Wal
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Kommentar

Kommunen am Abgrund: Der Wal macht Schlagzeilen – die Krise nicht

Die Defizite wachsen, die Handlungsspielräume schrumpfen. Doch die Lage der Städte bleibt politisch und medial unterbelichtet, beklagt Gerd Landsberg, Ehrengeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Ein Wal dagegen schafft es sogar in Sondersendungen.

Die öffentliche Diskussion in Deutschland hat sich gefährlich verschoben. Während über immer neue Nebenschauplätze gestritten wird – vom nächsten Talkshow-Aufreger bis zur Endlosschleife über Einzelfälle und Symbolthemen –, gerät das eigentliche Fundament unseres Staates aus dem Blick: die Kommunen.

Städte und Gemeinden stehen mit dem Rücken zur Wand

30 Milliarden Euro Defizit im vergangenen Jahr. Ein historischer Negativrekord. Und für 2026 ist keine Besserung in Sicht. Die Lage der Kommunen ist nur noch mit Corona, internationalen Finanzkrise und allgemeinen Notstand vergleichbar! Die Städte und Gemeinden stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand – und dennoch fehlt es an der notwendigen politischen und medialen Aufmerksamkeit.

Wal schafft es in Sondersendungen, Kommunen bleiben oft Randnotiz

Stattdessen erleben wir eine Debatte, die sich an Randthemen abarbeitet. Selbst ein Wal auf einer Sandbank schafft es mühelos in die Schlagzeilen und Sondersendungen. Für die schleichende Erosion kommunaler Handlungsfähigkeit hingegen bleibt oft nur die Randnotiz – wenn überhaupt.

Das ist mehr als eine Schieflage in der Themengewichtung. Es ist ein ernsthaftes Problem für unsere Demokratie. Denn der Staat begegnet den Menschen nicht in abstrakten Debatten, sondern konkret vor Ort: in der funktionierenden Schule, der intakten Straße, der verlässlichen Verwaltung, der sicheren Daseinsvorsorge. Wenn genau das nicht mehr gewährleistet ist, schwindet das Vertrauen – und der Nährboden für Frust und Radikalisierung wächst.

Wer heute mit großer Geste vor gesellschaftlicher Spaltung und extremistischen Entwicklungen warnt, muss morgen die Kommunen stärken. Alles andere ist unglaubwürdig.

Staatliche Handlungsfähigkeit sichern

Was fehlt, ist ein klarer politischer Kraftakt: ein nachhaltiges Hilfsprogramm, echte strukturelle Entlastungen und – wenn nötig – auch ein Sondervermögen zur Stabilisierung der kommunalen Finanzen. Es geht nicht um Wunschlisten, sondern um die Sicherung staatlicher Handlungsfähigkeit im Alltag.

Die Lage ist zu ernst für ein „Weiter so“. Wer jetzt weiter wegschaut – in der Politik wie in den Medien –, handelt fahrlässig.