Pensionskosten
Beamte abschaffen: Rostock will nur zehn behalten – spart das wirklich Geld?
In Rostock soll der Beamte zum Auslaufmodell werden. Die Schreibtische bleiben, die Aufgaben auch. Nur der Beamtenstatus soll weitgehend verschwinden. Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger will von derzeit 155 Verwaltungsbeamten langfristig nur zehn behalten. Der Rest soll künftig als normaler Angestellter arbeiten. Die Stadt hofft auf Einsparungen in Millionenhöhe.
Was nach einer radikalen Verwaltungsreform klingt, wirft allerdings eine entscheidende Frage auf: Sind Beamte für Kommunen tatsächlich teurer als Angestellte?
Der Deutsche Beamtenbund hält die Rechnung für falsch. Und ein Blick in andere Rathäuser zeigt: Während einige Kommunen längst überwiegend mit Tarifbeschäftigten arbeiten, setzen andere weiterhin bewusst auf Beamte. Ausgerechnet das hochverschuldete Berlin hat nach 18 Jahren wieder die Kehrtwende vollzogen.
KOMMUNAL hat deshalb die Zahlen und Erfahrungen verschiedener Städte verglichen. Das Ergebnis ist überraschend: Deutschlandweit sind längst neun von zehn kommunalen Beschäftigten keine Beamten mehr. Doch ob die verbliebenen Beamtenstellen tatsächlich überflüssig sind, ist keineswegs ausgemacht.
Rostock will 145 Beamtenstellen abschaffen: Das steckt hinter dem Plan
Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger will die Stadtverwaltung langfristig nahezu vollständig auf Tarifbeschäftigte umstellen. Nach von ihr bestätigten Plänen sollen von derzeit 155 Beamten in der allgemeinen Verwaltung am Ende lediglich zehn übrig bleiben.
Wer jetzt schon an Entlassungen denkt, liegt allerdings falsch. Die bestehenden Beamten behalten ihren Status. Erst wenn sie in den Ruhestand gehen, sollen ihre Stellen nicht erneut als Beamtenposten ausgeschrieben, sondern in Angestelltenstellen umgewandelt werden.
Das dauert. Kröger rechnet selbst damit, dass der Prozess erst bis zum Jahr 2050 abgeschlossen sein wird. Die Beamten der Berufsfeuerwehr sind ausdrücklich ausgenommen.
Die Oberbürgermeisterin begründet die Pläne vor allem mit drei Problemen: den hohen Versorgungskosten, fehlenden Bewerbern für Beamtenstellen und geringen Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb der Rostocker Verwaltung.
Schon seit rund zehn Jahren wird die Zahl der Beamtenstellen kleiner. Bisher allerdings eher zufällig als geplant. Kröger will daraus nun eine feste Personalstrategie machen.
Ihr Argument: Wenn die Stadt ohnehin immer weniger Beamte beschäftigt, sei es sinnvoller, diesen Weg konsequent weiterzugehen, statt wieder zahlreiche neue Beamtenstellen einzurichten.
Doch aus einer Personalstrategie wird noch keine Sparmaßnahme. Ob die Rechnung aufgeht, entscheidet sich an den tatsächlichen Kosten.
Beamte oder Angestellte: Was ist für Kommunen günstiger?
Die Frage klingt einfach. Die Antwort ist es nicht.
Ein Beamter erhält Besoldung, ein Tarifbeschäftigter Entgelt nach Tarifvertrag. Doch die eigentlichen Unterschiede liegen bei den zusätzlichen Personalkosten.
Für Beamte fallen grundsätzlich keine Arbeitgeberbeiträge zur gesetzlichen Renten- und Arbeitslosenversicherung an. Auch die Absicherung bei Krankheit und Pflege funktioniert anders. Bei Tarifbeschäftigten muss die Kommune dagegen Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung und regelmäßig Beiträge zur Zusatzversorgung leisten.
