Super-Wahlsonntag im Süden: Kommunalwahlen in Bayern, Bürgermeisterduelle und ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg. Alles zu Umfragen, Wahlsystem und lokalen Machtkämpfen.
Super-Wahlsonntag im Süden: Kommunalwahlen in Bayern, Bürgermeisterduelle und ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg. Alles zu Umfragen, Wahlsystem und lokalen Machtkämpfen.
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Die neuesten Umfragen

Kommunalwahl-Krimi im Süden: Bayern und Baden-Württemberg vor dem Super-Wahlsonntag

in Wahlsonntag mit politischer Sprengkraft: In Bayern entscheiden Millionen Bürger über Rathäuser, Gemeinderäte und Landkreise – bei der größten Kommunalwahl Deutschlands. Gleichzeitig blickt Baden-Württemberg auf eine politische Doppel-Wahl: eine Landtagswahl mit Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und Grüner-Partei und dutzende Bürgermeisterwahlen im ganzen Land. Während Parteien in Stuttgart um Macht kämpfen, geht es in den Kommunen um etwas ganz anderes: Vertrauen, Persönlichkeiten und die Frage, wer vor Ort wirklich liefern kann.

Am Sonntag blickt ganz Bayern auf seine Rathäuser. Die Kommunalwahl im Freistaat ist nicht irgendeine Abstimmung – sie ist die größte lokale Wahl Deutschlands.

Rund 10,1 Millionen Wahlberechtigte entscheiden über die politische Zukunft ihrer Städte, Gemeinden und Landkreise.

Gewählt wird in 2.056 Gemeinden sowie 71 Landkreisen. Insgesamt stehen rund 39.500 Mandate zur Wahl – von Gemeinderäten über Stadträte bis zu Landräten und Bürgermeistern.

Die Dimension ist gewaltig: Tausende Kandidaten treten auf unzähligen Listen an, hinzu kommen hunderte Bürgermeister- und Landratskandidaten. Für viele Parteien ist die Wahl ein Stimmungstest – und für Ministerpräsident Markus Söder eine Art kommunales Barometer für seine Politik.

Aktuelle Umfragen sehen die CSU weiterhin als stärkste Kraft, allerdings ohne frühere Dominanz. Schon bei der letzten Kommunalwahl hatte sie deutlich verloren. Auch diesmal rechnen Beobachter damit, dass kleinere Parteien und lokale Wählergruppen stärker werden – ein klassisches Muster kommunaler Politik.



Die jüngste landesweite Umfrage für Bayern sieht die CSU landesweit bei 33 Prozent der Stimmen, damit fällt die Umfrage für die Kommmunalwahlen (erstellt von GMS unter 1003 Wählern zwischen dem 25.2. und dem 2.3.) deutlich schlechter aus, als für eine mögliche Landtagswahl, wo die CSU laut neuester Umfrage auf 39 Prozent käme, wenn denn an diesem Sonntag auch Landtagswahlen wären. Sind sie aber nicht. Somit sind solche Umfragen immer mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten. 

Bayern wähl



Bei den Kommunalwahlen dürfte die AfD auch in Bayern landesweit hochgerechnet zweitstärkste Kraft werden. Laut Umfrage kommt sie auf 14 Prozent, ebenfalls deutlich weniger Stimmen als bei einer möglichen Landtagswahl (Umfrageergebnisse zwischen 18 und 20 Prozent). Die Freien Wähler kommen in der Kommunalwahlumfrage auf 11 Prozent, die Grüne Partei auf 10, die SPD auf extrem schwache 8 Prozent - das wäre ein Minus von fast 6 Prozent gegenüber den Kommunalwahlen vor 4 Jahren - sie dürfte also in vielen Städten und Gemeinden deutlich an Ratssitzen verlieren. Dramatisch dürfte es auch für die FDP werden, die in vielen Kommunen in Bayern gar keine Listen stellt. Bei den Letzten Kommunalwahlen eroberten Sie noch rund 3 Prozent der Sitze, die jetzige Umfrage sieht sie noch bei marginalen 1 Prozent, die Linke gewinnt auf sehr niedrigem Niveau, könnte 2 Prozent der zu vergebenden Ratssitze in Bayern erobern. Die schwachen Ergebnisse für die bekannten Parteien liegen vor allem daran, dass vor Ort zahlreiche lokale Wählerinitiativen und Wählergruppen antreten. Vor allem in vielen kleineren Gemeinden stellen diese Gruppen neben den Freien Wählern teils die stärksten Ratsfraktionen. 



