Öffentliche Gebäude
Klimafreundlich bauen – mit Praxisbeispielen
Nachhaltig bauen: Diese Grundschule setzt Maßstäbe
In diese moderne Grundschule werden die Kinder gerne gehen: Die einzelnen Cluster sind jeweils um einen "Lichthof" gebaut, es gibt einen Freibereich im Flur, in denen Kleingruppen lernen können, es gibt einen Therapiebereich mit barrierefreien Sanitärräumen für Kinder mit Handicap und besonderen Bedarfen. Auch eine moderne, multifunktionale Mensa ist integriert. Die Kinder bekommen einen großzügigen, teilweise überdachten Pausenhof. Der Freibereich gliedert sich in einen stillen naturnahen Bereich und einen zum Bewegen, Toben und Spielen. Der Pausenhof lädt mit einer großen Kletterkombination, die in Anlehnung an die frühere Nutzung in Form eines alten Gewächshauses gestaltet ist, zum Spielen ein. Es gibt Tischtennisplatten und eine Ballspielfläche. Ein Teil der Pausenhof-Fläche ist bunt und grün: Rasen wechselt sich ab mit Pflanzen und Bäumen. Das besondere Highlight: die Grundschule ist nach modernsten, nachhaltigen Prinzipien gebaut worden.
Bürgermeisterin Andrea Schwarz hebt die Plus-Punkte des Gebäudes hervor: „Die Schule wurde in moderner Holzbauweise mit nachhaltigem Material errichtet.“ Die Rohstoffe wurden so verarbeitet und eingesetzt, dass sie nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip wiederverwertbar sind und der hohe Holzanteil des Tragwerks begünstigt die CO₂-Bilanz positiv. Auch die Materialien, die für die Außenanlagen verwendet worden sind, wurden unter nachhaltigen Gesichtspunkten ausgewählt.
Ebenfalls bemerkenswert: Trotz zwischenzeitlich stark gestiegener Baupreise konnte das Projekt - auch aufgrund eines hohen Vorfertigungsgrads - günstiger umgesetzt werden als ursprünglich gedacht. „Statt den veranschlagten 29,5 Millionen Euro wurde das Projekt mit rund 26 Millionen Euro abgerechnet. Das zeigt, dass preiswürdige Architektur und Nachhaltigkeit auch kostengünstig umsetzbar sind, sagt die Bürgermeisterin und fügt an: „Man sieht, dass preiswürdige Architektur und Nachhaltigkeit auch kostengünstig umsetzbar sind. Eine gute Planung schafft den Spagat.“ Der Lohn der Mühe: 2024 erhielt die Kommune für ihre neue Grundschule den Hugo-Häring-Landespreis des Bunds der Architekten (BDA) Baden-Württemberg.

Fast einmalig: Eine Brücke aus Flachs
Wer heute in Ulm die Brücke über die "kleine Blau" betritt, sollte sich Zeit zum Staunen lassen. Die neue Brücke ist die zweite "Smart-Circular-Bridge" weltweit und die erste ihrer Art, die auch Autos trägt. Sie besteht weitgehend - aus Flachs und Bio-Harz. Bevor die Baumwolle ihren Siegeszug antrat, wurde aus dieser Pflanzenfaser Leinwände, Leintücher, Säcke und Schiffstaue gefertigt. Das Material gilt als schlecht bügelbar, aber wunderbar reißfest. Jetzt entstehen daraus sogar - Brücken.
Mit neun Metern Länge und fünf Metern Breite wirkt die Brücke für Passanten zunächst unscheinbar. Doch ein genauer Blick zeigt das gestalterische Potenzial: ein kunstvolles Geländer in geometrischen Formen, voll automatisiert gewebt von Roboterarmen. Die Seile bestehen aus Flachsfasern, die in biologischen Epoxidharz getaucht wurden plus recyceltem PET-Schaum – dadurch sind sie besonders stabil und wetterfest. Die Geländerpfosten bestehen aus Hartholz, recycelt aus einer abgerissenen Brücke.
Aus der Stadtverwaltung Ulm heißt es: "Diese Werkstoffkombination macht die Brücke besonders leicht und so stabil, dass sie sich mit Stahlkonstruktionen messen kann. Bei Belastungstests schneidet die Brücke so gut ab, dass neben Fußgängern und Fahrradfahrern auch Fahrzeuge die Brücke überqueren können." Ganz ohne Probleme ging auch dieses wegweisende Projekt nicht vonstatten. Zumal der Unterbau aufwändiger saniert werden musste als ursprünglich gedacht.
Kein Wunder: Neue Verfahren und neues Material brauchen Erkundungsphasen: "Eine ungeplante Überhitzung des Harzes beim Bau des ersten Brückenkörpers machte die Naturfasern spröde, weshalb der Brückenkörper ein zweites Mal gebaut werden musste. Und das von einem neuen Hersteller, da der alte - aus einem anderen Grund - Insolvenz anmelden musste. Das hieß: Verzögerung und höhere Kosten. Andernfalls wäre die Brücke nicht teurer geworden als herkömmliche Brücken. In Verbindung mit einem Kunstprojekt ist die Brücke sogar "hörbar".

Öffentliche Gebäude sollten möglichst nachhaltig gebaut, langlebig konstruiert, effizient in den Abläufen und kostengünstig geplant werden. Hilfestellungen für Kommunen gibt es mittlerweile einige:
1. Informationsquellen auf Bundesebene
- Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB): Leitfaden Nachhaltiges Bauen, BNB-System
- Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK): Energieeffizienz, Förderprogramme (BAFA, Energiewechsel)
- Deutsche Energie-Agentur (dena): Kommunalportal Energieeffizienz, Modellvorhaben Effiziente Gebäude
- KfW-Bank: Förderprogramme für kommunale Neubauten und Sanierungen (KfW 218/219, IKK)
2. Landesebene – Energie- und Klimaschutzagenturen
Jedes Bundesland hat eigene Energie- oder Klimaschutzagenturen mit Angeboten für Kommunen.
Sie bieten kostenfreie Erstberatung, Workshops, Förderhilfen und Beispielprojekte.
3. Fachstellen und Netzwerke
- Deutsches Institut für Urbanistik (Difu): Forschung und Schulungen für Kommunen
- DGNB: Beratung und Zertifizierungssystem für nachhaltiges Bauen
4. Informationen zu neuen Bauweisen und Materialien
Kommunen, die sich über neue Bauweisen, klimafreundliche und ressourcenschonende Materialien informieren möchten, finden aktuelle Informationen hier:
- WECOBIS (Baustoff-Informationssystem):
- Leibniz IÖR Materialkataster: Informationen zum Baustoffbestand in Deutschland
5. Neues Bauen - das ist immer wichtig
• Frühzeitige Integration nachhaltiger Materialien in die Planungsphase
• Lebenszykluskosten und Instandhaltung berücksichtigen
• Nachhaltigkeitskriterien in Ausschreibungen verwenden
• Pilotprojekte mit innovativen Bauweisen anstoßen
• Monitoring und Schulungen im Bau- und Beschaffungswesen etablieren


