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  3. Tipps für die Praxis: Wie Flächensparen gelingt
Neubaugebiet
Neubaugebiete sind nicht immer die Lösung, um junge Familien in die Kommune zu holen. Stattdessen lohnt es sich, die Flächen zu schützen und die Innenstadt zu beleben.
© 123rf.com

Bodenschutz

Tipps für die Praxis: Wie Flächensparen gelingt

von Dorothea Walchshäusl
Reporterin | KOMMUNAL
14. Januar 2026
Wie Kommunen Flächen sparen und Lebensqualität gewinnen: Zehn praxisnahe Tipps – von kluger Nachverdichtung bis zur Aktivierung von Leerständen. Mehrere Kommunen haben sich dazu in Unterfranken interkommunal zusammengetan.

Rund 50 Hektor Fläche werden in Deutschland täglich neu versiegelt, dabei will Deutschland den Flächenverbrauch pro Tag bis 2030 spürbar reduzieren. Mit gutem Grund: Da die Böden als Wasserspeicher CO₂ binden, die Landwirtschaft sichern und einen wertvollen Lebensraum für Tiere und Pflanzen bieten, geht die Versiegelung des Bodens eindeutig zu Lasten der Umwelt und der Lebensqualität. Umso wichtiger ist es, dass Kommunen mit dazu beitragen, dass Böden geschützt werden. Davon profitieren sie auch selbst - sowohl ökologisch, als auch sozial und wirtschaftlich. Hier kommen unsere Tipps fürs Flächensparen und ein Best-Practice-Beispiel aus Unterfranken.

  • Aufbau eines kommunalen Flächen-Managements

Um einen genauen Überblick zu haben, welche Flächen in der Kommune überhaupt verfügbar sind, lohnt sich ein professionelles Flächenmanagement. Dabei wird genau festgehalten, wer von welcher Fläche der Eigentümer ist und welches Potenzial die Fläche womöglich hat. Das Ziel: die Kommune kann vorausschauend aktiv werden.

  • Verankerung des Bodenschutzes in der Bauleitplanung

Der Bodenschutz sollte als klares Ziel in die kommunalen Flächennutzungs- und Bebauungspläne aufgenommen werden, damit bei der Bauleitplanung Umweltberichte, Bodenwertkarten und Versiegelungsanalysen eine solide Grundlage für politische Entscheidungen bieten.

  • Besondere Förderung für Bodenschutz

Wer Flächen schützt, sollte belohnt werden. Deshalb macht es Sinn, da bei der Grundstücksvergabe und kommunalen Fördermaßnahmen auch und besonders ökologische Kriterien eine Rolle spielen – etwa in Bezug auf den Versiegelungsgrad, die Bodenqualität oder eine nachhaltige Bauweise.

  • Kluge Gestaltung der Nachverdichtung

Bevor etwas neu gebaut wird, sollte geprüft werden, ob nicht bei bereits bestehenden Baugebieten nachverdichtet werden kann. Dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten - zum Beispiel Umnutzungen von Gebäuden, Aufstockungen oder kompaktere Bebauung.

  • Mehrfachnutzung von Flächen

Um Flächen zu schützen, kann auch die Mehrfachnutzung von Arealen Sinn machen. Schulhöfe können als Regenwasserspeicher dienen, Grünanlagen als Aufenthaltsräume und Hitzeschutz und Parkplätze können mit versickerungsfähigem Belag ausgestattet werden.

  • Aktivierung von Leerständen

In manchen Kommunen gibt es eine beachtliche Menge an Leerstand - und damit großes Potenzial. Damit diese Flächen wieder genutzt werden, lohnt es sich, spezielle Vermittlungsplattformen zu schaffen und Förderungen für Sanierungen einzubeziehen. Dies trägt auch zu einer lebendigen Innenstadt bei.

  • Entsiegeln und Renaturieren

Werden ehemalige Gewerbe- oder auch Verkehrsflächen nicht mehr benötigt, sollten diese entsiegelt und renaturiert werden. Damit entstehen neue Wasserspeicher, die Hitzebelastung wird gesenkt und die Kommunen gewinnen an Lebensqualität.

  • Interkommunale Zusammenarbeit nutzen

Auch in Sachen Flächensparen lohnt sich die Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg. Diese macht zum Beispiel bei gemeinsamen Gewerbegebieten Sinn und kann in eine abgestimmte Bauleitplanung oder gemeinsame Entwicklungsstrategien für die Region münden.