 

Die spannendsten Bürgermeister-Duelle

In traditionellen Medien spielen die Ergebnisse in den großen Städten meist die größte Rolle, kleinere Kommunen finden dort nur selten Beachtung. Dort werden teils sehr knappe Ergebnisse erwartet. 

In München will Amtsinhaber Dieter Reiter sein Rathaus gegen eine breite Konkurrenz verteidigen – unter anderem von CSU und Grünen.

In Augsburg wird es besonders unübersichtlich: Gleich zehn Kandidaten kämpfen um das Amt des Oberbürgermeisters.

Auch Nürnberg verspricht Spannung. Dort fordert SPD-Kandidat Nasser Ahmed den CSU-Amtsinhaber Marcus König heraus.

Und in Bamberg will die frühere Staatsministerin Melanie Huml für die CSU das Rathaus erobern.

Diese Duelle zeigen, warum Kommunalwahlen oft spannender sind als große nationale Abstimmungen: Hier entscheiden Persönlichkeiten, lokale Themen und manchmal auch ganz persönliche Geschichten.

 

Worum es bei der Kommunalwahl wirklich geht

Auf den ersten Blick wirken Kommunalwahlen kleiner als Bundestags- oder Landtagswahlen. In Wahrheit entscheiden sie über den Alltag der Menschen.

Die gewählten Kommunalpolitiker bestimmen über Themen wie:

  • Wohnungsbau und Stadtentwicklung

  • Straßen, Verkehr und Parken

  • Schulen und Kitas

  • Feuerwehr und Katastrophenschutz

  • Wasser- und Energieversorgung

Kurz gesagt: Die Kommunalpolitik entscheidet über alles, was Bürger unmittelbar sehen und spüren.

Deshalb sind diese Wahlen weit weniger ideologisch als die Bundespolitik. Statt großer Parteiprogramme zählen konkrete Lösungen vor Ort.

Kumulieren und Panaschieren – das bayerische Wahlsystem einfach erklärt

Wer zum ersten Mal einen bayerischen Stimmzettel sieht, könnte glauben, er halte eine Steuererklärung in der Hand. Tatsächlich gehört das Wahlsystem zu den kompliziertesten in Deutschland.

Der Grund: Kumulieren und Panaschieren.

Beim Kumulieren dürfen Wähler einem Kandidaten mehrere Stimmen geben – maximal drei. Wer also besonders überzeugt ist, kann seine Stimmen bündeln.

Beim Panaschieren dürfen Stimmen auf Kandidaten verschiedener Listen verteilt werden. Man kann also Kandidaten aus unterschiedlichen Parteien wählen.

Die Gesamtzahl der Stimmen hängt von der Größe des jeweiligen Rates ab. In großen Städten können Wähler sogar bis zu 80 Stimmen vergeben.

Das Ergebnis: Wähler haben enorme Freiheit – und Parteien verlieren ein Stück Kontrolle über die Reihenfolge ihrer Kandidaten.

Kritiker bemängeln jedoch, dass dieses umständliche Wahlsystem vor allem die großen Parteien - oft also in Bayern die CSU stärkt. Denn kleine Parteien und Wählervereinigungen schaffen es oft nicht, Listen mit so vielen Kandidaten zu stellen. Ihnen fehlen oft schlicht die Kandidaten. 



Beispiel: Hat ein Wähler 80 Stimmen, die bevorzugte Wählerliste aber nur 20 Kandidaten, so kann ein Wähler maximal diesen 20 Kandidaten jeweils 3 Stimmen geben - insgesamt also 60 Stimmen für seine bevorzugte Liste, obwohl er 80 Stimmen hat. Entweder verfallen nun 20 Stimmen oder der Wähler ist gezwungen, einer anderen Liste die restlichen 20 Stimmen zu geben (oder diese 20 Stimmen auf verschiedene weitere Listen zu verteilen). Damit schwächt er seine bevorzugte Liste. 