Dafür haben Beamte später Anspruch auf eine staatliche Pension. Hinzu kommen Beihilfeleistungen und weitere Versorgungsverpflichtungen.
Wer nur die monatlichen Personalausgaben vergleicht, rechnet deshalb zu kurz.
Der Deutsche Beamtenbund in Mecklenburg-Vorpommern widerspricht der Rostocker Oberbürgermeisterin ausdrücklich. Sein Landesvorsitzender Dietmar Knecht argumentiert, Beamte seien während ihrer aktiven Dienstzeit regelmäßig günstiger. Ein Verzicht auf Verbeamtungen verschiebe die Kosten lediglich in andere Finanzierungssysteme.
Die Gewerkschaft komba fordert deshalb einen Vergleich über die gesamte Beschäftigungsdauer einschließlich der späteren Versorgung.
Das ist auch für andere Kommunen entscheidend. Wer Personalaufwendungen senken will, muss zunächst wissen, welche Beschäftigungsform bei vergleichbarer Tätigkeit langfristig günstiger ist.
Dabei spielen das Einstiegsalter, die Besoldungs- und Entgeltgruppe, die voraussichtliche Beschäftigungsdauer, Beihilfe, Pensionsansprüche, Sozialversicherungsbeiträge und die Zusatzversorgung eine Rolle.
Auch der kommunale Versorgungsausgleich und die jeweilige Finanzierung der Pensionsverpflichtungen müssen berücksichtigt werden.
Hinzu kommt, dass die Besoldung der Beamten und die Tarifgehälter nicht immer im gleichen Tempo steigen. Ein Kostenvergleich für das laufende Haushaltsjahr kann deshalb ganz anders ausfallen als eine Rechnung über 30 oder 40 Jahre.
Wie stark die Tarifkosten die kommunalen Haushalte belasten, zeigte bereits der Tarifabschluss im öffentlichen Dienst 2025. Die kommunalen Arbeitgeber warnten damals vor erheblichen zusätzlichen Milliardenausgaben.
Die entscheidende Frage für jeden Kämmerer lautet deshalb: Was kostet eine konkrete Stelle über ihren gesamten Lebenszyklus – unabhängig davon, ob sie mit einem Beamten oder einem Angestellten besetzt wird?
Pensionen und Personalkosten: Spart Rostock wirklich Millionen?
Rostock verweist auf hohe Versorgungslasten. Nach Angaben von Oberbürgermeisterin Kröger muss die Stadt jährlich rund elf bis zwölf Millionen Euro für Pensionsrücklagen aufbringen.
Das ist eine erhebliche Belastung. Doch daraus lässt sich nicht unmittelbar ableiten, wie viel Geld die Umwandlung von Beamtenstellen tatsächlich einspart.
Denn die bereits erworbenen Pensionsansprüche verschwinden nicht, wenn ein Beamter in den Ruhestand geht und sein Nachfolger als Tarifbeschäftigter eingestellt wird.
Die bestehenden Verpflichtungen bleiben erhalten. Gleichzeitig entstehen durch den neuen Angestellten laufende Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung und zusätzliche Versorgungskosten.
Auch darf man die jährliche Bildung von Pensionsrückstellungen nicht mit einer ebenso hohen Auszahlung aus der Stadtkasse gleichsetzen.
Genau daher bemängelt die Komba Gewerkschaft, dass für die geplante Reform noch keine nachvollziehbare Gesamtrechnung vorliege.
In der bisherigen Debatte taucht ein Kostenunterschied von 33.500 Euro beim Vergleich bestimmter höherer Besoldungs- und Entgeltgruppen auf. Die Gewerkschaft kritisiert jedoch, dass die zugrunde liegende Berechnung nicht veröffentlicht wurde und der Vergleich von Spitzenpositionen keine Aussage über sämtliche Verwaltungsstellen erlaubt.
Nach Darstellung von komba soll die gesamte Ersparnis erst noch ermittelt werden.
