Sicherheit ist viel, viel mehr als nur ein „Standortfaktor“
Opfer krimineller Handlungen werden oder aus anderen Gründen auf Hilfe angewiesen sein. „Seit Jahren“, so der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes bei der Konferenz „Bonner Bündnis für mehr Sicherheit“ Anfang November, Dr. Gerd Landsberg, „steigt die Zahl der Wohnungs- und Geschäftseinbrüche in Deutschland dramatisch.“ Das führt aber in Folge zu einer allgemeinen Verunsicherung – worunter auch die regionale Wirtschaft leidet. In diesem Zusammenhang konstatiert Landsberg richtig, dass „Sicherheit ein Standortfaktor“ ist. Ein möglicher Ausweg aus dem Problem, mehr Polizei auf die Straßen zu bringen, wäre, diese von Aufgaben wie Radar- oder Parkraumüberwachung zu entlasten.
Einer der heikelsten Aspekte dieses Teils des Themas ist die „Sicherheit bei Veranstaltungen“. Sicherheitsagenden werden üblicherweise an den Veranstalter „ausgelagert“, als „bewilligende Instanz“ ist die Kommune aber im Fall eines Unglücks sehr wohl haftbar (siehe auch den Beitrag über „Veranstaltungssicherheit“ auf Seiten 32/33 dieser Ausgabe).
Ein gänzlich anderes Thema ist der Schutz der Bevölkerung vor Bränden oder Naturgefahren. Auch hier sind die Städte und Gemeinden extrem gefordert (mehr zum Thema „Feuerwehr“ lesen Sie auf den Seiten 24 ff dieser Ausgabe, Anm. d. Red.). Auch in Deutschland kann keine Stadt oder Gemeinde letztlich mit Sicherheit ausschließen, dass sie künftig einmal von verkehrsbedingten Unglücken, Hochwasser oder den Auswirkungen des Klimawandels großflächig betroffen sein wird. „Womit müssen wir rechnen?“ ist eine zentrale Fragestellung für alle Verantwortlichen im Bevölkerungsschutz. Schritt eins ist demnach die Erstellung eines Gefährdungskatalogs und eine Analyse und Bewertung der Risiken, denen eine Gemeinde ausgesetzt ist. Darauf folgt die Vorbereitung auf die Ereignisse – die hoffentlich nie eintreten. Die Gemeinde mit allen verfügbaren Einsatzorganisationen ist hier schon weitgehend gefordert. In der Reaktion auf ein Ereignis, in der Bewältigung und schlimmstenfalls im Wiederaufbau muss die Gemeinde dann erneut beweisen, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht hat.
Kommunikation bewältigt die Krise
Krisenkommunikation ist ein wichtiger Bestandteil des Krisenmanagements. Dadurch kann ein akut drohender Schaden vermieden oder das Ausmaß eines eingetretenen Schadens gemindert werden.
Krisenkommunikation findet kurzfristig, unter hohem Zeitdruck, anlassbezogen sowie unmittelbar mit Beginn, während sowie bis zum Abklingen einer Krise statt. Wesentliche Informationen müssen kontinuierlich an Zielgruppen und sonstige, von der Krise betroffene Personen und Personengruppen gesteuert werden. Dazu zählen beispielsweise Berichte über die Krisenentwicklung, Verhaltensratschläge, Verzeichnisse über Hilfsorganisationen vor Ort etc.
Kontakte zu Journalisten sollten deshalb schon in der frühen Phase der Lageentwicklung aktiviert werden. Die Wahrnehmung der Krise und die Bewertung des Krisenmanagements durch die Öffentlichkeit sind im beachtlichen Umfang von der Medienberichterstattung und darauf aufbauenden privaten Veröffentlichungen im Internet und in Social Media abhängig. Eine zielführende und effiziente Krisenkommunikation erfordert demzufolge unter anderem, dass verantwortliche Entscheidungspersonen frühzeitig in den Medien auftreten müssen, um der hauseigenen Krisenkommunikation „ein Gesicht“ zu geben. Krisenkommunikation ist eindeutig „Chefsache“.
Neue Zeiten
Aber mittlerweile sind es längst nicht mehr nur Kommunen oder Menschen in sozialen Brennpunkten, die sich über Sicherheit in ihrem „kleinen Kreisen“ Gedanken machen. Bilder von Katastrophen, Bedrohungen durch Terrorismus ebenso wie durch die Alltagskriminalität haben dazu beigetragen, dass dem Wert der Sicherheit im Bewusstsein aller Menschen ein immer höherer Stellenwert beigemessen wird. Entsprechend hoch sind die Erwartungen gegenüber sämtlichen staatlichen Ebenen, aber besonders der Ebene der Gemeinden, die den Bürgern am nächsten sind, für „Sicherheit“ zu sorgen.
Wenn diese Erwartungen an die Gemeinden aber viel höher sind als die zur Verfügung stehenden Mittel, dann wird es vermutlich – nicht sofort, aber irgendwann – bei dem einen oder anderen Aspekt der „Sicherheit“ Defizite geben.