Angekommen

Referatsleiter Ulrich Mohn
Die hierfür zentralen Handlungsfelder und erfolgversprechenden Maßnahmen beschreibt die Ende 2014 erschienene Publikation „Interkulturelle Öffnung und Willkommenskultur in strukturschwachen ländlichen Regionen – Ein Handbuch für Kommunen“. Darin werden die Erfahrungen aus dem vom DStGB aktiv als Partner unterstützten Forschungs-Praxis-Projekt der Schader-Stiftung „Integrationspotenziale ländlicher Regionen im Strukturwandel“ zusammengefasst. Dargestellt werden Praxiserfahrungen, die ein bei den Mitgliedskommunen des Projektes professionell durchgeführter Beratungs- und Coaching-Prozess zur interkulturellen Öffnung der kommunalen Verwaltung in den Projektkommunen hervor gebracht hat.
Ergänzt werden diese durch eine Beschreibung der Rahmenbedingungen ländlicher Kommunen und Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der kommunalen Integrationspolitik mit anschaulichen Beispielen guter Praxis.
Integrationspolitische Spezifika ländlicher Regionen
Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des sich abzeichnenden Fachkräftemangels haben die Themen Zuwanderung und Integration gerade in den Kommunen des ländlichen Raums an Bedeutung gewonnen. Die Städte und Gemeinden in den strukturschwachen ländlichen Regionen stehen vor großen Herausforderungen. Ihre Bewohnerschaft schrumpft und altert, gleichzeitig wird die Gesellschaft sozial und kulturell vielfältiger und viele Regionen haben mit der Abwanderung von qualifizierten Fachkräften zu kämpfen. Dies hat vielfältige Folgen für das Zusammenleben in der Stadt oder Gemeinde sowie für deren Wohn- und Wirtschaftsstandort. Manche Kommunen sehen einen möglichen Ausweg darin, ihre Attraktivität für Menschen mit Migrationshintergrund zu steigern. Vor diesem Hintergrund wird die Integration von Zuwanderern zunehmend weniger als Problem denn als Potenzial wahrgenommen. Sie entwickelt sich somit in demografischen Schrumpfungsgebieten zu einem wichtigen Zukunftsthema.
Mehr und mehr vollziehen sich unter dem „Druck der Demografie“ Öffnungsprozesse in den ländlichen Kommunen gegenüber Migrantinnen und Migranten. Das Wissen über die Prozesse hin zur Interkulturellen Öffnung und zu einer Willkommenskultur wird gerade in strukturschwachen ländlichen Regionen zu einem wertvollen Gut.
Künftig kommt es noch mehr darauf an, Begegnungen von Einheimischen und Zuwanderern zu fördern. Gerade kleine Gemeinden in ländlichen Regionen neigen mitunter zu Abschottungstendenzen gegenüber Fremden, aus welcher Region sie auch zuwandern. Da es jenseits der Ballungsräume wenige Selbstorganisationen der Migranten gibt und damit institutionelle Ansprechpartner weitgehend fehlen, müssen andere Zugänge zu den Communities der Zuwanderer gefunden werden: Ein Dorffest, eine Einladung durch den Bürgermeister zu einer Feier oder zu einer Sportveranstaltung sind gute Gelegenheiten, die Menschen zueinander zu bringen.
