritte gehen weiter: Verschiedene neue und innovative Technologien können bei der Waldbrand-Bekämpfung helfen.
Waldbrandgefahr in Deutschland: Warum das Risiko für Kommunen steigt
Der Hauptgrund für die gestiegene Waldbrandgefahr auch in Deutschland sind die im Vergleich zu früher deutlich längeren Dürre- und Hitzewellen im Frühjahr und Sommer, die den Waldboden und die Vegetation extrem austrocknen. Dadurch bildet sich eine leicht entzündliche Schicht aus Totholz, Biomasse und trockener Streu. Wie hoch die Gefahr aktuell ist, können Kommunen und Feuerwehren tagesaktuell am Waldbrandgefahrenindex des DWD ablesen, der das Risiko in fünf Stufen abbildet und den Landesbehörden als Grundlage für Warnungen dient.
Monokulturen und Zündfunke: Woher die Waldbrandgefahr kommt
Zusätzlich verstärkt wird die Waldbrandgefahr durch die weitverbreiteten Nadelholz-Monokulturen aus Fichten und Kiefern, wie sie etwa in Brandenburg, Sachsen oder Niedersachsen vorkommen. Mit ihren ätherischen Ölen und dem harzreichen Holz wirken diese wie Brandbeschleuniger. Für Kommunen, die selbst Wald besitzen, ist der Umbau hin zu Laub- und Mischbeständen deshalb auch eine Frage des vorbeugenden Brandschutzes. Der Zündfunke selbst geht zwar in über 90 Prozent der Fälle auf menschliche Unachtsamkeit oder Brandstiftung zurück, allerdings führt die Kombination aus zunehmender Erwärmung und ungünstigen Waldstrukturen dazu, dass aus einem kleinen Funken immer öfter schwer kontrollierbare Großbrände entstehen.
Früherkennung: Wenn Sensoren den Rauch vor dem Menschen bemerken
Um dem Feuer Herr zu werden, kommen in Deutschland bereits einige sehr innovative Technologien im Regelbetrieb oder auch in Pilotprojekten zum Einsatz. Folgende sind besonders vielversprechend – und für Kommunen, Landkreise und ihre Feuerwehren zunehmend praxisrelevant:
Optische KI-Früherkennung: IQ FireWatch
Hierbei handelt es sich um ein automatisches Frühwarnsystem zur optischen Erkennung von Waldbränden, das in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickelt worden ist. Das Prinzip: Optische Sensoren analysieren kontinuierlich die Umgebung und erkennen mithilfe von Bildverarbeitungs-Algorithmen feinsten Rauch in bis zu 20 km Entfernung. Bei Treffern schlägt das System automatisch in den Waldbrandzentralen Alarm. Besonders intensiv ist dieses System bereits in Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen im Einsatz, wobei die Hochleistungssensoren meist auf ehemaligen Wachtürmen oder Mobilfunkmasten installiert sind.
DLR MACS – Luftgestützte Infrarot-Lagekarte in Echtzeit
Das sogenannte Modular Aerial Camera System des DLR wird zusammen mit der spezialisierten Hilfsorganisation @fire eingesetzt und funktioniert so, dass ein Flugzeug das Brandgebiet mit optischen und Thermalkameras scannt. Noch während des Flugs werden die Daten zu hochauflösenden Lage- und Glutnestkarten verarbeitet, die wiederum direkt in die digitalen Führungssysteme der Feuerwehr (z. B. CommandX) eingespeist werden können. Diese Methode wurde unter anderem schon bei einem Großbrand nahe Oranienbaum in Sachsen-Anhalt mit Erfolg angewandt.
„Elektronische Nasen“ - IoT-Gassensoren im Wald
Bei den sogenannten „Elektronischen Nasen“ handelt es sich um solarelektrische Klemmsensoren, die an Baumstämmen angebracht werden und mitten im Wald die Luftchemie auf Pyrolysegase wie Kohlenmonoxid prüfen. Ausgesprochen fein justiert, schlagen sie bereits Alarm, wenn Holz erst schwelt und noch gar keine Rauchwolke am Himmel zu sehen ist. Bei Piloteinsätzen und Tests in deutschen Forstgebieten unter anderem in Brandenburg und Bayern hat sich dieses System bereits als hilfreich erwiesen.
Taktische Aufklärungs- und Thermografie-Drohnen
Auch die Drohnen-Technologie erhält zunehmend Einzug bei der Waldbrand-Bekämpfung und ist bei immer mehr Kreisfeuerwehrverbänden mittlerweile ein wichtiger Teil der Ausrüstung. Besonders bewährt sich der Einsatz von automatischen Drohnen mit Wärmebildkameras noch während oder auch nach einem Brand. Diese sind in der Lage, tief unter dem Boden liegende Glutnester zu lokalisieren und können die Einsatzkräfte punktgenau dorthin lenken, damit das Feuer nicht Stunden später erneut ausbricht.
Europäische Reserve: rescEU-Flotte & KI-Satellitenanalyse
Unter der rescEU-Flotte und der KI-gestützten Überwachung versteht man die europäische Strategie zur Krisen- und Waldbrandbekämpfung, bei der eine gemeinsame Reserve an Löschflugzeugen und Hubschraubern mit intelligenten Satelliten- und Sensorprogrammen wie [EFFIS] (European Forest Fire Information System) verknüpft wird. Deutschland beteiligt sich aktiv an diesen EU-Katastrophenschutzressourcen und profitiert davon. So sind etwa am Flughafen Braunschweig/Wolfsburg zwei leichte Löschflugzeuge stationiert, die sowohl in Deutschland, etwa bei Bränden im Harz, als auch bei EU-Partnern eingesetzt werden. Außerdem nutzen deutsche Leitstellen Satellitenplattformen, um das regionale Risiko genauer einschätzen zu können.


