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Leog
Stein für Stein kann die Nachverdichtung von Wohnräumen in Kommunen gelingen - vorausgesetzt, es werden verschiedene Dinge beachtet.
© 123rf.com

Stadtplanung

Die stille Reserve: Wie Kommunen Nachverdichtung aktivieren

von Dorothea Walchshäusl
Reporterin | KOMMUNAL
9. Februar 2026
Praxisbeispiele aus Bayern zeigen, wie Kommunen durch kluge Nachverdichtung Wohnraum gewinnen, Natur schützen und Akzeptanz sichern.

Wer heute in der Kommune neue Wohnungen schaffen will, merkt schnell: Die wirklich freien Flächen sind rar – und oft politisch kaum vermittelbar. Deshalb rückt die Nachverdichtung immer stärker in den Fokus. Sie nutzt vorhandene Potenziale im Bestand, ohne neue Außenbereiche zu beanspruchen. Entscheidend ist jedoch, wie systematisch Kommunen vorgehen und wie gut Prozesse, Anwohner und Eigentümer eingebunden werden. So kann Nachverdichtung gelingen:

Systematische Erfassung von Flächenpotenzialen i

An erster Stelle steht eine umfassende Bestandsaufnahme. Wo sind Baulücken und wo gibt es Leerstand? Diese Fragen sollten geklärt werden und die Ergebnisse detailliert aufgeschlüsselt. Flächen mit Potenzial können dabei Garagenhöfe, Parkplätze oder große Privatgärten ebenso sein wie Flachdächer zur Aufstockung oder ungenutzte Randflächen von Siedlungen. Von Beginn an lohnt sich hierbei eine enge Zusammenarbeit zwischen Stadtplanung und Liegenschaftsamt. Auch eine Einbindung von externen Gutachtern kann Sinn machen.

Sanft und maßvoll nachverdichten

Das Ziel einer Nachverdichtung ist die Beibehaltung oder sogar Erhöhung der Lebensqualität vor Ort statt einer maximalen Bebauung zu Lasten der Bürger. Deshalb ist es wichtig, überlegt und qualitätsvoll nachzuverdichten. Beispiele hierfür sind die Bebauung von Hinterhöfen oder Gärten, der Anbau an Bestandsbauten oder die Aufstockung solcher. Grüne Flächen sollten dabei möglichst erhalten bleiben oder können durch Begrünungskonzepte kompensiert werden.

Klare städtebauliche Rahmenbedingungen schaffen

Für eine vernünftige Nachverdichtung braucht es klare städtebauliche Rahmenbedingungen. Deshalb macht eine Anpassung von Bebauungsplänen ebenso Sinn wie die Entwicklung von Gestaltungssatzungen oder Quartierskonzepten, damit sich die neuen Gebäude schließlich harmonisch in das Gesamtbild einfügen. Zudem ist es hilfreich, eine gemischte Nutzung der Gebäude zu fördern, etwa durch Wohnraum, kleine Dienstleister oder soziale Einrichtungen.

Bürger frühzeitig ins Boot holen

Veränderung macht oft erst einmal Angst und nicht selten ist die Nachverdichtung von Wohnsiedlungen emotional stark aufgeladen. Deshalb ist es umso wichtiger, die Bürger und Anwohner so früh wie möglich in die Überlegungen einzubinden, zum Beispiel durch Infoveranstaltungen, Workshops, Beteiligungsplattformen oder Werkstattgespräche. Je transparenter kommuniziert wird und je ernster mögliche Bedenken, wie etwa die Sorge vor stärkerem Lärm, mehr Verkehr oder starker Beschattung genommen werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Bürger den Weg schließlich mitgehen.

Eigentümer aktiv unterstützen

Häufig sind gestaltbare Flächen nicht in kommunalem, sondern in privatem Besitz. Deshalb ist es eine zentrale Aufgabe der Kommune, die Eigentümer zu kontaktieren, gezielt anzusprechen und zu einer Nachverdichtung zu motivieren. Hierbei können Infoveranstaltungen und persönliche Beratungsgespräche helfen, außerdem lohnt sich der Verweis auf verschiedene Fördermöglichkeiten, zum Beispiel bei energetischer Sanierung oder barrierefreiem Umbau.

Infrastruktur und Versorgung nicht vergessen

Gelingt eine Nachverdichtung, wohnen schließlich mehr Einwohner auf demselben Raum - und damit steigt der Bedarf an Kitas, Schulen, Spielplätzen, ÖPNV usw. Deshalb ist es wichtig, parallel zur Bauplanung auch die soziale und verkehrstechnische Infrastruktur mitzubedenken, damit die Lebensqualität vor Ort erhalten bleibt. Was den Verkehr anbelangt, können für verdichtete Siedlungen auch neue Mobilitätskonzepte interessant sein, etwa Sharingmodelle oder besonders fahrradfreundliche Weggestaltungen.

Früher Kaserne, heute attraktives Wohngebiet - Beispiele aus Bayern

Wie Nachverdichtung gelingen kann, zeigt sich unter anderem in der Stadt Freising auf dem Gelände der ehemaligen „Vimy-Kaserne“.  Bis 1993 beherbergten die Gebäude dort ein Regiment der Bundeswehr, 1996 wurde das Nordareal schließlich von der Stadt erworben. In den folgenden Jahren wurde durch Aufstockung und Bauen in zweiter Reihe ein attraktives innerstädtisches Areal geschaffen, das mittlerweile Wohnungen ebenso bietet wie Büroeinheiten und Gemeinschaftseinrichtungen.

Ähnlich erfolgreich war ein Bauprojekt in Ingolstadt, wo im sogenannten „Komponistenviertel“ eine Nachverdichtungsoffensive gestartet wurde. Die Großsiedlung aus den 50er Jahren wurde 1989 von der gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft Ingolstadt mbH übernommen und systematisch verdichtet und ausgebaut. Heute ist das Viertel ein beliebter Wohn- und Aufenthaltsort in der Stadt.

Weiterführende Infos

Hilfreiche Tipps zur Nachverdichtung finden sich u.a. hier:

  • Studie „Erfolgsfaktoren für Wohnungsbauvorhaben im Rahmen der Innenentwicklung“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt‑ und Raumforschung (BBSR)
  • Leitfaden „Nachhaltige Innenentwicklung für Wohnungsbau“ des Bundes‑/Landesbereichs Hessen

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