Damit fehlt bislang genau das, was für eine Sparreform eigentlich am Anfang stehen müsste: eine öffentlich nachvollziehbare Rechnung, die sämtliche Kosten beider Beschäftigungsformen berücksichtigt.
Ob Rostock tatsächlich Millionen spart, ist deshalb noch offen.
Beamtenquote in Kommunen: Nur jeder zehnte Beschäftigte ist Beamter
Während in Rostock über die Zukunft von 145 Beamtenstellen gestritten wird, zeigt die deutschlandweite Statistik ein bemerkenswertes Bild.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes beschäftigte der kommunale öffentliche Dienst zum 30. Juni 2024 insgesamt rund 1,8 Millionen Menschen.
Davon waren lediglich rund 189.700 Beamte. Die übrigen rund 1,61 Millionen waren Arbeitnehmer.
Der Beamtenanteil lag damit bei gerade einmal 10,5 Prozent.
Anders ausgedrückt: Fast 90 Prozent der kommunalen Beschäftigten in Deutschland arbeiten bereits ohne Beamtenstatus.
Dabei unterscheiden sich die Kommunen erheblich. Während in manchen Städten Beamte nur einen kleinen Teil des Personals stellen, ist ihr Anteil anderswo deutlich höher.
Was das für Kosten und Leistungsfähigkeit bedeutet, zeigen die folgenden Beispiele.
Verwaltung ohne viele Beamte: Sachsen kommt mit 4,4 Prozent aus
Besonders deutlich ist die Situation in Sachsen.
Nach Zahlen des Statistischen Landesamtes waren Mitte 2024 insgesamt 84.235 Menschen im kommunalen öffentlichen Dienst Sachsens beschäftigt.
Davon hatten gerade einmal 3.705 Beamtenstatus. Der Anteil lag damit bei nur 4,4 Prozent.
Auch in Sachsen umfasst diese Statistik mehr als die klassische Rathausverwaltung. Dennoch ist der Unterschied zum Bundesdurchschnitt erheblich.
Die sächsischen Kommunen zeigen, dass kommunale Aufgaben mit einem vergleichsweise kleinen Beamtenapparat erfüllt werden können.
Für Rostock ist Sachsen deshalb ein interessantes Beispiel dafür, dass ein niedriger Beamtenanteil grundsätzlich möglich ist.
Beamtenstellen umwandeln: Kaarst geht einen anderen Weg
Wie eine weniger grundsätzliche Lösung aussehen kann, zeigt die nordrhein-westfälische Stadt Kaarst.
Dort werden Beamtenstellen ebenfalls in Angestelltenstellen umgewandelt. Allerdings funktioniert das Verfahren auch umgekehrt.
Im Haushaltsentwurf für 2026 sind fünf Umwandlungen von Beamtenstellen in allgemeine Tarifstellen und zwei weitere in Stellen des Sozial- und Erziehungsdienstes vorgesehen.
Gleichzeitig sollen vier bisherige Angestelltenstellen in Beamtenstellen umgewandelt werden.
Der Grund ist bemerkenswert pragmatisch: Die Stellen werden dem tatsächlichen Status der Personen angepasst, die sie besetzen.
Wenn eine bisherige Beamtenstelle mit einem Angestellten nachbesetzt wird, folgt die entsprechende Umwandlung im Stellenplan. Wird eine Tarifstelle mit einem Beamten besetzt, kann sie umgekehrt zur Beamtenstelle werden.
Kaarst macht daraus keine grundsätzliche Entscheidung gegen das Berufsbeamtentum.
Die Stadt erhält sich vielmehr die Möglichkeit, je nach Bewerberlage und Aufgabe unterschiedliche Beschäftigungsformen einzusetzen.
Ob dieses Modell insgesamt kostentechnisch günstiger ist, lässt sich aus dem Stellenplan allein nicht ableiten. Es bietet aber etwas, das Kommunen angesichts des Fachkräftemangels dringend benötigen: Flexibilität.