Super-Wahlsonntag im Südwesten

Während Bayern seine Rathäuser wählt, schaut Baden-Württemberg gleichzeitig auf Stuttgart. Dort wird am Sonntag ein neuer Landtag gewählt.

Doch im Südwesten passiert noch mehr: Parallel finden rund 40 Bürgermeisterwahlen statt.

Das verändert den politischen Fokus deutlich. Denn wenn Bürgermeister gewählt werden, geht es weniger um Parteiprogramme – und stärker um Personen, lokale Konflikte und konkrete Projekte.

Der Wahlsonntag wird damit zu einem politischen Realitätscheck: Wie sehr passt die Landespolitik noch zu den Problemen vor Ort?

Baden-Baden: Sieben Kandidaten fürs Rathaus

Eine besonders spannende Wahl könnte es in  Baden-Baden geben. Dort suchen die Bürger einen neuen Oberbürgermeister – und gleich acht Kandidaten bewerben sich um das Amt. Eine prominente Frau und gleich sieben Männer bewerben sich.

Schillerndste Figur ist die Einzelbewerberin und Unternehmerin Lencke Wischhausen. Sie führte nicht nur acht Jahre lang in Bremen die damalige FDP-Fraktion in der Bremer Bürgerschaft und war Mitglied im Bundesvorstand der Liberalen. Bekannt wurde sie vor allem durch die VOX-Show "Die Höhle der Löwen". Dort war die langjährige Vorsitzende des Wirtschaftsverbands "Die jungen Unternehmer" Investorin. 

Die Stadt spricht selbstironisch davon, einen „Superhelden“ zu suchen. Hinter dem Humor steckt jedoch eine ernste Botschaft: Die Erwartungen an Kommunalpolitik sind enorm.

Städte stehen vor riesigen Herausforderungen – von steigenden Kosten über Infrastrukturprobleme bis zur Digitalisierung der Verwaltung.

Kein Wunder also, dass Bürgermeisterwahlen zunehmend zu echten politischen Wettbewerben werden.

Landtagswahl Baden-Württemberg: Kopf-an-Kopf-Rennen

Während in Bayern vor allem Rathäuser auf dem Spiel stehen, wird in Baden-Württemberg gleichzeitig über die Macht im Land entschieden.

Die neuesten Umfragen zeigen ein echtes Nervenspiel: CDU und Grüne liegen praktisch gleichauf.

Dabei sah es lange so aus, als würde die CDU einen komfortablen Vorsprung halten. Doch in den letzten Tagen ist dieser Abstand zusammengeschmolzen.

Ein möglicher Grund: der Spitzenkandidat der CDU.

Der Auftritt, der den Wahlkampf veränderte

Für Diskussion sorgte ein Schulbesuch des CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel. Während einer Veranstaltung soll er eine Lehrerin vor Schülern scharf zurechtgewiesen haben.

Der Vorfall verbreitete sich rasch in sozialen Medien – und löste Kritik aus. Gegner sprechen von einem unangemessenen Auftritt, Unterstützer von einem Missverständnis.

Doch in einem engen Wahlkampf kann schon ein einziger Moment entscheidend sein.

Der wahre Test findet in den Rathäusern statt

So spannend die Landtagswahl auch ist – der eigentliche politische Lackmustest findet an diesem Sonntag in den Städten und Gemeinden statt.

Denn hier zeigt sich, wie Politik wirklich funktioniert:

  • Wer kann Probleme lösen?

  • Wer überzeugt persönlich?

  • Und wer genießt das Vertrauen der Bürger?

Die Kommunalwahl in Bayern und die Bürgermeisterwahlen in Baden-Württemberg erinnern daran, dass Demokratie vor allem dort lebt, wo Entscheidungen den Alltag betreffen.

Oder anders gesagt:

Während in Berlin über große Linien gestritten wird, entscheiden die Bürger im Süden darüber, wer ihre Straße saniert, ihre Schule baut – und ihr Rathaus führt.

Und genau deshalb könnte dieser Wahlsonntag mehr über die Stimmung im Land verraten als jede bundespolitische Debatte.