  • Auf die Innenentwicklung konzentrieren

Innen geht vor außen - diese Regel sollte grundsätzlich gelten, wenn es um neue Bauprojekte in Kommunen geht. Das betrifft sowohl die aktive Erfassung und Wiederbelebung von Baulücken, Leerständen oder Brachflächen als auch die Genehmigung neuer Baugebiete.

  • Bodenschutz öffentlich bewerben

Auch die Bürger sollten beim Bodenschutz miteinbezogen werden, damit sie den Wert des Flächensparens erkennen. Hierzu können gezielte Kampagnen, Beteiligungsprojekte und Bildungsprojekte beitragen.

Best Practice in Unterfranken - die flächenbewusste „Kreuzbergallianz“

Wie der Einsatz für Bodenschutz konkret gelingen kann, ist in der Kreuzbergallianz in Unterfranken zu beobachten. Bestehend aus den vier Gemeinden Stadt Bischofsheim, Sandberg, Markt Oberelsbach und Schönau an der Brend, hat die Allianz ein gemeinsames Flächenmanagement ins Leben gerufen. Auslöser hierfür waren düstere Prognosen zur demografischen Entwicklung der Region 2009. „Damals wurde uns ein Bevölkerungsrückgang von 10 Prozent vorhergesagt“, erzählt Georg Seiffert, der 1. Vorsitzende der Kreuzbergallianz. Da sei klar gewesen, dass man etwas tun müsse, damit die Orte attraktiver werden und sich noch mehr junge Familien dort ansiedeln. Der Bodenschutz war hierbei ein wesentlicher Punkt und wurde in der Kreuzbergallianz zur „Chefsache“ erklärt, wie Seiffert sagt. Dabei sei die klare Vorgabe gewesen: „Wir geben keine Neubaugebiete mehr frei, sondern versuchen, die leerstehenden Gebäude mit Leben zu füllen“, schließlich fördere jeder Neubau einen weiteren Leerstand im Innenort.

Erfolgreiches Maßnahmenpaket zur Flächenschonung

Mit einer Vielzahl von Maßnahmen wurde das Thema Bodenschutz in der Kreuzbergallianz in Angriff genommen. So wurden in jedem Ortsteil ein Sanierungsgebiet definiert und konkrete Abfragen bei den Eigentümern von Leerständen gemacht, zudem wurden ehrenamtliche Innen-Entwicklungslotsen eingeführt, die „das Ohr auf der Straße haben, mitbekommen, was sich tut und die Informationen dann an uns als Gemeinde weitergeben“, wie Seiffert sagt.

Ergänzend wurden außerdem Förderlotsen initiiert, deren Aufgabe es ist, Bürgern bei der Beantragung von Förderungen zur Sanierung zu helfen. Besonders gelungene Sanierungsprojekte werden wiederum mit einem Preis gekürt und im Innenentwicklungsforum vorgestellt. Denn: „Wenn man die Flächen draußen sperrt, muss man Anreize schaffen, das ist das A und O“, sagt Seiffert. Deshalb würden die Kommunen auch proaktiv auf die Leute zu gehen und sie bestmöglich unterstützen. Beworben wurden all diese Maßnahmen via klassische Öffentlichkeitsarbeit, die Amtsblätter der Gemeinden, die gemeinsame App und gezielte Bürgerversammlungen zum Thema.

Attraktive Ortskerne und mehr Lebensqualität

„Unser Ziel war es, Orte mit einer gesund gewachsenen Infrastruktur und einem lebendigen Marktplatz zu haben, in denen die Menschen gerne leben“, sagt Seiffert. Rund 15 Jahre nach der Besorgnis erregenden Prognose ist nichts davon eingetreten, im Gegenteil: „Statt einen Rückgang zu verzeichnen, sind die Einwohnerzahlen bei uns absolut stabil geblieben“, sagt Seiffert.

Ein wesentlicher Grund hierfür seien die verschiedenen Maßnahmen zur Belebung bereits bestehender Flächen und Schonung unbebauter Areale. „Wenn der Ortskern stirbt, dann stirbt die Seele eines Ortes“, sagt Seiffert, und jeder Quadratmeter, den man erhalten könne, sei wichtig. Dass dies in der Kreuzbergallianz derart erfolgreich gelungen ist, habe anfangs allerdings viel Überzeugungsarbeit und Durchhaltevermögen gekostet. „Als Kommune braucht man da viel Kraft und auch Mut, um das durchzustehen“, sagt Seiffert. Das Wichtigste aber sei es, mit den Leuten zu reden und die Bürger von der Wichtigkeit des Bodenschutzes zu überzeugen.

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