Vom 3D-Modell zur kommunalen Praxis
Digitale Zwillinge helfen kleinen Kommunen
Dabei handelt es sich um den sogenannten Bürgerzwilling, denn Weisendorf hat nicht nur einen, sondern mittlerweile drei digitale Zwillinge. Zum Bürgerzwilling kommt noch der Rats- und der Verwaltungszwilling hinzu.
Was ist ein digitaler Zwilling?
Ein digitaler Zwilling ist das realitätsnahe digitale Abbild einer Kommune. Er ermöglicht Analysen, Simulationen und Was-wäre-wenn-Szenarien – etwa wenn es darum geht, Wohnraum ohne zusätzliche Versiegelung zu schaffen. Er hilft auch bei der Hochwasservorsorge oder um Verkehrswege und Barrieren zu analysieren. Solch ein digitales Abbild hilft, Entscheidungen in der Stadtentwicklung zu unterstützen. Grundlage dafür ist die Zusammenführung bislang getrennter kommunaler Daten, Anwendungen und Berichte. Das schafft Transparenz, hilft bei der Vernetzung innerhalb der Verwaltung – und erleichtert es, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und zukunftsfähig zu handeln.
In Weisendorf existieren drei vollständig voneinander getrennte digitale Zwillinge mit jeweils unterschiedlichen Daten und Informationen. Der „Bürgerzwilling“ steht der Öffentlichkeit zur Verfügung. Der „Ratszwilling“ ist den politischen Vertreterinnen und Vertretern der Kommune vorbehalten. Der „Verwaltungszwilling“ umfasst auch sensible Informationen – etwa zur kritischen Infrastruktur – und ist, je nach Aufgabenbereich, ausgewählten Mitarbeitenden des Bauhofs und der Verwaltung zugänglich.
Digitale Zwillinge als Werkzeug der Kommunalplanung
Fragt man Eva Fröhlich, Geschäftsleitung des Hauptverwaltungsamtes von Weisendorf, nach den meistgeklickten Inhalten des Bürgerzwillings, kommt sie schnell zur Friedhofsbelegung. „Früher hatten wir montags immer jede Menge Anruferinnen und Anrufer, die wissen wollten, ob es denn noch freie Gräber auf den beiden Friedhöfen der Gemeinde gibt“, berichtet sie. Heute klickt man im Bürgerzwilling die Rubrik "Friedhof" an und kann sich sowohl auf dem Waldfriedhof als auch auf dem Alten Friedhof die Belegung der Gräber anzeigen lassen: die grün markierten sind frei, die rot markierten sind belegt.
„Das beantwortet den Leuten ihre Frage. Weitere Informationen, beispielsweise, wie lang die belegten Gräber noch laufen, erhalten sie nicht. Diese Daten sind der Verwaltung vorbehalten“, erklärt sie. Dass die digitalen Zwillinge so reichhaltig Auskunft geben, liegt daran, dass sie mit all diesen Daten gefüllt worden sind. Das erledigt die Verwaltung. „Wir nehmen das gar nicht mehr wahr“, so Fröhlich. Sie meint damit: Der Umgang mit den digitalen Zwillingen. In der Verwaltung sei es längst Usus, Daten digital einzupflegen. So nutzt die Kommune beispielsweise schon länger ein Geoinformationssystem (GIS) für die Datenverwaltung , um etwa raumbezogene Daten – wie die Belegung der Gräber – zu erfassen, zu speichern, zu analysieren und zu visualisieren. Dieses sei mit den digitalen Zwillingen verknüpft, sodass keine Mehrarbeit entsteht.

Woher die Daten stammen
Für den Bürgerzwilling verwendet die Kommune hauptsächlich statistische Daten. „Beim Rats- und Verwaltungszwilling sind auch Echtzeitdaten integriert“, sagt die Geschäftsleiterin. Etwa, wenn es um die Zählung der Verkehrsteilnehmer oder die Bodenfeuchtigkeitsmessung geht.
Die Vorteile liegen für Eva Fröhlich auf der Hand: „Wir stellen Informationen, die uns vorliegen, visuell zur Verfügung. Mitarbeiter müssen sie nicht erst in analogen Ordnern suchen.“ Das ist besonders sinnvoll, wenn es um Echtzeitdaten geht: Fröhlich bringt die Kolleginnen und Kollegen von der Wasserversorgung ins Spiel. „Wenn es zu einem Wasserrohrbruch gekommen ist, haben sie die Infos auf ihren Tablets visualisiert und können handeln.“ Das könne beispielsweise ein Video von dem betroffenen Kanal sein.
Daten zu Wasser, Strom, Breitband – der kritischen Infrastruktur – sind ausschließlich im Verwaltungszwilling zu finden, auf den nur ausgewählte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Zugriff haben. Bürger- und Ratszwilling laufen unabhängig davon.
So werden digitale Zwillinge gefördert
Für kleine Gemeinden ist die Umsetzung eines digitalen Zwillings oft in vielerlei Hinsicht schwer zu realisieren. Inzwischen gibt es einen Leitfaden, um den Zwilling eigenständig zu entwickeln; es gibt auch die Möglichkeit eine fertige Lösung in Verwaltungssysteme zu integrieren. Weisendorf holte sich Unterstützung von einer Beratungsfirma, die Kommune war eine von 17 Fördernehmern im Projekt „TwinBy – digitale Zwillinge für Bayern“ – und hofft nun auf eine weitere Förderung. Das Fördervorhaben des Bayerischen Staatsministeriums für Digitales unterstützte bayerische Kommunen mit insgesamt einer Million Euro beim Aufbau individueller digitaler Zwillinge anhand konkreter Anwendungsfälle.
Neben dem Markt Weisendorf erhielt auch der Landkreis Kulmbach im Rahmen von TwinBy eine Förderung. Dort kommt der digitale Zwilling für die interkommunale 3D-Energieplanung zum Einsatz: Energie- und Solarpotenziale auf Gebäude- und Quartiersebene werden visualisiert und analysiert, um Klimaanpassung, Energieeffizienz und kommunale Planungsprozesse gezielt zu verbessern.
Weitere geförderte Kommunen waren unter anderem Forchheim, Schwandorf, Traunstein und der Markt Isen.
Handlungsempfehlungen für die Planung und Umsetzung Digitaler Zwillinge
Praxisleitfaden „Digitale Zwillinge im Infrastrukturmanagement und -betrieb in Kommunen planen und umsetzen“ als PDF zum Herunterladen:


