Kommunalwahlen in Bayern. Wahlen im oberbayerischen Siegsdorf im Chiemgau Bayern Deutschland
Kommunalwahlen in Bayern, hier im oberbayerischen Siegsdorf im Chiemgau.
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39.300 Mandate neu besetzt

Kommunalwahl Bayern 2026: Ergebnisse, Sieger und Stichwahlen im Überblick

Wahlkrimi in Neubiberg, Fürth, Augsburg, Bayreuth, Dillingen, Miltenberg, Hof, Freyung-Grafenau, Passau, Regensburg, Ingolstadt, Rosenheim, Landshut, Bamberg, Coburg und Würzburg – wer gewinnt die Rathäuser, wo kommt es zur Stichwahl? Der 8. März wurde zu einem echten Super-Wahltag für die kommunale Ebene. In Bayern wurden tausende Gemeinderäte, Bürgermeister und Landräte gewählt. Parallel fanden in Baden-Württemberg Bürgermeisterwahlen und die Landtagswahl statt. Und auch in Brandenburg entschieden Bürger über Landräte und Rathauschefs. Das Ergebnis zeigt einmal mehr: Die große Politik mag im Bundestag stattfinden – aber die echte Demokratie lebt im Rathaus. Ein Überblick:

Die spannendsten Geschichten dieser Kommunalwahl spielen sich nicht in den Metropolen ab, sondern in kleineren Gemeinden. Dort, wo der Bürgermeister noch beim Feuerwehrfest Bier zapft und wo Wahlkampf oft ein Gespräch im Dorfladen ist.

Ein Beispiel liefert Neubiberg im Landkreis München. Amtsinhaber Thomas Pardeller verfehlte mit 49,7 Prozent knapp die absolute Mehrheit. Herausforderin Carola Grimminger kam auf rund 27 Prozent. Damit kommt es am 22. März zur Stichwahl – und plötzlich steht ein Rathaus auf der Kippe, das lange als CSU-Hochburg galt.

Ganz anders das Bild im Landkreis Miltenberg in Unterfranken. Dort gewann Björn Bartels die Landratswahl bereits im ersten Durchgang mit 51,2 Prozent der Stimmen. Der Landkreis kehrt damit nach zwölf Jahren wieder fest in die Hände der CSU zurück.

Auch im Landkreis Freyung-Grafenau gab es ein klares Ergebnis. Amtsinhaber Sebastian Gruber wurde mit 89,1 Prozent der Stimmen bestätigt – eines der besten Ergebnisse im gesamten Freistaat.

Ähnlich deutlich fiel die Wahl im Landkreis Hof aus. Dort erhielt Oliver Bär, Ehemann von Ministerin Dorothea Bär, rund 75 Prozent der Stimmen und startet damit in eine weitere Amtszeit.

Die Beispiele zeigen ein klares Muster: Gerade in ländlichen Regionen bleiben etablierte Bürgermeister und Landräte weiterhin äußerst stabil.

Großstädte als politische Bühne

Ganz anders funktioniert Politik in den größeren Städten. Hier geht es nicht nur um Feuerwehrhäuser und Baugebiete – hier spielen Parteien, Koalitionen und politische Trends eine deutlich größere Rolle.

Ein besonders klares Beispiel liefert Fürth. Dort setzte sich Oberbürgermeister Thomas Jung mit 72,1 Prozent gegen gleich sechs Mitbewerber durch. Ein ungewöhnlich deutliches Ergebnis für eine Großstadt und ein persönlicher Triumph für den langjährigen Rathauschef.

In Augsburg wiederum zeigte sich ein deutlich engeres Rennen. Die amtierende Oberbürgermeisterin Eva Weber musste sich gegen mehrere starke Kandidaten behaupten und blieb im ersten Wahlgang unter der absoluten Mehrheit.

Auch in Bayreuth bleibt es spannend. Mehrere Kandidaten bewarben sich um das Amt des Oberbürgermeisters. Amtsinhaber Thomas Ebersberger von der CSU kam zwar in die Stichwahl, erhielt aber im ersten Wahlgang deutlich weniger Stimmen als Herausforderer Andreas Zippel von der SPD. 

Großstädte bleiben damit politisch offener und wechselhafter als viele ländliche Regionen.

CSU zwischen Triumph und Warnsignal

Für Ministerpräsident Markus Söder wurde der Wahlabend zu einer Mischung aus Jubel und Stirnrunzeln.

