Kreative Ideen
Damit die Kultur aufs Land kommt
Mobil und kreativ: Kultur im Landkreis Rhön-Grabfeld
Im Landkreis Rhön-Grabfeld verfolgt man aktuell einen außergewöhnlichen Ansatz, um die Kultur im wahrsten Sinn des Wortes zu den Menschen zu bringen. Gefördert durch das Bundesprogramm „Aller.Land“ ist dort ein mobiles Kulturzentrum in Planung, das als „Kulturmobil“ durch die Region ziehen und die Kultur direkt in die Dörfer und Gemeinden bringen soll. Die Vision: Der umgebaute Wagen soll mal als Galerie, mal als Werkstatt, mal als Bühne dienen und insbesondere jene Orte ansteuern, in denen es ansonsten kein festes Kulturangebot gibt. Die Vorteile: Durch die Unabhängigkeit von Örtlichkeiten und festen Institutionen ist das Kulturmobil denkbar flexibel und kann seine Angebote dem jeweiligen Bedarf anpassen. „Rhön-Grabfeld ist groß und lebendig, auch was das Kulturprogramm angeht! Doch nur ein Teil der Menschen fühlt sich von den facettenreichen Kulturangeboten angesprochen. Häufig ist die Erreichbarkeit der Veranstaltungsstätten ein Problem. Es fehlen Angebote des sozialen Miteinanders, die als unverbindliche Treffpunkte in den Orten dienen“, so die Initiatoren. Das Kulturmobil setzt genau hier an und bringt eine größere Vielfalt auch in entlegene Regionen. Dabei sollen die Bürger selbst aktiv miteinbezogen werden.

Künstler zu Gast - im Landkreis Regen
Auch im Landkreis Regen hat man sich etwas Ungewöhnliches einfallen lassen, um Kunst und Kultur zu fördern und bereits dort ansässige Projekte und Künstler noch besser untereinander zu vernetzen. Ebenfalls gefördert von dem Bundesprogramm „Aller. Land“ wurde dort vom Landkreis in Kooperation mit dem Künstlerhaus Schiesslhaus AiR der Gemeinde Kollnburg sowie dem Forum für Kunst und Kultur Bild-Werk Frauenau e.V. das Projekt „Demokratie unplugged – Kunst für alle“ ins Leben gerufen. „Grundsätzlich geht es bei unserem Projekt um Kultur, Beteiligung und Demokratie“, sagt die Projektleiterin Anna-Helena Klumpen. Der Gedanke dahinter: Überall dort, wo Menschen kreativ werden und gemeinsam etwas schaffen, können indirekt auch soziale Werte vermittelt werden und wird Gemeinschaft unmittelbar erfahrbar.
Verschiedene Kunstformen
Der Kern des Projektes im Landkreis Regen ist ein Artist-in-Residence-Programm mit ganz unterschiedlichen künstlerisch-kulturellen Beteiligungsformaten. Konkret bedeutet das: Die ausgewählten KünstlerInnen leben und arbeiten jeweils für drei Monate im Bayerischen Wald und entwickeln in diesem Zeitraum gemeinsam mit den Menschen vor Ort Projekte. Das können bildliche Kunstwerke ebenso sein wie Theaterstücke - alle Genres sind willkommen. Vor einem knappen Jahr wurde die Umsetzung des Projekts gestartet. Für fünf Jahre stehen Fördergelder von insgesamt 1,5 Millionen Euro bereit, um das Konzept zu verwirklichen, wobei 1,35 Millionen durch den Bund und 150.000 Euro durch das Staatsministerium gefördert werden. Der Landkreis Regen fungiert dabei als Projektträger und koordiniert, die beiden Häuser setzen das Programm um und fungieren als „Ankerpunkte im Landkreis“, wie Klumpen sagt.

Erschließung neuer Kulturkreise das Ziel
„Die Weitläufigkeit der ländlichen Region erschwert es oft, sich mühelos zu vernetzen oder einander zufällig zu begegnen. So bleibt jemand in Viechtach womöglich ahnungslos darüber, dass in Frauenau bereits der ideale Projektpartner auf eine gemeinsame kreative Zusammenarbeit wartet“, so Klumpen. Entsprechend deutlich sei der Bedarf an Vernetzung der Akteure gewesen, außerdem sollten die Bürger selbst mehr einbezogen und Künstler von außen in den Landkreis gebracht werden. Um die Menschen quer durch die Generationen zu erreichen, wurden im Rahmen des Projekts die beiden Stränge „Kunst an Schulen“ und „Kunst im Dorf“ eingerichtet, die jeweils von den eingeladenen Künstlern bespielt werden.
Bunte Vielfalt an Projekten
Rund zehn Künstler pro Jahr werde im Landkreis Regen via Ausschreibungen für das Projekt gesucht - in Frage kommen Kunstschaffende, die Lust darauf haben, Projekte zu entwickeln, bei denen die Teilhabe und das Prozesshafte im Vordergrund stehen, wie Klumpen sagt. „Das Projekt ist kein Stipendium, sondern ein kultureller Auftrag“, so die Projektleiterin und entsprechend eng sei auch die Zusammenarbeit mit regionalen Partnern aus Kunst, Kultur, Bildung, Jugendarbeit, Verwaltung, Politik, Regionalentwicklung und Zivilgesellschaft. Bislang wurden schon etliche spannende Aktionen umgesetzt: So ist eine Künstlerin mit einem mobilen Glasofen durch den Landkreis gezogen und hat vor Ort Glasbläser-Workshops mit Interessierten abgehalten. Bei der Aktion „Wilder Ton“ wiederum konnten Schüler gemeinsam mit der Künstlerin aus heimischer Erde Ton herstellen und Kunstwerke formen und gerade erst hat der Künstler Ghaku Okazaki mit Schulkindern großformatige Wandgemälde erarbeitet.
Großer Gewinn für die Region
Schon jetzt ist das Projekt aus Sicht von Klumpen ein großer Erfolg und Gewinn für den Landkreis. Neben den künstlerischen Ergebnissen sind es für Klumpen insbesondere die Aspekte der Teilhabe und Gemeinschaft, die bereichern. „Bislang ist der Ansatz unseres Projekts voll aufgegangen. So war es unser wichtigstes Ziel, Leute aus verschiedenen Lebensrealitäten anzusprechen und zusammenzubringen. Und tatsächlich kommen bei den Kunstprojekten nun Menschen aus verschiedenen Hintergründen zusammen, die sich sonst nie getroffen hätten“, so Klumpen. Auch die Vernetzung unter den Akteuren in der Region sei bereits jetzt eine viel engere als zuvor. Noch für einige Jahre werden weitere Künstler mit ihren Projekten das Leben im Landkreis bereichern. Für die Zeit danach ist es das größte Anliegen der Projektinitiatoren, dass sich Formate herausentwickeln, die dann auch langfristig bestehen bleiben können.