In dem genannten Handbuch für Kommunen werden viele Aspekte angesprochen, um einzelne Integrationsmaßnahmen zu einer gesamtstädtischen Strategie mit einander zu verknüpfen. So geht es darin um die Stärkung der interkulturellen Kompetenz in Klein- und Mittelstädten des ländlichen Raums sowie um die interkulturelle Öffnung in der Verwaltung, aber darüber hinaus in der Stadt oder Gemeinde. Die Erfahrungen der Projektkommunen mit den vom Projekt initiierten Beratungs- und Coachingverfahren zur interkulturellen Öffnung werden sichtbar. Ein Exkurs berichtet über Erfahrungen bei der Umsetzung von Veränderungsprozessen in Kommunen, denn Grundkenntnisse sind gerade beim Integrationsprozess, dessen Gelingen oft mit einem Kulturwandel einhergeht, sehr nützlich. Der Weg hin zu einer Anerkennungs- und Willkommenskultur in den Städten und Gemeinden nimmt erfahrungsgemäß einige Zeit in Anspruch. Er kann und sollte jedoch von der Verwaltungsspitze gezielt vorangetrieben werden. Ausformulierungen von Leitbildern können helfen, den integrationspolitischen Paradigmenwandel weg von der Defizitbetrachtung hin zur Potenzialorientierung in der gesamten Stadt oder Gemeinde zu verbreiten.
Das Handbuch stellt integrationspolitische Empfehlungen in ganz unterschiedlichen Handlungsfeldern plastisch vor, wie zum Beispiel Sprache und Bildung, Teilhabe am Arbeitsmarkt oder bürgerschaftliches Engagement.
Ein Grundelement des hier beschriebenen kommunalen Integrationskonzeptes ist es, sich nicht mehr darauf zu beschränken, den Umgang mit Migranten den jeweiligen Fachämtern zu überlassen, sondern dieses Thema in eine langfristige kommunale Entwicklungsstrategie einzubeziehen. Auf der Basis des neuen Paradigmas der Potenzialorientierung ist es für verschiedenste Akteure klug, proaktiv auf vor Ort gut vernetzte „Schlüsselpersonen“ zuzugehen, die ihnen Verbindungen zu den verschiedenen Herkunftsgruppen, Milieus und Generationen der Zugewanderten vermitteln können. Während die Stadt diesen Gruppen Wertschätzung, Anerkennung und die Bereitschaft zur interkulturellen Öffnung glaubhaft verdeutlicht, anerkennt sie gleichzeitig die vielfältigen Potenziale, die Zuwanderer mit sich bringen. Erst in dem vom Geist interkultureller Öffnung geprägten Kennenlernprozess wird deutlich, welche arbeitsfähigen Migranten an welchem Arbeitsplatz in der Stadt gut arbeiten könnten, welche sozialen und kulturellen Fähigkeiten bestimmte Zuwanderer gut in das städtische Leben einbringen könnten. Isoliert lebende und oft durch ungute Erfahrungen verängstigte Menschen lassen sich oft nur dann zur Teilhabe am Leben der Stadt bewegen, wenn man ihnen gezielt die Hand reicht und nach Wegen zu einer gelungenen Integration in das Stadtleben sucht.
Die Handlungsempfehlungen richten sich in erster Linie an die Kommunen, die die Vorteile der Vielfalt und einer Ansiedlung neuer Bürger nutzen und hierzu in ihrer Stadt eine Anerkennungs- und Willkommenskultur etablieren wollen.
Gleichermaßen richtet sich das Handbuch aber auch an Bund und Länder, die aufgefordert sind, Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche kommunale Integrationspolitik zu schaffen und Unterstützungsstrukturen anzubieten; wobei gerade auf Länderebene vieles durch integrationsfördernde Programme oder auch Gesetze auf den Weg gebracht werden kann. Diese Unterstützung bleibt weiterhin wichtig. Sinnvoll wäre sicherlich, die Fülle von kleinen und kleinsten Förderprogrammen und Förderansätzen für die Kommunen zu bündeln, auch um wirklich strukturell Änderungen im ländlichen Raum zu erreichen.
Doch viele Fortschritte beim Integrationsprozess vor Ort sind in erster Linie der Initiative und der Gestaltungskraft der Menschen vor Ort zu verdanken. Hierfür bietet die Publikation „Interkulturelle Öffnung und Willkommenskultur in strukturschwachen ländlichen Regionen – Ein Handbuch für Kommunen“ gute und vor allem praxisbezogene Anregungen.
Hier finden Sie weitere Informationen und Möglichkeiten zum Download der besprochenen Broschüren