Digitalisierung
Werkstatt für Transformation im Rathaus
Die Kommunen tragen Verantwortung für Verwaltungsleistungen, Daseinsvorsorge und Infrastruktur. Mehr als 80 Prozent ihrer Aufgaben werden ihnen von Bund und Ländern übertragen, der eigene Gestaltungsspielraum ist eng. Und doch sind Kommunen diejenigen, die gesellschaftliche Herausforderungen als Erste spüren – täglich, konkret, unausweichlich: im Sozialamt, in der Schule, am Stadtrand. Demografischer Wandel, Klimaanpassung, Wohnungsnot, die Transformation des Arbeitsmarkts – all das manifestiert sich zuerst vor Ort, lange bevor Bund oder Länder regulatorisch reagieren. Das macht Kommunen zu mehr als Vollzugsbehörden: Sie sind das Frühwarnsystem der Gesellschaft.
KI-Assistenten und Bots bis hin zu Apps
Plattformen, Cloud und Künstliche Intelligenz werden die Verwaltung grundlegend verändern. KI-Assistenten übernehmen Routineaufgaben, erste Kommunen setzen Sprachmodelle und KI-Agenten ein – dieser Trend wird sich verstärken. Die Stadt Rheinbach betreibt einen Bot, der in über 95 Sprachen und Leichter Sprache antwortet. Ein Software-Roboter unterstützt die Ausländerbehörde der Stadt Gütersloh und übernimmt im An- und Abmeldeprozess wiederkehrende manuelle Aufgaben. GovTech-Start-ups entwickeln speziell auf kommunale Aufgaben zugeschnittene Dienste, wie die gerade im Landkreis Südliche Weinstraße eingeführte Integreat-App.
Kommunen als Werkstätten für Transformation
Weil Kommunen Probleme zuerst spüren, sind sie auch der Ort, an dem neue Antworten zuerst erprobt werden müssen. Kommunen brauchen Werkstätten für Transformation, in denen neue Services gemeinsam mit der Wirtschaft iterativ entwickelt werden. Die permanente Weiterentwicklung dieser Services werden sie dabei nicht allein stemmen können – unternehmerisches Know-how ist gefragt.
Wie das methodisch gelingen kann, zeigt das Forward-Deployed-Engineer-Modell (FDE), das Palantir-CEO Alexander Karp bekannt gemacht hat: Ingenieure gehen physisch in die Behörde, arbeiten Seite an Seite mit den Mitarbeitenden und entwickeln Lösungen direkt am realen Bedarf – keine Pflichtenhefte, sondern kontinuierliche Iteration am echten Problem. Die Methodik überzeugt, ist so aber nicht auf Deutschland übertragbar. Vergaberecht, Datensouveränität und Anbieterabhängigkeit verlangen eine staatlich kontrollierte Form: eigene Teams mit Tech-Kompetenz, die auf offenen Standards aufbauen – analog zum britischen Government Digital Service. Wichtig wird sein, dass die in den Transformation-Werkstätten der Rathäuser entwickelten Services allen Kommunen über Plattformen zugutekommen.


