Moderne Museumsarbeit
Heimatmuseum: Tradition trifft Zukunft

Inklusion und kostenfreier Zugang als Erfolgsrezept
„Wir versuchen, unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen und verschiedene Formate anzubieten“, sagt Müller Horn. Es sei sehr wichtig, nicht nur im eigenen Kämmerchen zu hocken, sondern offen zu sein. In Kempten funktioniert dieser Ansatz ausgesprochen gut. 6 Millionen Euro hat der Umbau gekostet, 2 Millionen Euro die Ausstellung selbst; seit 2019 gibt es nun das Museum im Zumsteinhaus, das von den Bürgern rege besucht wird. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass das Museum keinen Eintritt kostet, sondern von der Stadt getragen wird. „Eintrittsgelder sind ohnehin nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, meint Müller Horn. Vielmehr solle das Museum „ein Wohnzimmer für die Bürger sein, ohne jede Hürde“. Ein Schwerpunkt des Museums liegt zudem auf Inklusion – mit Führungen in Gebärdensprache, Tastführungen und Demenzführungen. In aktuellen Projekten werden Randgruppen angesprochen, etwa bei einer Ausstellung zum Thema Obdachlosigkeit, die in Kooperation mit der örtlichen Wärmestube organisiert wurde.
Wir wollen die Gegenwart hereinholen in unser Museum. Es braucht immer eine Verbindung mit der Lebenswirklichkeit der Besucher, damit etwas hängen bleibt.
Heimatmuseen 2.0: Unterstützung für ehrenamtliche Museumsarbeit
Geht es um die Aufbereitung der Heimatgeschichte, sind es oft auch die Bürger selbst, die sich engagieren. Unter dem Titel „Heimatmuseen 2.0“ wurde im Naturpark Bergisches Land zur Förderung solcher ehrenamtlich geführten Museen von 2022 bis 2024 ein Projekt mit einem Gesamtbudget von 170.000 Euro durchgeführt. „Wir wollten die Museumslandschaft in der Region zu stärken und die Ehrenamtlichen bei ihrer Arbeit unterstützen“, erläutert Projektleiter Daniel Steinbrecher. Dabei ging es weniger um die Förderung von baulichen oder inhaltlichen Veränderungen als um strukturelle Fragen, etwa zur Organisation und Nachwuchsarbeit. 13 Museen aus der Region haben an dem Projekt teilgenommen und sich über zwei Jahre hinweg regelmäßig getroffen. „Die verschiedenen Museen sind ganz unterschiedlich strukturiert und organisiert, aber sie alle haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen“, sagt Steinbrecher. So sei eine unausgereifte Organisationsstruktur oft eine Hürde, zudem sei die Nachwuchsgewinnung zunehmend schwierig und viele der kleinen Museen litten durch fehlendes professionelles Marketing unter zu wenig Sichtbarkeit in der Region.
Workshops für mehr Professionalität
Begleitet von einer Beratungsagentur wurden deshalb verschiedene Workshops durchgeführt, in denen es unter anderem um eine effizientere Organisation, die Ansprache von jungen Ehrenamtlichen und erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit ging. Zum Abschluss gab es ein großes Museumsfest. „Die Ehrenamtlichen waren sehr dankbar, dass wir uns als Naturpark darum angenommen haben und haben viel für ihre Arbeit mitgenommen“, erzählt Steinbrecher. So habe sich das Projekt auch mit Blick in die Zukunft gelohnt. „Das immaterielle Wissen soll in der Region erhalten bleiben. Die Heimatmuseen sind ein Schatz und wichtiger Kulturfaktor hier.“
Freilichtmuseen: Alltagsleben vergangener Tage greifbar machen
Das immaterielle Erbe zu wahren, steht auch in den Freilichtmuseen im Fokus. Sie wollen den Lebensalltag längst vergangener Tage greifbar machen. „Ein Freilichtmuseum ist ein ethnologisches Museum“, sagt Timm Miersch, Leiter der Museen in Finsterau und Massing. Dabei habe sich die Museumsarbeit in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. „Früher ging es um den Erhalt der Tradition und das Sammeln, erst nur von Gegenständen, dann auch von ganzen Häusern“, so Miersch. Später sei der wissenschaftliche Blick von außen hinzugekommen, im besten Fall ergänzt durch den Erfahrungsschatz der Menschen vor Ort. „Was haben die gezeigten Gegenstände mit den Menschen vor Ort zu tun?“, das sei die leitende Frage in einem Freilichtmuseum, und so habe man in Finsterau seit Eröffnung in den 1980er-Jahren den Anspruch gehabt, eng mit der Bevölkerung vor Ort im Austausch zu sein. Hierzu werden die regionalen Vereine eingebunden und regelmäßig Feste und Veranstaltungen organisiert. „Bei Traditionsfesten wie dem Erntedank - oder Kirchweihmarkt sind mehr als 1.000 Besucher auf dem Gelände des Museums“, berichtet Miersch. „Die Bürger identifizieren sich mit dem Museum.“ Finanziell getragen von einem Zweckverband, an dem Bezirk, Kreise und Kommunen beteiligt sind. Miersch sieht es als wichtigsten Auftrag der Freilichtmuseen, die „Kulturtechniken von einst weiterzugeben" und den Besuchern das frühere Alltagslebens und die Welt aus verschiedenen Perspektiven zu zeigen“.
Museumspädagogik und generationenübergreifende Vermittlung
Dafür müsse gezielt in die Museumspädagogik investiert werden, außerdem setzt man in Finsterau auf regelmäßige Aktionen wie Brotbacken, Holzhandwerk oder Schmieden. Im Idealfall sollten Großeltern ihren Enkeln in einem Freilichtmuseum zeigen können, wie es früher einmal war, findet Miersch. Um diesen generationenübergreifenden Ansatz weiterverfolgen zu können, braucht es laut Miersch auch Städte und Gemeinden. „Es ist wichtig, dass sich die Kommunen zu ihren Museen bekennen. Sie sind ein offener Raum für die Gesellschaft und wichtige Orte der Demokratie, zu denen die Menschen ein großes Vertrauen haben.“



