Zahlreiche Bürgermeisterwahlen in Sachsen und Brandenburg - mit überraschenden Ergebnissen
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Bürgermeister-Wahlen im Osten: Diese Ergebnisse sorgen jetzt für politischen Wirbel

Von Aue bis Panketal: Zahlreiche Bürgermeisterwahlen in Sachsen und Brandenburg sorgen für Aufmerksamkeit. Mehrere Amtsinhaber geraten unter Druck, neue Kandidaten gewinnen überraschend deutlich. Ein Überblick über die wichtigsten Ergebnisse.

In mehreren Städten und Gemeinden Sachsens haben die gestrigen Bürgermeisterwahlen für Aufmerksamkeit gesorgt. Besonders die Ergebnisse in Aue-Bad Schlema und Görlitz sorgen deutschlandweit für Diskussionen.Die Ergebnisse zeigen aber auch: In der Kommunalpolitik interessieren die Menschen konkrete Themen wie Sicherheit, Infrastruktur, Finanzen und Verwaltung – und weniger parteipolitische Schlagabtausche aus Berlin. 

Bürgermeisterwahl Aue-Bad Schlema: Freie Sachsen vorne

Bei der Bürgermeisterwahl in Aue-Bad Schlema erreichte Stefan Hartung von den Freien Sachsen im ersten Wahlgang 29 Prozent der Stimmen.  Er liegt damit vor dem CDU Kandidaten Marcus Hoffman mit gut 23 Prozent. Der Kandidat der Freien Wähler erreichte gut 22 Prozent der Stimmen. 

Die Wahl sorgte auch deshalb für Aufmerksamkeit, weil die Freien Sachsen erstmals bei einer Bürgermeisterwahl in einer größeren Kommune in Sachsen ein solch starkes Ergebnis erzielen konnten.

In Sachsen gibt es keine Stichwahl im klassischen Sinne. Stattdessen dürfen alle Kandidaten, die im ersten Wahlgang teilnahmen, auch im zweiten teilnehmen, sofern sie ihre Kandidatur nicht zurückziehen. Im zweiten Wahlgang ist es daher auch möglich, mit weniger als 50 Prozent der Stimmen zu gewinnen. Die Stichwahl findet am 7. Juni statt.

Für viele Beobachter zeigt das Ergebnis vor allem eines: Kommunalpolitik wird zunehmend emotional geführt. Bürger wollen sichtbare Veränderungen im Alltag – von der Verkehrssituation bis zur Verwaltungsarbeit im Rathaus. Kandidaten, die sich als direkte Stimme der Bürger präsentieren, profitieren davon spürbar.

Görlitz-Wahl: CDU-Amtsinhaber muss zittern

Auch in Görlitz verlief die Bürgermeisterwahl deutlich spannender als erwartet. CDU-Amtsinhaber Octavian Ursu verpasste im ersten Wahlgang die notwendige Mehrheit. Besonders auffällig war das starke Abschneiden des AfD-Kandidaten, der auf 44,3 Prozent kam.

Damit wurde die Wahl in Görlitz schnell überregional diskutiert. Die Stadt gilt seit Jahren als politisch besonders aufmerksam beobachtete Kommune im Osten Deutschlands. Die hohe Zustimmung für den Herausforderer zeigt, wie stark kommunale Wahlen inzwischen auch als Stimmungstest verstanden werden.

Für viele Bürger standen - wenn man den Umfragen glaubt -  allerdings ganz praktische Fragen im Vordergrund: Wohnraum, wirtschaftliche Entwicklung, Energiepreise oder die Attraktivität der Innenstadt. 

Kandidatin in Dipoldiswalde holt im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit 

In Döbeln, Werdau und in Dippoldiswalde setzten sich die Amtsinhaber im ersten Wahlgang durch. In Döbeln bleibt Oberbürgermeister Sven Liebhauser Chef im Rathaus. Nach dem vorläufigen Wahlergebnis holte der 44 Jahre alte CDU-Politiker 56,4 Prozent der Stimmen und damit im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit. Zweitplatzierter wurde Sven Weißflog von den Freien Wählern. Die Kandidaten der Freien Sachsen (6 Prozent) und des BSW (4 Prozent) blieben chancenlos. 

Die Oberbürgermeisterin von Dippoldiswalde, Kerstin Körner, hingegen ist die große Gewinnerin des Abends. Sie war beim letzten Mal für die CDU angetreten, trat dieses Mal bewusst ohne Parteibuch an - das Ergebnis: Fast 78 Prozent trotz mehrerer Gegenkandidaten. Sie hatte im Vorfeld gegenüber KOMMUNAL davon gesprochen, dass der Wahlkampf ungewöhnlich emotional und teils "unter der Gürtellinie" geführt wurde. Bekannt wurde Körner auch auf dem CDU Bundesparteitag im Februar. Dort hatte sie einen sehr windkraftkritischen Antrag eingebracht und eine Mehrheit errungen.

Auch in der Werdau bei Zwickau entschieden sich die Wähler mehrheitlich gegen einen Wechsel: Oberbürgermeister Sören Kristensen von der Unabhängigen Liste bekam 72 Prozent der Stimmen.



In Neumark setzte sich ebenfalls der amtierende Bürgermeister Sven Köpp von der FDP mit fast 98 Prozent der Stimmen durch - er war jedoch auch der Einzige Kandidat. In Bärenstein wurde Amtsinhaber Silvio Wagner - ebenfalls ohne Gegenkandidat - mit 98 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

Wenn niemand auf dem Wahlzettel steht 

In der 1.200-Einwohner-Gemeinde Triebel im Vogtland ist Christopher Groß von den Freien Wählern zum neuen ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt worden. 69 Prozent der Wähler schrieben seinen Namen handschriftlich auf den ansonsten leeren Stimmzettel. Denn wie inzwischen in zahlreichen kleinen Kommunen deutschlandweit fand sich vor der Wahl zunächst kein offizieller Kandidat für das Amt. Das Phänomen leerer Wahlzettel beschäftigt seit Jahren viele Gemeinden – gerade im ländlichen Raum wird es immer schwieriger, Menschen für das zeitaufwendige Ehrenamt des Bürgermeisters zu gewinnen.

Bürgermeisterwahlen in Brandenburg: Überraschungen und klare Siege

Auch in Brandenburg gab es am Sonntag mehrere Bürgermeister- und Landratswahlen mit teils deutlichen Ergebnissen. Während einige Kandidaten bereits im ersten Wahlgang klar gewannen, müssen andere in die Stichwahl. Auffällig war dabei vor allem die hohe Aufmerksamkeit für kleinere Städte und Gemeinden.

Zehdenick: Deutlicher Wahlsieg im ersten Wahlgang

In Zehdenick in Brandenburg hat René Stadtkewitz die Bürgermeisterwahl bereits im ersten Wahlgang deutlich gewonnen. Der AfD-Kandidat kam auf 58,4 Prozent der Stimmen und setzte sich damit klar gegen seine Mitbewerber Stephan von Hundelshausen (FDP), Wolf-Gernot Richardt (parteilos) und Dennis Latzke von der Partei des Fortschritts durch. Die Wahl galt auch deshalb als besonders aufmerksam beobachtet, weil Zehdenick nach der Abwahl des bisherigen Bürgermeisters erneut ein neues Stadtoberhaupt wählen musste. Der Bürgermeister hatte sich kurz nach der Wahl krank gemeldet. Stadtkewitz hatte damals gegen ihn in der Stichwahl verloren. Nun ist der der zweite hauptamtliche Bürgermeister in Brandenburg mit AfD-Parteibuch. 

Barnim-Landratswahl: Daniel Kurth setzt sich durch

Im Landkreis Barnim gewann Daniel Kurth von der SPD die Stichwahl um das Amt des Landrats. Er setzte sich gegen seinen Herausforderer durch und bleibt damit weiterhin Landrat des Kreises.

Die Wahl wurde mit Spannung verfolgt, weil die CDU es nicht in die Stichwahl geschafft hatte, aber im Kreistag vermutlich hätte eine Mehrheit organisieren können. Im Barnim war bei der letzten Wahl zum Landrat das nötige Quorum (mindestens 15 Prozent aller Wahlberechtigten müssen sich hinter einen Kandidaten stellen) nicht erreicht worden. Die CDU hatte damit gerechnet, dass daher auch dieses Mal das Quorum nicht erreicht wird - doch die Wahlbeteiligung war auffallend hoch, was auch daran liegen dürfte, dass ein AfD-Kandidat gegen Daniel Kurth in der Stichwahl war. 

Baruth/Mark: Jenny Hahn gewinnt Bürgermeisterwahl

In Baruth/Mark konnte sich Jenny Hahn bei der Bürgermeisterwahl durchsetzen. Damit bekommt die Stadt eine neue Rathauschefin.

Auch in Nuthetal wurde ein neuer Bürgermeister gewählt. Stefan Schneider gewann die Wahl und übernimmt künftig die Führung der Gemeinde.

Die neue Bürgermeisterin der Gemeinde Nordwestuckermark (Uckermark) heißt Susanne Ramm. Die parteilose Einzelbewerberin kam bei der Wahl am Sonntag laut vorläufigem Endergebnis auf 51,9 Prozent der Stimmen. Sie setzte sich damit gegen Ralph Ryl von der Wählergruppe "Zukunft Nordwestuckermark" durch, auf den 48,1 Prozent der Stimmen entfielen.

Panketal: Spannende Stichwahl endet mit Sieg für Maximilian Wonke

Besonders spannend verlief die Bürgermeisterwahl in Panketal. In der Stichwahl setzte sich Maximilian Wonke von der SPD gegen seinen Herausforderer durch.

Panketal gehört zu den dynamisch wachsenden Gemeinden im Berliner Umland. Entsprechend groß ist dort der Druck auf Verwaltung und Infrastruktur. Themen wie Verkehr, Schulen und Wohnraum prägen die politische Diskussion seit Jahren.

Warum Bürgermeisterwahlen immer wichtiger werden

Die aktuellen Bürgermeisterwahlen in Sachsen und Brandenburg zeigen, wie stark sich die politische Aufmerksamkeit inzwischen auf die kommunale Ebene verlagert. Bürger interessieren sich zunehmend dafür, wer vor Ort Verantwortung übernimmt und konkrete Probleme löst.

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wächst der Druck auf Rathäuser enorm. Gleichzeitig erwarten Bürger schnelle Entscheidungen, funktionierende Verwaltungen und sichtbare Verbesserungen im Alltag. Bürgermeister werden dadurch immer stärker zu Schlüsselfiguren vor Ort.