Geburtshilfe
Keine leichte Geburt: So sorgen Kommunen für Hebammen
Hebammen: Angebot von Räumen und Infrastruktur
Um Hebammen anzulocken oder bereits ansässige Hebammen gezielt zu unterstützen, bewährt sich das Angebot von kommunalen Räumlichkeiten, entweder kostenfrei oder vergünstigt. So können Hebammentätigkeiten zum Beispiel in Familienzentren, Ärztehäusern oder Gesundheitszentren vor Ort eingebunden werden, auch Sprechstunden in Mehrgenerationenhäusern werden gut nachgefragt. In manchen Fällen sind Kommunen auch in der Lage, die Trägerschaft von Geburtshäusern oder hebammengeleiteten Einrichtungen zu übernehmen.
Finanzielle Unterstützung
Nicht nur für die Gewinnung von Ärztinnen und Ärzten, auch für die Akquise von Hebammen kann es Sinn machen, gezielte Stipendien einzurichten für junge Hebammen in der Ausbildung, die sich im Gegenzug dazu verpflichten, nach Abschluss in der Kommune zu arbeiten. Ein ähnlicher Ansatz ist auch das Angebot einer Rückkehrprämie für Hebammen, die nach der Elternzeit wieder einsteigen in den Beruf. Zudem kann die Übernahme von Versicherungskosten gerade freiberufliche Hebammen sehr unterstützen, da diese oft eine große finanzielle Belastung darstellen.
Hilfe bei Wohnraum und Mobilität
Neben der Unterstützung bei der beruflich notwendigen Infrastruktur, kann es für Hebammen eine große Hilfe sein, wenn sie seitens der Kommune bei der Suche nach Wohnraum begleitet werden. Auch im Bereich der Mobilität kann die Kommune helfen, zum Beispiel durch die Bereitstellung von Dienstfahrzeugen oder finanzielle Zuschüssen bei den Fahrtkosten, um Hausbesuche zu erleichtern.
Gezielte Öffentlichkeitsarbeit
Die Arbeit der Hebammen geschieht im privaten Rahmen und ist dadurch oft wenig sichtbar. Umso wichtiger ist eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit, um das Berufsimage zu stärken und auf die Bedeutung dieses Berufsstandes hinzuweisen. Hier kann die Kommune aktiv unterstützen, etwa durch regionale Image-Kampagnen, die Organisation von Veranstaltungen, die Vergabe von Auszeichnungen oder Artikel im Amtsblatt.
Aufbau von Netzwerken und Kooperationen
Damit die Hebammen nicht das Gefühl haben, auf sich alleine gestellt zu sein, lohnt sich eine intensive Netzwerkarbeit in der Kommune. Diese fördert den Austausch zwischen Hebammen, Kliniken, Ärzten, Politik und Verwaltung. Dazu können runde Tische ebenso beitragen wie digitale Netzwerke und Verteiler.
Förderung von Nachwuchs
Mit Blick in die Zukunft ist es ein wichtiger Aspekt, die Nachwuchskräfte zu unterstützen, um auch mittel- und langfristig genügend Hebammen in der Region zu haben. Das kann etwa durch die persönliche Begleitung von Hebammenschülerinnen geschehen oder auch durch das Angebot von Praktikumsplätzen in kommunalen Einrichtungen.
Die Hebammenzentrale im Landkreis Passau
Auch im Landkreis Passau ist die Nachfrage nach Hebammen groß. Die ansässigen Hebammen mussten regelmäßig Frauen abweisen, die sie um eine Betreuung bitten. Um diesen Zustand zu ändern, hat die Hebamme Simone Schneider zusammen mit ihrer Kollegin Tanja Brunnbauer die Gründung einer Hebammenzentrale initiiert, über die schwangere Frauen eine Betreuung nach der Geburt anfragen können. Gefördert wird das Projekt vom Freistaat Bayern, außerdem sind die Stadt und der Landkreis Passau mit im Boot.

