Digitalisierung
Nicht nur Smart Cities: Warum Smart Villages wichtig sind
Der Begriff „Smart Village“ zielt darauf ab, digitale Technologien, innovative Dienstleistungen und gesellschaftliche Vernetzung gezielt im ländlichen Raum zu verankern – nicht nur in Großstädten, die schon länger unter dem Begriff „Smart City“ ein Begriff sind. In Deutschland ist das Thema zunehmend präsent und bietet Kommunen, Verwaltungsleitungen und Gemeinderäten viele Anknüpfungspunkte: von der Breitbandversorgung über smarte Bürgerservices bis zu digital gestützter Mobilität und Nahversorgung. Kommunen sollten 2026 noch ins Handeln kommen, denn einige Fördermittel - siehe unten - laufen in 2026 erst einmal aus.
In diesen Bereichen lohnen sich Smart Village-Projekte
Digitale Infrastruktur
Dabei geht es etwa um den Aufbau von Glasfaser oder Gigabit-Netzen, WLAN-Hotspots im Dorf sowie Smart-Sensorik für Umwelt und Infrastruktur. Dabei sollten zuvor vorhandene Netzlücken erkannt, Kooperationen mit Breitband-Anbietern gesucht und Förderprogramme genutzt werden. Das Thema ist wichtig: Aktuell sind in vielen ländlichen Kommunen noch noch unter 1.000 Mbit/s verfügbar.
Bürgerbeteiligung und Bürgerservices
Ebenfalls bereits verbreitet sind sogenannte Bürger-Apps und digitale Plattformen für Mitbestimmung sowie lokale Informations- und Kommunikationsangebote. In einigen Kommunen wird mit der „Smart Village App“, einer Open-Source-Lösung, gearbeitet. Damit setzen die Kommunen auf Nutzerfreundlichkeit, es werden Behörden- und Gemeindefunktionen in einer App gebündelt und die Kommunen schaffen öffentlichen Mehrwert für Bürgerinnen und Bürger – etwa mit Informationen von und über Aktivitäten der lokalen Vereine, Veranstaltungskalendern und Echtzeitinfos zum Beispiel über Gefahrenlagen.
Mobilität im ländlichen Raum
In manchen kleineren Kommunen gibt es bereits Kleinbus- oder Ruf-Bus-Modelle mit eigener App, Carsharing-Lösungen für Ortsrandlagen sowie Liefer- oder Abholmodelle zur Unterstützung der Nahversorgung. Kommunen, die die Mobilitätsbedürfnisse ihrer Bürgerinnen und Bürger genau analysiert haben, können die Bedarfe digital steuern oder dafür Sharing-Plattformen nutzen. Sogenannte MDM-Apps schaffen 24 Stunden maximale Flexibilität bei der Mobilität, indem sie Angebote des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) und Angebote von Sharing-Dienstleistern in einer App vereinen.
Gesundheit und Pflege
Telemedizin-Angebote, digitale Pflegebetreuung, Smart-Wohnräume für Senioren mit Sensorik oder Notrufsystemen könnten gerade im ländlichen Raum ein Teil der Gesundheitseinrichtungen der Zukunft sein. Kommunen sollten in diesem Bereich schon jetzt mit lokalen Ärztinnen und Ärzten sowie lokalen Pflegediensten kooperieren und zusätzliche, die niedergelassene Ärzteschaft entlastende Angebote konzipieren.
Lokale Wirtschaft
Lohnenswert für Kommunen könnten auch Kooperationen und Networking mit Landwirtinnen und Landwirten sein. Digitale Plattformen für lokale und regionale Produkte könnten so gemeinsam angestoßen werden und nach dem Prinzip "Regionalisierung statt Globalisierung" handeln. Außerdem könnten Kommunen die Landwirtinnen und Landwirte mit Projekten des sogenannten „Smart Farming“ vertraut machen und so die Entwicklung einer nachhaltigen Landwirtschaft fördern. Davon profitieren Akteure der Landwirtschaft genauso wie die Bürgerschaft und die Umwelt.
Digitale Dorfentwicklung
Kommunen könnten die Digitalisierung von Dorfgemeinschaftshäusern vorantreiben, Plattformen zur Vermietung und Teilnutzungen voranbringen, smarte Gemeinschaftsprojekte starten und Konzepte für Mehrfachnutzungen von Gebäuden - etwa in den Bereichen Co-Working-Spaces und Kultur entwickeln. Davon profitieren Gemeinden und deren Vereine und der Gemeinschaftssinn gleichermaßen.

Best-Practice-Beispiele für Smart Villages
Bad Belzig und Wiesenburg in Brandenburg: Mit der Initiative Smart Village Bad Belzig und Wiesenburg werden digitale Projekte in Dorfstruktur und Bürgerbeteiligung umgesetzt.
St. Wendel im Saarland: Im Projekt Smart Village St. Wendeler Land geht es um die Sicherstellung von Dienstleistungen und Gütern des täglichen Bedarfs im ländlichen Raum durch Digitalisierung.
Etteln in Nordrhein-Westfalen: Ein kleines Dorf zeigt, wie Digitalisierung im ländlichen Raum gehen kann: schnelle Internetanbindung ohne das Warten auf Konzerne sowie digitale Dorf-Services in eigener Hand.
Diese Beispiele zeigen, dass solche Konzepte auch für kleinere Kommunen realistisch umsetzbar und wirkungsvoll in der Anwendung sind.
Worauf sollten Kommunen bei der Planung achten?
- Bedarfsorientierung: Nicht jede Smart City-Technologie passt automatisch aufs Land; die Lösung muss zum Dorf, zur Infrastruktur und zur Bevölkerung passen.
- Bürgerbeteiligung und Akzeptanz: Bewohnerinnen und Bewohner müssen die Vorteile erkennen etwa eine verbesserte Mobilität, niedrigere Kosten und eine bessere Lebensqualität. Es lohnt die Überlegung, die Bevölkerung - vor allem den jüngeren Teil - in die Planungen direkt mit einzubinden.
- Förder- und Finanzierungsmodelle: Viele Programme existieren – Kommunen sollten frühzeitig das Thema auf die Agenda setzen.
- Kooperationen: Mit Hochschulen, Forschungseinrichtungen, privaten Anbietern oder anderen Kommunen zusammenarbeiten — kleine gemeinsame Schritte sind häufig erfolgversprechender als große Einzelaktionen.
- Skalierbarkeit und Transfer: Gute Lösungen so gestalten, dass sie übertragbar sind und gegebenenfalls auch mehrfach genutzt werden können - etwa in anderen Ortsteilen oder Nachbargemeinden im Kreis.
- Datenschutz und Sicherheit: Bei Sensorik, Apps oder digitalen Diensten sind Datenschutz und Sicherheit wichtige Voraussetzungen für Bürgervertrauen.
Eine Auswahl von Förderprogrammen für Smart Villages
Modellprojekte Smart Cities
BMI / BBSR - Digitalisierung, Stadt-/Regionalentwicklung - Förderung fortlaufend
Land.Digital – Chancen der Digitalisierung
BMEL - Ländliche Entwicklung, Daseinsvorsorge - Förderung bis 2027
Digitales Dorf Bayern / Sachsen / Thüringen
Länder - Pilotkommunen und Modellregionen Bayern, Sachsen, Thüringen - Förderung bis 2026
Smart Villages Baden-Württemberg
LGL BW - Geoinformation, Smart Services - Förderung bis 2026