Beamte in der Stadtverwaltung: Warum Bonn an ihnen festhält
Dass der weitgehende Verzicht auf Beamte keineswegs überall das bevorzugte Modell ist, zeigt die Bundesstadt Bonn.
Nach dem Stellenplan für 2026 verfügt Bonn über insgesamt 6.024 Stellen in der Gemeindeverwaltung.
Der Beamtenanteil liegt dort bei knapp 32 Prozent.
Interessant ist die Entwicklung: Die Zahl der Bonner Beamtenstellen ist gegenüber 2023 sogar leicht gestiegen.
Die Stadt hält also weiterhin an einem vergleichsweise hohen Beamtenanteil fest.
Unter anderem spielen die Organisation der Feuerwehr, ausgelagerte Aufgaben, kommunale Einrichtungen und unterschiedliche Zuständigkeiten eine Rolle.
Der Vergleich zeigt dennoch, wie unterschiedlich deutsche Kommunen mit dem Beamtenstatus umgehen.
Während Rostock den Beamtenapparat langfristig nahezu vollständig abbauen will, plant Bonn weiterhin mit einer erheblichen Zahl von Beamtenstellen.
Welche Personalstrategie wirtschaftlicher ist, lässt sich aus der Beamtenquote allein nicht beantworten.
Beamtenstatus abschaffen? Warum Berlin wieder Lehrer verbeamtet
Wie schwierig ein grundsätzlicher Verzicht auf Verbeamtungen werden kann, zeigt ein bemerkenswertes Beispiel aus Berlin.
Dort hatte man 2004 aufgehört, Lehrer neu zu verbeamten. Das Land setzte über viele Jahre auf angestellte Lehrkräfte.
2022 kam die Kehrtwende. Seitdem werden neu eingestellte Lehrer bei Vorliegen der Voraussetzungen in der Regel wieder verbeamtet. Seit Februar 2023 können auch zahlreiche bereits beschäftigte Lehrer einen entsprechenden Antrag stellen.
Der Grund: Berlin wollte im Wettbewerb um qualifizierte Lehrkräfte wieder attraktiver werden.
Zwar ist der Berliner Schuldienst als Landesaufgabe nicht direkt mit der Rostocker Stadtverwaltung vergleichbar.
Aber das Beispiel verdeutlicht ein grundsätzliches Problem: Wenn andere öffentliche Arbeitgeber den Beamtenstatus anbieten, kann dessen Abschaffung die eigene Position im Wettbewerb um Bewerber verschlechtern.
Rostock muss deshalb nicht nur ausrechnen, welche Kosten künftig entfallen, sondern auch, welche Auswirkungen seine Personalstrategie auf die Gewinnung qualifizierter Mitarbeiter haben könnte.
Gerade kleinere Verwaltungen kennen dieses Problem. Schon heute bleiben vielerorts Stellen unbesetzt, weil geeignete Bewerber fehlen.
Dürfen Kommunen Beamtenstellen einfach abschaffen?
Bei aller Diskussion über Personalaufwendungen stellt sich noch eine grundsätzliche rechtliche Frage: Dürfen Städte ihre Beamtenstellen nach Belieben in Angestelltenstellen umwandeln?
So einfach ist es nicht.
Artikel 33 Absatz 4 des Grundgesetzes sieht vor, dass die dauerhafte Ausübung hoheitsrechtlicher Befugnisse in der Regel Beschäftigten übertragen werden soll, die in einem öffentlich-rechtlichen Dienst- und Treueverhältnis stehen.
Das sind insbesondere Beamte.
Allerdings bedeutet der sogenannte Funktionsvorbehalt nicht, dass jede hoheitliche Tätigkeit ausnahmslos von einem Beamten erledigt werden muss. Auch Tarifbeschäftigte dürfen unter bestimmten Voraussetzungen hoheitliche Aufgaben wahrnehmen.
