Stichwahlen in Niedersachsen: Darauf kommt es jetzt im Endspurt-Wahlkampf an
In Niedersachsen finden in zwei Wochen in vielen Kommunen Stichwahlen statt.
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Kommunalwahlen Niedersachsen 2026

Stichwahl: Worauf es im Endspurt ankommt

In Niedersachsen stehen nach der Kommunalwahl vom 14. September in zahlreichen Städten, Gemeinden und Landkreisen Stichwahlen an. Nach dem ersten Wahlgang werden die Karten neu gemischt. Wie Kandidaten für die Entscheidung am 27. September zusätzliche Wähler gewinnen, ihre Unterstützer mobilisieren und den Endspurt für sich effektiv nutzen können - wir haben Tipps und Erkenntnisse aus früheren Wahlen für Sie!

Nach der Kommunalwahl in Niedersachsen geht der Wahlkampf vielerorts in die Verlängerung. In 395 Kommunen standen Direktwahlen der Hauptverwaltungsbeamten an. Dafür waren 1.123 Bewerber zugelassen. Hat keiner von ihnen mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhalten, treten in der Regel die beiden Erstplatzierten am 27. September noch einmal gegeneinander an. Wer im ersten Anlauf nicht die absolute Mehrheit erreicht hat, muss nun um den Sieg kämpfen. Für die beiden Bestplatzierten beginnen damit zwei entscheidende Wochen. Was kann jetzt noch Stimmen bringen – und worauf kommt es im Endspurt besonders an?

Stichwahl am 27. September 

Mit der Stichwahl verändert sich die Ausgangslage grundlegend.  Denn jetzt gilt es für die bestplatzierten Kandidaten, nicht nur die eigenen Wähler zu mobilisieren, sondern auch die Wähler und Wählerinnen der ausgeschiedenen Kandidaten zu gewinnen. 

Der Erste oder die Erste hat noch lange nicht gewonnen

Ein deutlicher Vorsprung im ersten Wahlgang ist eine gute Ausgangsposition, aber keine Garantie für den Wahlsieg. Wie schnell sich die Lage ändern kann, zeigt eine von KOMMUNAL vorgestellte Untersuchung der Hochschule für Öffentliche Verwaltung in Ludwigsburg. Studenten hatten 182 Stichwahlen aus den vergangenen Jahren ausgewertet. In 36 Fällen gelang es einem zunächst zurückliegenden Kandidaten, das Rennen für sich zu entscheiden – also bei rund jeder fünften untersuchten Wahl.

Gerade der Erstplatzierte sollte deshalb einen Fehler vermeiden: den Eindruck zu erwecken, die Wahl sei bereits entschieden.

Denn bei der Stichwahl werden die Karten zumindest teilweise neu gemischt. Die Stimmen der ausgeschiedenen Bewerber lassen sich nicht einfach einem der beiden verbliebenen Kandidaten zurechnen. Zudem müssen auch diejenigen, die bereits im ersten Wahlgang für einen der Stichwahlkandidaten gestimmt haben, ein zweites Mal zur Wahl gehen.

Mobilisierung wird damit zu einem entscheidenden Faktor.

Mehr Einsatz statt neuer Strategie

Was also tun in den knapp zwei Wochen bis zur Stichwahl? Eine interessante Erkenntnis der von KOMMUNAL ausgewerteten Untersuchung: Erfolgreiche Aufholer erfanden ihren Wahlkampf nicht plötzlich neu. 88 Prozent der Kandidaten, die einen Rückstand aus dem ersten Wahlgang noch drehen konnten, behielten ihre bisherige Strategie bei.

Sie legten allerdings beim Einsatz zu: 71 Prozent der Befragten gaben an, ihren Wahlkampf vor der Stichwahl noch einmal deutlich intensiviert zu haben.

Das ist für den Endspurt eine wichtige Erkenntnis. Für eine komplett neue Kampagne ist ohnehin kaum Zeit. Vielmehr geht es darum, die verbleibenden Tage konsequent zu nutzen und die persönliche Präsenz noch einmal zu erhöhen.

Die Wähler der ausgeschiedenen Kandidaten in den Blick nehmen

Der größte Unterschied zum ersten Wahlgang liegt auf der Hand: Ein Teil der Wählerschaft hat nun keinen eigenen Kandidaten mehr im Rennen.

Für die beiden verbliebenen Bewerber lohnt deshalb ein genauer Blick auf die Ergebnisse. Wo waren ausgeschiedene Mitbewerber besonders stark? Welche Themen haben sie besetzt? Und wo gibt es Schnittmengen mit den eigenen Schwerpunkten?

Dabei geht es nicht darum, Positionen zu verändern oder innerhalb weniger Tage allen gefallen zu wollen. Entscheidend ist vielmehr, die eigene Ansprache zu erweitern: Warum sollte jemand, der im ersten Wahlgang einen anderen Kandidaten gewählt hat, jetzt für mich stimmen?

Wer darauf eine klare Antwort geben kann, hat einen wichtigen Ansatz für die letzten Wahlkampftage.

Persönliche Ansprache wird jetzt besonders wichtig

Gerade im Kommunalwahlkampf kann der direkte Kontakt entscheidend sein. Persönliche Präsenz und direkte Ansprache bewirken häufig mehr als kostspielige Kampagnen. Vor allem der Haustürwahlkampf kann helfen, mit Bürgern unmittelbar ins Gespräch zu kommen.

