Land der Ideen
Mecklenburgische Seenplatte
So plant der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte mit 260.000 Einwohnern auf einer Fläche von 5500 qkm Deutschlands größter Landkreis, Investitionen, um die Mobilität im ländlichen Raum zu stärken. „Natürlich soll im Land der 1000 Seen auch der Tourismus gefördert werden“, so Bettina Wilhelm-Wiehle vom Landratsamt. „Beides hängt zusammen, ohne Mobilität kommen auch die Touristen nicht durchs Land. Städte wie Neubrandenburg, Friedland und Waren sollen daher zusätzlich mit einem neuen Branding nach vorn gebracht werden, „vieles ist vorhanden aber noch zu wenig bekannt“, erklärt sie. So hat die Stadt Waren kürzlich einen neuen Hafen für acht Millionen Euro bekommen. Doch der muss eben auch erfolgreich vermarktet werden. „Weitere Highlights der Region sind das Hans Fallada Museum in Feldberg, das Müritzeum in Waren, das Heinrich-Schliemann-Museum in Ankershagen und das Agroneum in Alt-Schwerin, diese Schätze sollen nun gehoben werden, so Bettina Wilhelm-Wiehle.
Ideen aus Brandenburg
In der Prignitz mit 80.000 Einwohnern auf 2100qkm steht die Vernetzung mit anderen Landkreisen ganz oben auf der Agenda, erklärt Heidrun Seyer. Der Landkreis zwischen Autobahn 14, Bahn und Elbe hat sich die Zugehörigkeit zur Metropolenregion Hamburg zum Ziel gesetzt. Als Alleinstellungsmerkmal in Brandenburg sozusagen. Immerhin im Landkreis hat der Containerhafen Wittenberge, seit 2011 von Hamburgern betrieben, für Aufschwung gesorgt. So wurden allein im letzten Jahr 2000 Container mit insgesamt 170.000 Tonnen umgeschlagen, vor allem Papier und Zellstoffe für Sachsen. „Die Infrastruktur und die Mobilität sollen weiter ausgebaut werden“, so Seyer.
Anders im Saarland
Eine ganz andere Richtung schlägt der Landkreis Neunkirchen (Saarland) mit 133.000 Einwohnern auf 249 qkm ein. Wirtschaftsförderer Klaus Häusler plant hier eine „Vitalregion“ in der vor allem die vielen Vereine, von denen es über 1000 im Landkreis gibt, gefördert werden sollen. „Mit über 50% ist der Anteil der ehrenamtlich Tätigen hier sehr hoch. Gleichzeitig sind die Vereine eine ganz praktische Form des Netzwerkens, die den Menschen in der Region Halt geben“, so Häusler.
Der Blick nach Bayern
Die Verbundenheit zur Heimat will auch der Landkreis Tirschenreuth in Bayern stärken. Östlich von Nürnberg und Regensbug gelegen müssen sich die verbliebenen 75.000 Einwohner auf 1200qkm gegen eine sehr starke Abwanderung ihrer Bevölkerung in die Metropolen München, Augsburg, Nürnberg behaupten. Willi Perzl, im Landkreis zuständig für die regionale Entwicklung, will das Selbstbild seiner Heimatregion wieder positiv aufbauen, um die Menschen zu halten. „Unser Selbstbewusstsein ist im Keller“, sagt er. Das will er ändern, „indem er die Stärken der Bayern wie Bodenständigkeit, Arbeitsseifer, Verlässlichkeit und Kampfgeist wieder bewusst entwickelt“, erklärt er. „Die Heimatverbundenheit möchten wir fördern mit der Entwicklung von Dorfläden und örtlichen Handwerksbetrieben, die eben regionale Produkte anbieten und den Menschen wieder Strukturen geben“. Vor allem aber setzt er auf die Bildung, als den attraktivsten Entwicklungsfaktor. Dazu will er die drei Bildungseinrichtungen in seinem Landkreis vernetzen. Sie sollen im eigenen und in den Nachbarlandkreisen das Thema demografischer Wandel erforschen, Ursachen, Folgen und Gegenmaßnahmen ableiten.
Ideen aus Niedersachsen und Vorpommern
Im Landkreis Mansfeld/Südharz steht für die 142.000 Einwohner auf 1500qkm das Thema Arbeitsmarkt im Vordergrund. „Wir wollen Schule, Ausbildung und Beruf stärker vernetzen und den Tourismus stärker mit unseren Unternehmen im Landkreis verbinden“, so Christine Hepner aus dem Landratsamt. Ähnlich ist die Situation im Landkreis Vorpommern Rügen, (230.000 Einwohner, 3188 qkm). Marion Niebuhr, verantwortlich für die Wirtschaftsförderung im Landkreis, erklärt die stark unterschiedliche Struktur vor Ort. Einerseits der boomende Tourismus auf den Inseln Rügen und Hiddensee und dann aber das absolute Fehlen von Industrie. Die Stralsunder Volkswerft will vom Schiffbau auf die Herstellung von Windkraftanlagen umschwenken, doch Aufträge seien noch nicht in Sicht. Der Übersee-Hafen Saßnitz, einst großer Umschlagplatz in Richtung Russland, sogar mit Gleisanschluss, gleicht heute eher einem Geisterbahnhof. Marion Niebuhr möchte Logistik fördern und Schiffbau, Windkraft und die Nahrungsgüterindustrie. In Grimmen produziert das Werk Pro Lupin bereits eine Alternative zum tierischen Eiweiß und zwar aus Lupinen. „Das kann sich sehen lassen“, so Marion Niebuhr, „auch als Alternative zu Sojaprodukten“. „Doch wir werden externe Unterstützung brauchen, einen Förderlotsen, der uns den Weg zu den zahlreichen Fördertöpfen sucht und dann nicht gleich wieder weg ist, wenn das Projekt beendet ist“, so Marion Niebuhr. Damit spricht sie wohl den meisten Landräten aus der Seele.