Entscheidend sind die Art der Aufgabe, ihre Dauerhaftigkeit und die rechtliche Rechtfertigung einer abweichenden Beschäftigungsform.
Genau hier setzen die Kritiker des Rostocker Plans an.
Die Gewerkschaft komba warnt davor, den Beamtenstatus praktisch nur noch für die Führungsebene vorzusehen. Hoheitliche Entscheidungen würden schließlich nicht ausschließlich von Amtsleitern getroffen, sondern häufig in der Sachbearbeitung vorbereitet und getroffen.
Ein pauschaler Abbau nahezu sämtlicher Beamtenstellen wirft deshalb verfassungsrechtliche Fragen auf, die für die einzelnen Aufgabenbereiche geprüft werden müssen.
Beamte und Streikrecht: Wer hält das Rathaus in der Krise am Laufen?
Ein weiterer Unterschied zwischen Beamten und Tarifbeschäftigten wird im Verwaltungsalltag häufig erst sichtbar, wenn es zum Arbeitskampf kommt.
Beamte dürfen nicht streiken. Das Bundesverfassungsgericht hat dieses Streikverbot 2018 ausdrücklich bestätigt.
Tarifbeschäftigte dürfen dagegen grundsätzlich von ihrem Streikrecht Gebrauch machen.
Für eine Kommune kann das erhebliche Auswirkungen haben. Während eines Arbeitskampfes müssen wichtige Verwaltungsaufgaben weiterhin erledigt werden können.
Besonders sensibel sind Bereiche, in denen der Staat hoheitlich handelt, etwa bei sicherheitsrechtlichen Entscheidungen und anderen dringenden Verwaltungsmaßnahmen.
Der Beamtenbund argumentiert deshalb, dass ein ausreichender Beamtenanteil zur dauerhaften Handlungsfähigkeit der Verwaltung beitrage.
Für Rostock stellt sich daher eine konkrete Frage: Welche Aufgaben müssen auch während eines längeren Arbeitskampfes zwingend erledigt werden, und wie wird die Stadt deren Erfüllung sicherstellen?
Verwaltungsreform oder Personaltrick: Was bringt Rostocks Modell wirklich?
Die Debatte über Beamte und Angestellte hat noch einen weiteren Haken.
Wenn eine Stadt eine frei werdende Beamtenstelle künftig mit einem Tarifbeschäftigten besetzt, ist zunächst einmal nur der arbeitsrechtliche Status ein anderer.
Der Bürger muss weiterhin denselben Antrag ausfüllen. Die Verwaltung muss dieselben Vorschriften beachten. Die Zuständigkeiten bleiben bestehen. Und auch die Bearbeitungszeiten werden dadurch nicht automatisch kürzer.
Mit anderen Worten: Eine Beamtenstelle in eine Angestelltenstelle umzuwandeln, ist noch keine Verwaltungsreform.
Eine echte Modernisierung müsste darüber hinaus Aufgaben überprüfen, Verwaltungsabläufe vereinfachen, unnötige Genehmigungspflichten abbauen und digitale Verfahren konsequent nutzen.
Gerade weil die kommunalen Haushalte unter enormem Druck stehen, sind solche strukturellen Veränderungen notwendig.
Wie dramatisch die Finanzlage inzwischen geworden ist, zeigt der Kommunale Finanzreport 2025. Das Defizit der Kommunen erreichte 2025 fast 32 Milliarden Euro. Steigende Personal- und Sozialausgaben gehören zu den großen Belastungen.
Deshalb ist es durchaus sinnvoll, auch über die Kosten des Beamtenstatus zu sprechen.
Eine moderne Personalstrategie muss auch Antworten auf den Fachkräftemangel liefern. Welche Möglichkeiten Städte und Gemeinden dabei haben, zeigt KOMMUNAL in seinem Überblick über Strategien gegen den Personalmangel in Kommunen.