Vor einer Stichwahl kommt ein weiterer Vorteil hinzu: Der Wahlkampf kann gezielter werden. Kandidaten wissen inzwischen, wo sie im ersten Wahlgang besonders stark oder schwach abgeschnitten haben.

Statt wahllos möglichst viele Haustüren abzulaufen, können die Kräfte dort gebündelt werden, wo noch Stimmen zu gewinnen sind. Auch Wochenmärkte, Vereinsveranstaltungen, Ortsteiltermine und andere Gelegenheiten für persönliche Gespräche können in den letzten Tagen wichtiger sein als eine neue Runde Plakate.

Die eigenen Wähler nicht vergessen

Bei aller Konzentration auf neue Wählergruppen darf eine zweite Gruppe nicht aus dem Blick geraten: die eigenen Unterstützer.

Eine Stimme aus dem ersten Wahlgang ist noch keine Stimme in der Stichwahl. Wer glaubt, die eigenen Wähler würden selbstverständlich noch einmal zur Urne gehen, riskiert eine böse Überraschung.

Deshalb gehört die erneute Mobilisierung der eigenen Unterstützer zu den wichtigsten Aufgaben. Persönliche Netzwerke, Unterstützergruppen, Social Media, Newsletter oder WhatsApp-Kanäle können dabei helfen, an den Wahltermin zu erinnern und für sich zu werben.

Wenige klare Botschaften setzen

Zwei Wochen vor der Entscheidung ist nicht der Zeitpunkt, ein neues Wahlprogramm vorzulegen. Jetzt muss auf Anhieb verständlich sein, wofür ein Kandidat steht.

Welche zwei oder drei Themen sollen die kommenden Jahre prägen? Was soll sich in der Kommune konkret verändern? Und warum ist gerade dieser Kandidat der Richtige, um diese Vorhaben umzusetzen?

Dabei gilt für den Stichwahlkampf umso mehr, was generell für Kommunalwahlen gilt: Konkrete lokale Themen sind stärker als austauschbare Slogans. Bürger und Bürgerinnen wollen wissen, was sich bei Verkehr, Schulen und Kitas, Finanzen, Wirtschaft, Wohnen oder in ihrem Ortsteil verändern soll. KOMMUNAL empfiehlt deshalb, auf greifbare Themen und klare Botschaften zu setzen.

Social Media: mobilisieren, aber kein Dauerfeuer

Auch digital gilt: Entscheidend ist nicht die Menge der Beiträge, sondern eine klare Ansprache. Kurze Videos, konkrete kommunale Themen und eine verständliche Botschaft eignen sich besonders für die Schlussphase.

Kurze Videos, eine klare Aussage pro Beitrag und konkrete kommunale Themen sind sinnvoller als eine Flut von Wahlwerbung. KOMMUNAL empfiehlt zudem, Social Media nicht als reinen Schaukasten zu verstehen, sondern den Dialog zu suchen und auf Fragen und Kritik zu reagieren.

Vor der Stichwahl kommt eine weitere Funktion hinzu: die Mobilisierung. Wann wird gewählt? Warum ist die Stichwahl wichtig? Wie knapp kann die Entscheidung werden? Solche einfachen Botschaften können in der Schlussphase besonders wichtig sein.

Fehler können jetzt besonders teuer werden

Je kürzer die Zeit bis zur Wahl, desto schwieriger wird es, einen Fehler noch einzufangen. Eine missverständliche Äußerung, eine unnötige Attacke auf den Konkurrenten oder ein unbedachter Post kann die wenigen verbleibenden Wahlkampftage überlagern.

Auch das ist eine Erkenntnis aus der von KOMMUNAL vorgestellten Stichwahl-Untersuchung: Fehler des Favoriten können gerade dem Zweitplatzierten die Chance eröffnen, das Rennen noch zu drehen.

Das spricht auch gegen einen übermäßig aggressiven Wahlkampf. Unterschiede zum Konkurrenten müssen deutlich werden. Persönliche Angriffe können jedoch gerade diejenigen abschrecken, die sich erst zwischen den beiden Wahlgängen neu entscheiden.

Die KOMMUNAL-Tipps für den Stichwahl-Endspurt

Einsatz erhöhen: Jetzt zählt persönliche Präsenz. Die verbleibenden Tage sollten für möglichst viele direkte Kontakte genutzt werden.

Ergebnisse analysieren: Wo liegen zusätzliche Stimmenpotenziale? Ein genauer Blick auf Ortsteile und die Ergebnisse der ausgeschiedenen Kandidaten hilft bei der Schwerpunktsetzung.

Neue Wähler ansprechen: Nicht nur die eigene Stammwählerschaft im Blick haben, sondern deutlich machen, warum auch bisherige Unterstützer anderer Bewerber die eigene Kandidatur unterstützen sollten.

Eigene Wähler mobilisieren: Nicht davon ausgehen, dass sie automatisch noch einmal zur Wahl gehen.

Wenige Botschaften setzen: Zwei oder drei konkrete kommunale Schwerpunkte sind im Endspurt wirkungsvoller als ein ganzes Wahlprogramm.

Fehler vermeiden: In zwei Wochen bleibt kaum Zeit, einen Patzer zu korrigieren.

Persönlich werden: Haustürgespräche, Veranstaltungen und Begegnungen vor Ort gezielt nutzen.

Social Media zur Mobilisierung einsetzen: kurze, verständliche Botschaften, persönliche Videos und Erinnerungen an die Stichwahl statt digitalem Dauerfeuer.

Den Konkurrenten nicht zum Hauptthema machen: Unterschiede benennen, aber die eigenen Ziele in den Mittelpunkt stellen.