Verbesserung für Schwangere und Hebammen
„Die Situation im Landkreis Passau war sowohl für die Schwangeren als auch für uns Hebammen schwierig. So gab es viele Schwangere in der Region, die keine Hebamme zur Betreuung gefunden fragen. Wir Hebammen wiederum mussten vielen Frauen absagen, weil wir bereits komplett voll waren“, erzählt Schneider - das hätte ihr um die Frauen leidgetan und zudem viel Schreibarbeit gemacht. Um hier eine Lösung zu finden, entwickelten Schneider und Brunnbauer die Idee zu einem Zusammenschluss von freiberuflichen Hebammen aus Stadt und Landkreis Passau. Das Ziel: möglichst alle Frauen in der Region in den ersten 28 Tagen nach der Geburt zu Hause zu begleiten. Zugeschnitten auf das Landes-Förderprogramm zur „Stärkung und Sicherung der geburtshilflichen Hebammenversorgung“ haben die beiden Initiatorinnen schließlich ein Konzept entwickelt und sind auf Stadt und Landkreis Passau zugegangen. Als von beiden Seiten Unterstützung kam, wurde das Konzept eingereicht und schließlich bewilligt.
Betreuung von allen Frauen nach der Geburt gewährleistet
Seit April 2024 ist die Hebammenzentrale im Landkreis Passau aktiv, gerade erst wurde das Projekt verlängert. Dabei funktioniert die Zentrale folgendermaßen: Via eine Website können sich schwangere Frauen mit Wohnsitz in Stadt und Landkreis Passau mit Namen, Adresse und errechnetem Geburtstermin registrieren. Alle paar Wochen wird dann eine anonymisierte Liste mit allen Frauen an die aktuell 18 bei der Zentrale mitwirkenden Hebammen ausgesandt. Jede dieser freiberuflichen Hebammen hat sich dazu verpflichtet, ein bis zwei Tage pro Monat einen Bereitschaftsdienst zu übernehmen, für den sie jeweils 90 Euro Pauschale erhält für den Mehraufwand an Fahrten. Die registrierten Frauen erhalten in Folge eine Nachricht, welche Hebammen sie kontaktieren können und haben die Sicherheit, in den ersten vier Wochen nach Geburt Besuch durch die jeweilige Bereitschaftshebamme zu bekommen. Neben dieser Vermittlung von Geburtshelferinnen organisiert die Zentrale zudem deren Vertretungen im Krankheitsfall und bietet eine Telefonsprechstunde an.
Hebammenzentrale wird gut angenommen
Die Finanzierung des Projekts läuft zu 90 Prozent über das Land, die restlichen 10 Prozent teilen sich Stadt und Landkreis - das entspricht jeweils rund 3000 Euro pro Jahr. „Außerdem unterstützt uns der Landkreis, konkret die Leiterin der Gesundheitsregionplus Passauer Land, bei bürokratischen Dingen und übernimmt die formale Verwaltungsarbeit. Das ist eine große Hilfe“, sagt Schneider, zumal das Projekt jedes Jahr neu beantragt werden muss. Beworben über Flyer und Medien, ist die Hebammenzentrale mittlerweile in der Region bekannt und wird intensiv nachgefragt. „Es melden sich deutlich weniger Frauen direkt bei uns einzelnen Hebammen, stattdessen nutzen viele die Zentrale und registrieren sich dort“, so die Initiatorin. Registrierten sich 2024 noch 108 Frauen, gab es 2025 bis Oktober bereits 166 Anmeldungen und würden hier vor allem Frauen mit Migrationshintergrund unkompliziert Hilfe finden. Aus Sicht von Schneider hat sich die Gründung der Hebammenzentrale absolut ausgezahlt - für alle Beteiligten. So stellt sie fest: „Wir können den Frauen jetzt eine gute Betreuung garantieren, das ist ein wichtiger Schritt. Außerdem profitieren auch wir Hebammen davon und müssen nicht mehr so viele Frauen ablehnen. Wir sind ja alles Einzelkämpferinnen. Jetzt ist die Vernetzung untereinander viel besser.“