Genau hier könnte Rostock zum interessanten Modellfall werden: Wenn die Stadt durch eine veränderte Personalstruktur nachweislich Kosten senkt, mehr Bewerber gewinnt und die Verwaltung leistungsfähig hält, könnten andere Kommunen davon lernen.
Bislang fehlen für diesen Erfolg jedoch belastbare Nachweise.
Beamtenstellen abschaffen: Was andere Kommunen von Rostock lernen können
Die Beispiele zeigen, dass Deutschlands Rathäuser beim Beamtenstatus höchst unterschiedliche Wege gehen.
Sachsen kommt im kommunalen öffentlichen Dienst mit einem Beamtenanteil von 4,4 Prozent aus. Kaarst wandelt Stellen je nach tatsächlicher Besetzung in beide Richtungen um. Bonn hält an einem deutlich höheren Anteil von Beamtenstellen fest.
Vor allem fehlt der Beweis, dass eine kommunale Verwaltung langfristig tatsächlich günstiger arbeitet, wenn sie nahezu vollständig auf neue Verbeamtungen verzichtet.
Für Bürgermeister und Kämmerer ergeben sich daraus drei entscheidende Fragen: Welche Stellen erfordern aus rechtlichen oder organisatorischen Gründen Beamte? Welche Beschäftigungsform verursacht über die gesamte Dienstzeit die geringeren Kosten? Und wie lässt sich die Verwaltung gleichzeitig leistungsfähiger und attraktiver für Fachkräfte machen?
Rostocks Oberbürgermeisterin stellt mit ihren Plänen eine berechtigte Grundsatzfrage. Es ist sinnvoll, alte Strukturen zu hinterfragen. Der Beamtenstatus darf kein Selbstzweck sein.
Nur gilt das ebenso für seine Abschaffung.
Ein Rathaus wird nicht automatisch billiger, wenn ein Angestellter statt eines Beamten am Schreibtisch sitzt. Und es wird nicht automatisch moderner, wenn man anstelle der Aufgaben nur die Stellenbezeichnungen verändert.
Wenn Rostock zeigen kann, dass die Stadt langfristig Geld spart und gleichzeitig besser funktioniert, könnte die Reform zum Vorbild werden.
Wenn nicht, bleibt am Ende ein bemerkenswertes Experiment, bei dem sich vor allem eines verändert hat: der Status auf dem Papier.
FAQ: Beamte abschaffen – die wichtigsten Fragen
Können Kommunen Beamtenstellen abschaffen?
Grundsätzlich können Kommunen Stellen im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben umwandeln. Dabei müssen sie jedoch insbesondere Artikel 33 Absatz 4 des Grundgesetzes beachten. Hoheitliche Befugnisse sollen als ständige Aufgabe in der Regel Beamten übertragen werden.
Sind Beamte oder Angestellte für Kommunen günstiger?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Beamte verursachen grundsätzlich keine Arbeitgeberbeiträge zur gesetzlichen Renten- und Arbeitslosenversicherung, dafür entstehen Pensions- und Beihilfekosten. Tarifbeschäftigte verursachen laufende Sozialversicherungsbeiträge und Zusatzversorgungskosten. Entscheidend ist ein Vergleich sämtlicher Kosten über die gesamte Beschäftigungs- und Versorgungsdauer.
Wie viele Beamte gibt es in deutschen Kommunen?
Nach der Personalstandstatistik des Statistischen Bundesamtes waren Mitte 2024 rund 189.700 der insgesamt 1,8 Millionen kommunalen Beschäftigten Beamte. Das entspricht einem Beamtenanteil von 10,5 Prozent.
Wie viele Beamtenstellen will Rostock abschaffen?
Von derzeit 155 Beamtenstellen in der allgemeinen Verwaltung sollen langfristig nur zehn bestehen bleiben. Die übrigen 145 Stellen sollen bei Freiwerden schrittweise in Tarifstellen umgewandelt werden. Die Berufsfeuerwehr bleibt ausgenommen. Der Umbau soll voraussichtlich bis etwa 2050 dauern.