Biberschäden: Zwei Biber nagen an Baumstamm
Biber sind faszinierende Tiere, können aber hohe Schäden für die Kommunen verursachen.
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Prävention und Schutz

Das können Kommunen gegen Biberschäden tun

So geht Biber-Management mit System: Kommunal liefert Kommunen den Überblick zu Recht, Prävention, Kosten und Praxislösungen.

Keine Frage: Biber sind versierte Architekten im Wasser und dank ihrer scharfkantigen Schneidezähne eindrucksvolle Baumeister. Für Kommunen allerdings sind die Pflanzenfresser mit dem platten Schwanz nicht selten eine Herausforderung. Schließlich sorgen ihre Bauten dafür, dass sich Gewässer aufstauen und hohe Folgeschäden entstehen. Dazu zählen unter anderem Überschwemmungen von landwirtschaftlichen Flächen oder Verkehrswegen durch die Überstauung von Nutz- und Forstflächen bis hin zur Gefährdung von Infrastruktur, etwa wenn Dämme Straßen oder Deiche unterspülen. Rund 802.000 Euro Schäden durch Biber wurden im Jahr 2022 alleine in Bayern gemeldet, wie Erhebungen des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz belegen. Dabei können einzelne Vorfälle im ungünstigsten Fall mehrere zehntausend Euro bis deutlich über 100.000 Euro an Reparatur- oder Instandsetzungskosten verursachen. Umso wichtiger ist ein wirksames Bibermanagement in den Kommunen. Wir haben zusammengetragen, worauf es ankommt.

Achtung: geschützte Tiere

Vor einiger Zeit noch war der Biber fast ausgerottet, mittlerweile ist er durch eine erfolgreiche Wiederansiedlung flächendeckend zurück. Was die aktuelle Rechtslage anbelangt, ist der Biber deshalb streng geschützt und sind jegliche Eingriffe in der Regel genehmigungspflichtig. Um als Kommune sowohl rechtssicher als auch handlungsfähig zu bleiben, lohnt sich eine enge Abstimmung mit den zuständigen Naturschutzbehörden.

Vorausschauend Konflikte vermeiden

Damit Schäden gar nicht erst entstehen, ist es wichtig, bestimmte Vorkehrungen zu treffen, ohne aber in den Lebensraum des Bibers einzugreifen. Dazu zählen technische Lösungen wie die Installation von Dammdurchlässen oder Abflussrohren oder der Schutz wertvoller Einzelbäume durch Drahtmanschetten. Auch die regelmäßige Kontrolle sensibler Gewässerabschnitte ist sinnvoll.

Systematische Bestandsaufnahme

Um potenzielle Biberschäden zu vermeiden, ist eine realistische Bestandsaufnahme notwendig. Darunter fällt die systematische Erfassung von Biberrevieren, Dämmen und Fraßspuren sowie die Einschätzung möglicher Konflikte mit der Infrastruktur, der Landwirtschaft und dem Hochwasserschutz. Wichtige Akteure sind hierbei die Mitarbeiter des Bauhofs, der Umweltverwaltung und Gewässerunterhaltung, die sich frühzeitig und regelmäßig abstimmen sollten, um Konflikte zu verhindern.

Netzwerken und Kooperieren

Ein gutes Biber-Management erfordert intensive Netzwerkarbeit. Dabei kann insbesondere die Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Biberberaterinnen und Biberberatern, Wasser- und Bodenverbänden oder landwirtschaftlichen Betrieben sehr hilfreich sein, da diese oft über lokales Wissen verfügen, das die Verwaltung bei ihrer Arbeit entlastet. Besonders bewähren sich hierbei gemeinsame Begehungen vor Ort, um ein konkretes Verständnis für die unterschiedlichen Interessenslagen zu bekommen.

Kommunikation mit den Bürgern

Nicht nur die relevanten Fachstellen, auch die Bürger müssen beim Biber-Management mitbezogen werden. Um Missverständnissen und -stimmungen vorzubeugen, ist es wichtig, die Anwohner transparent über die geplanten Maßnahmen zu informieren und sie zudem über die ökologische Rolle des Bibers aufzuklären. Zudem sollten konkrete Ansprechpartner genannt werden, welche die Bürger bei möglichen Nachfragen und Beschwerden kontaktieren können.

Förderprogramme nutzen

Damit die verschiedenen Aktionen nicht zu hohe Kosten verursachen, lohnt es sich, die angebotenen Förderprogramme für Präventionsmaßnahmen oder Ausgleichszahlungen zu nutzen. Auch eine vorausschauende Planung trägt zur Schonung des kommunalen Haushalts bei, denn akute Schadensereignisse oder Notmaßnahmen verursachen oft deutlich höhere Kosten.

Biberschaden
Biber sind fleißige Nager, das Resultat ist nicht zu übersehen.

Unterschiedliches Biber-Management in den Bundesländern

Auch wenn Biberschäden von Ort zu Ort stark variieren, ist der Umgang mit den Nagetieren für Kommunen in allen Bundesländern ein Thema. Dabei herrschen je nach Region unterschiedliche Rahmenbedingungen.

  • In Mecklenburg-Vorpommern plant das Land laut Auskunft des Umweltministeriums, für die kommenden zwei Jahre jeweils 300.000 Euro pro Jahr bereitzustellen, um Wasser- und Bodenverbände bei der Bewältigung von biberbedingten Schäden zu unterstützen. Die Kosten entstehen vor allem durch zusätzliche Unterhaltung, wenn Biber Dämme bauen und damit den Wasserabfluss in Gewässerstrukturen behindern.
  • In Niedersachsen wurden Leitfäden und Konzepte entwickelt, in denen Ehrenamtliche und Verwaltung gemeinsam Lösungen erarbeiten sollen. Dabei geht es unter anderem um technische Maßnahmen wie Drainagen oder Umsiedlungen, um Konflikte zwischen Biberaktivitäten und land- bzw. wasserwirtschaftlicher Nutzung zu reduzieren.
  • In Sachsen hat die Landesdirektion im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft aufgrund erheblicher Schäden eine Ausnahmegenehmigung zum Abschuss von Bibern erteilt. Seit 2019 seien Reparaturkosten für die Teichwirtschaft in Höhe von rund 190.000 Euro, dazu weitere fünfstellige Schäden durch Dammbruch angefallen, so die Behörden.
  • In Baden-Württemberg und anderen Bundesländern wurden Extra Leitlinien und Konzepte für das Biber-Management aufgestellt, in denen u.a. die Beratung, Prävention, Konfliktlösung und Öffentlichkeitsarbeit enthalten ist. Das Ziel dieser Pläne ist es, dass Kommunen einheitlich und fachlich abgestützt reagieren können.
  • In Bayern ist das Bibermanagement bei den unteren Naturschutzbehörden angesiedelt. Unterstützt werden sie von lokalen ehrenamtlichen Biberberatern, die bei Konflikten vor Ort beraten und praktische Lösungen (zum Beispiel Schutz technischer Anlagen) vorschlagen.

Fotocredits: Beschädigter Baumstamm durch Biber: Adobe Stock