Auf der Habenseite stehen spektakuläre Ergebnisse in vielen Regionen. In Dillingen an der Donau erreichte CSU-Kandidat Frank Kunz ein nahezu rekordverdächtiges Ergebnis von 95,2 Prozent der Stimmen.

Auch im Landkreis Freyung-Grafenau dominierte die CSU deutlich: Landrat Sebastian Gruber kam auf fast 90 Prozent.

Ein weiteres starkes Ergebnis gab es im Landkreis Miltenberg, wo Björn Bartels bereits im ersten Wahlgang die Mehrheit holte.

Doch es gab auch Warnsignale. In Neubiberg muss CSU-Amtsinhaber Pardeller in die Stichwahl gegen eine Herausforderin der Grünen.

Gerade in größeren Städten geraten CSU-Kandidaten zunehmend unter Druck durch parteilose Bewerber oder lokale Wählergruppen. 

Demokratie im Dorf

Die vielleicht charmanteste Seite der Kommunalwahl zeigt sich in den kleinsten Gemeinden Bayerns.

Dort, wo nur wenige hundert Menschen leben, kennen Kandidaten fast jeden Wähler persönlich. Wahlkampf bedeutet hier Gespräche beim Bäcker oder beim Feuerwehrhaus – nicht Fernsehdebatten.

Gerade diese kleinen Gemeinden gelten vielen Beobachtern als Herzstück der kommunalen Demokratie.

Auch wenn Demokratie manchmal für einzelne Kandidaten bitter ist. So gab es in Bayerns kleinster Gemeinde bei der Bürgermeisterwahl ein kurioses Ergebnis. 



Denn in Chiemsee stand nur ein Name auf dem Stimmzettel. Trotzdem schaffte es der Amtsinhaber nicht, die Mehrheit zu holen. Obwohl Amtsinhaber Armin Krämmer von der Freien Wählergemeinschaft Chiemsee ohne Konkurrenz antrat, verfehlte er die nötige Mehrheit. Laut vorläufigem Endergebnis kam Krämmer nach vollständiger Auszählung lediglich auf 47,7 Prozent der Stimmen. Mehr als die Hälfte der Wählerinnen und Wähler – genau 52,3 Prozent – trugen stattdessen andere Namen auf dem Wahlzettel ein.

Wie viele verschiedene Namen auf den Stimmzetteln stehen, ist derzeit noch nicht bekannt. Dafür müssen wir auf das detaillierte Endergebnis der Gemeinde warten. Dann wird auch klar sein, welcher Name am häufigsten von den Wählerinnen und Wählern aufgeschrieben wurde und somit in die Stichwahl kommt. 

Wenn niemand auf dem Wahlzettel steht 

Eine Besonderheit gab es auch in Philippsreuth im Bayerischen Wald. Dort hatte Helmut Knaus angekündigt, nicht erneut antreten zu wollen. Er ist im Rentenalter. Es fand sich aber niemand, der kandidieren wollte. So hatten die Wähler am Sonntag die Gelegenheit, selbst einen Namen auf den Stimmzettel zu schreiben, denn auch Helmut Knaus hatte sich nicht aufstellen lassen. Gegenüber KOMMUNAL hatte er in der vergangenen Woche schon "befürchtet",  dass sein Name auf dem Stimmzettel häufiger auftauchen dürfte. Und so kam es auch: Mit 57,1 Prozent der Stimmen ist der amtierende Bürgermeister Helmut Knaus wiedergewählt worden. Die Mehrheit der Wähler hatte seinen Namen auf den Stimmzettel geschrieben. Noch ist aber unklar, ob Knauss die Wahl annimmt. Uns hatte er im Vorfeld gesagt, das müsse er sich dann noch einmal überlegen. 



Nimmt er an, bleibt er ehrenamtlicher Bürgermeister, ansonsten muss in drei Monaten in Philippsreuth erneut gewählt werden - egal ob mit oder ohne Bewerber. 

Stichwahlen: Der Wahlkrimi geht weiter

Für viele Kandidaten ist der Wahlabend noch nicht vorbei.

Überall dort, wo keiner der Bewerber über 50 Prozent kommt, folgt eine Stichwahl zwei Wochen später.

Ein prominentes Beispiel ist Neubiberg, wo Thomas Pardeller  nun gegen Carola Grimminger antreten muss.

Auch in mehreren weiteren Städten und Gemeinden in Oberbayern, Niederbayern und der Oberpfalz wird erst am 22. März endgültig entschieden.

