Überfüllte Glascontainer
Soll zukünftig in Gera der Vergangenheit angehören: überfüllte Glascontainer.
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Praxisbeispiel Gera

Auf dem Weg zur smarten Abfallwirtschaft

Gera stattet seine Weißglas-Container mit Sensoren aus, um überfüllte Altglassammelstellen in den Griff zu bekommen. Ein Nebeneffekt: Das Entsorgungsunternehmen nutzt die Daten über die Füllstände – und optimiert damit seine Routen.

Regelmäßig überfüllte Glascontainer waren in Gera in der Vergangenheit immer wieder ein Problem. Zahlreiche Flaschen und Glasbehälter landeten neben den Containern und nicht wenige davon endeten als Bruchglas auf den Wegen.

Regelmäßig zu überprüfen, wie voll die Container sind, ist für die Mitarbeitenden der beauftragten Entsorgungsunternehmen personell jedoch nicht möglich. Um den Füllstand der Container besser kontrollieren und sie rechtzeitig leeren zu können, setzt die thüringische Stadt nun auf eine digitale Lösung: Die als SMARTCity-Modellort vom Bundesbauministerium geförderte Stadt macht ihre Altglas-Entsorgung mit Sensoren smart und intelligent.

Smarte Routenplanung

Die Idee: Über die Sensoren an den Weißglas-Containern Daten über die Füllstände zu sammeln und damit den Entsorgungsunternehmen eine Basis für eine gezielte Routenplanung an die Hand die zu geben. Das heißt: Sind Container voll, werden sie geleert. Anstelle von standardisierten Fahrten, nutzt das Entsorgungsunternehmen eine KI-gestützte Routenführung, mit der sie überflüssige Fahrten und überfüllte Container vermeiden können.

Die von den Sensoren erhobenen Daten werden per LoRaWAN weitergegeben, eine Funktechnologie, die kleine Datenmengen über große Entfernungen mit geringer Energie überträgt. Diese Daten werden beispielsweise an die „Abfall-App“ weitergegeben, über die Bürgerinnen und Bürger die Füllstände einsehen und nachvollziehen können.

Realitäts-Check für die digitale Lösung

Doch wie sieht der Realitäts-Check aus? André Rudolph vom Abfallwirtschaftszweckverband Ostthüringen berichtet, dass die öffentlichen Weißglas-Container seit dem Projektstart 2024 mittlerweile flächendeckend mit Sensoren ausgestattet seien; die nicht öffentlichen dagegen nicht. „Es ist noch eine Mischung zwischen den statischen und durch die Sensordaten optimierten Routen“, räumt er ein.

In der aktuellen Projektphase kann das beauftragte Entsorgungsunternehmen über die App bereits sehen, welche Container in ihren abzufahrenden Gebieten hohe Füllstände haben. Das heißt, es müssen nicht alle Glascontainer angefahren werden. Das spart zumindest schon mal Zeit und – so die Vision – langfristig Kilometer und CO2-Emissionen.

Smarte Abfallwirtschaft in Gera
Gera möchte künftig die Entleerung seiner Glascontainer digital managen.

Open-Source-Software für Nachnutzung

„Im Moment sind wir dabei für die Disponenten und die Fahrer die Open-Source-Software für die optimierte Routenführung zur Verfügung zu stellen“, so Rudolph. Das sei „sehr komplex“, denn es gilt verschiedene Faktoren einzubeziehen, etwa spontan von Bürgern gemeldete Container, die kurzfristig in die Route eingebunden werden sollen. Am Ende, berichtet Rudolph, sollen die Fahrer ihre Routen über ein mobiles Endgerät übermittelt bekommen.

Ein positiver Nebeneffekt des mit 250.000 Euro geförderten Projekts, das der Abfallwirtschaftszweckverband (AWV) in Eigenregie umsetzt: Durch die Nutzung von offenen Standards und Open-Source-Technologien, lässt sich die Lösung übertragen und von anderen Kommunen adaptieren. Das App-Framework der „Bürger-Abfall-App“ etwa basiert auf einer Low-Code-Lösung, die so auch für Kommunen ohne eigene Programmierkompetenzen nutzbar ist.

Erste Erfolge sichtbar

Auch wenn das Projekt noch nicht abgeschlossen ist, sind bereits erste Erfolge sichtbar: „Die Bürgerbeschwerden, die über unser Bürgertelefon zu überfüllten Glascontainern eingehen, sind rückläufig“, sagt Rudolph. Auch die CO₂-Bilanz hat das Projektteam bereits im Blick. Valide Zahlen gebe es indes nicht; das System laufe schließlich noch nicht produktiv.

Das soll bis Ende 2026 geschehen. Bis dahin steht auf der Agenda des Projektteams beispielsweise noch die Anbindung an die Endgeräte der Fahrerinnen und Fahrer. „Aktuell arbeiten wir an der Visualisierung der Routen für das Entsorgungsunternehmen“, sagt Rudolph. Bei der Abfall-App wird es Optimierungen geben, etwa die Anbindung an die BundID. Außerdem müssen noch einige Sensoren an den Containern ausgetauscht werden.

Auch wenn noch einiges zu tun ist auf dem Weg zur smarten Glasentsorgung in Gera – das Projektende ist in Sicht. Und damit: messbare Füllstände, optimierte Entleerungs-Routen, weniger Kilometer und CO₂-Emissionen, und vor allen Dingen keine überfüllten Glascontainer mehr.

Details zum Projekt.

Fotocredits: Illustration: Abfallwirtschaftszweckverband Ostthüringen