Gerade diese zweite Runde sorgt traditionell für Spannung, weil sich die Stimmen der unterlegenen Kandidaten neu verteilen können.

Baden-Württemberg: Bürgermeisterrennen in Baden-Baden

Während Bayern seine kommunale Landschaft neu sortiert, wurde auch im Südwesten gewählt.

Besonders aufmerksam verfolgt wurde die Oberbürgermeisterwahl in Baden-Baden. Acht Kandidaten bewarben sich um das Amt an der Spitze der Kurstadt.

Im ersten Wahlgang lag Thomas Jung mit 37 Prozent vorne. Dahinter folgt Lencke Wischhusen mit 31,4 Prozent. Sie führte nicht nur acht Jahre lang in Bremen die damalige FDP-Fraktion in der Bremer Bürgerschaft und war Mitglied im Bundesvorstand der Liberalen. Bekannt wurde sie vor allem durch die VOX-Show "Die Höhle der Löwen". Dort war die langjährige Vorsitzende des Wirtschaftsverbands "Die jungen Unternehmer" Investorin. 

Da keiner der Bewerber die absolute Mehrheit erreichte, kommt es auch hier zu einer Stichwahl.

Die Wahlbeteiligung lag bei 56,6 Prozent – ein vergleichsweise hoher Wert für eine Kommunalwahl.

Landtagswahl Baden-Württemberg: Der Blick auf die Wahlkreise

Parallel dazu wurde im Südwesten ein neuer Landtag gewählt. 

Die Erststimme entscheidet darüber, welcher Kandidat direkt einen Wahlkreis gewinnt. In vielen Regionen entwickelte sich daraus ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Kandidaten von Grünen und CDU.

Gerade diese Direktmandate zeigen, welche Parteien regional besonders stark sind – etwa in Universitätsstädten oder in ländlichen Regionen.

Landtagswahl: Grüne hauchdünn vorne, SPD mit historischem Tief

Die Grüne Partei mit Spitzenkandidat Cem Özdemir landete hauchdünn mit 30,2 Prozent vor der CDU um Spitzenkandidat Manuel Hagel mit 29,7 Prozent. Die Grünen verlieren damit rund 2,5 Prozentpunkte an Stimmen, die CDU liegt mit knapp 6 Prozent Plus deutlich im Aufwind. 



Weil aber die CDU die mit Abstand meisten Direktmandate holte, was wiederum zu Ausgleichsmandaten führt, haben Grüne Partei und CDU exakt gleich viele Sitze im neuen Landtag. Sollten Sie eine Koalition bilden, was als sehr wahrscheinlich gilt, verfügen Sie sogar über eine Zweidrittelmehrheit im Landtag und können fast alle Gesetze ohne die Opposition durchsetzen. 



Diese besteht ohnehin nur noch aus 2 Parteien. Der große Wahlsieger mit rund 19 Prozent der Stimmen war die AfD, bei der letzten Wahl lag die Partei noch unter 10 Prozent.

Besonders dramatisch ist das Ergebnis der SPD, die mit 5,5 Prozent ihr historisch schlechtestes Ergebnis in Baden-Württemberg einfährt. 

Im Tal der Tränen auch die FDP, sie stellte in Baden-Württemberg früher sogar mal den Ministerpräsidenten in ihrem Stammland. Mit 4,4 Prozent verfehlte sie nun erstmals in der Geschichte des Landes den Einzug in den Landtag. Dort war die Linkspartei noch nie vertreten, schaffte es auch dieses Mal mit 4,3 Prozent nicht. 

Reaktionen auf die Landtagswahl 

Der Wahlabend löste auch in der Bundespolitik deutliche Reaktionen aus. Besonders hart traf das Ergebnis die FDP. Parteivize Wolfgang Kubicki sprach von einem historischen Rückschlag und nannte den Wahlabend den „wohl bittersten Tag meines politischen Lebens“. Kurz nach Bekanntwerden der Zahlen kündigte FDP-Landeschef Hans-Ulrich Rülke seinen Rücktritt an. 

Ganz anders die Stimmung bei den Grünen. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Deutschland, Gökay Sofuoglu, sieht im Wahlsieg Cem Özdemirs in Baden-Württemberg eine „Erfolgsgeschichte der Gastarbeitergeneration“. Sofuoglu sagte, Özdemirs Eltern seien klassische Gastarbeiter gewesen.

Bei der CDU herrschte dagegen eine Mischung aus Stolz und Enttäuschung. Spitzenkandidat Manuel Hagel räumte offen ein, dass sein Ziel verfehlt wurde. Zwar habe die CDU deutlich Stimmen hinzugewonnen, stärkste Kraft sei man aber nicht geworden. „Das ist eine Niederlage für uns“, erklärte Hagel und gratulierte den Grünen zum Wahlsieg. 

Brandenburg: Bürgermeister und Landräte im Fokus

Auch im Osten Deutschlands standen kommunale Entscheidungen an.

In Brandenburg wurden mehrere Bürgermeister- und Landratswahlen durchgeführt. So wird es im Landkreis Spree-Neiße bei der Landratswahl eine Stichwahl geben. Die AfD-Kandidatin Christine Beyer holte im ersten Wahlgang rund 42 Prozent der Stimmen. Sie tritt nun gegen Martin Heusler von der CDU an, der etwa 30 Prozent erreichte.

Klare Verhältnisse gab es dagegen in Beelitz. Amtsinhaber Bernhard Knuth setzte sich mit rund 89 Prozent der Stimmen klar gegen seinen Herausforderer Marius Müller-Böge durch. Der 63-jährige startet damit in seine dritte Amtszeit in der Spargelstadt.

Fazit: Die wahre Macht sitzt im Rathaus

Der Wahlsonntag hat einmal mehr gezeigt, wo Demokratie wirklich stattfindet: im Rathaus.

Ob Sebastian Gruber im Landkreis Freyung-GrafenauBjörn Bartels im Landkreis MiltenbergThomas Jung in Fürth oder die Kandidaten in Baden-Baden und Spree-Neiße – überall entscheiden Bürger direkt über ihre lokale Politik.

Die große Politik beginnt eben nicht im Kanzleramt.

Sondern vor der eigenen Haustür.

Auftakt zum Superwahljahr 

Der Wahlsonntag vom 8. März war nur der Anfang. Deutschland steuert auf ein echtes Superwahljahr zu. In den kommenden Monaten stehen zahlreiche weitere Bürgermeister-, Landrats- und Kommunalwahlen an – viele davon mit Signalwirkung weit über die jeweilige Stadt oder den Landkreis.



Schon in einer Woche finden Kommunalwahlen in Hessen statt. Dann können fast 4,7 Millionen Bürger in Hessen ihre Gemeinde- und Kreisparlamente bestimmen. Laut Landeswahlleitung geht es um die Mandate in den 21 Kreistagen sowie den kommunalen Parlamenten von 421 Städten und Gemeinden.

Eine Woche später wird in Rheinland-Pfalz gewählt. Dort finden am 22. März Landtagswahlen statt. Der bisher regierende Ampel-Koalition aus SPD, FDP und Grünen droht dabei das Aus. Die SPD verliert in Umfragen deutlich, die Grünen leicht, die FDP dürfte aus dem nächsten Landtag fallen. 

Am 6. September steht dann die Regierungskoalition aus CDU, SPD und FDP, Deutschlands einziger "Deutschland-Koalition" auf dem Prüfstand. Die CDU, die vor wenigen Wochen ihren Ministerpräsidenten ausgetauscht hat, um den Spitzenkandidaten in Stellung zu bringen, muss mit massiven Verlusten rechnen, die SPD könnte erstmals aus einem Landtag fliegen, Umfragen sehen Sie noch schlechter als zuletzt in BAden-Württemberg und der FDP werden nahezu keine Chancen auf einen Wiedereinzug eingeräumt. Hier liegt die AfD mit Umfrageergebnissen um 40 Prozent weit vorne, die CDU kann laut Umfragen mit rund 25 Prozent rechnen. 



Eine Woche später finden wieder landesweite Kommunalwahlen statt. Niedersachsen wählt am 13. September die Stadt-, Gemeinde- und Samtgemeinderäte. Auch über die Zusammensetzung der Kreistage und der Regionsversammlung der Region Hannover wird entschieden. Gewählt werden außerdem die Stadtbezirks- und Ortsräte. Wo die Amtszeit der derzeitigen Amtsinhaber zum Oktober 2026 endet, werden am 13. September auch die Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte direkt gewählt. Bürgermeister und Landräte werden dann nicht mehr nur für fünf, sondern wieder für acht Jahre gewählt.



Zwei Wochen später bestimmen die Berliner ein neues Abgeordnetenhaus und gleichzeitig finden die Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern statt.