Freibad: Junge im Wasser
Ein großer Spaß für die Kleinen, teuer aber für die Kommunen: Viele Freibäder können aus eigener Kraft nicht mehr erhalten werden.
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Finanzen

5 Mutmach-Beispiele: So retten Bürger das Freibad

Die Gemeinde kann sich kein Freibad oder Hallenbad mehr leisten. Doch das bedeutet nicht immer das Ende für das beliebte Freizeit- und Sportangebot vor Ort. Viele Kommunen bekommen Hilfe über engagierte Bürgervereine.

Bürgerschaftliches Engagement kann für viele Freibäder zum Rettungsanker werden. In zahlreichen Kommunen übernehmen Fördervereine bereits ganz oder teilweise den Betrieb von Bädern, die sonst vor der Schließung stünden. Solche sogenannten Bürgerbäder zeigen, dass die Bereitschaft der Menschen groß ist, ihre Freizeiteinrichtungen vor Ort zu erhalten. Neben Vereinslösungen kommen auch Genossenschaftsmodelle infrage, bei denen Bürger Verantwortung für den Betrieb übernehmen.

Beispiel 1: Langenberg in Nordrhein-Westfalen

In Langenberg in Nordrhein-Westfalen versuchen Bürger derzeit, den Neubau eines Schwimmbads auf ungewöhnliche Weise möglich zu machen. Das bestehende Lehrschwimmbecken ist marode, Wasser dringt in die Bausubstanz ein, eine Sanierung gilt als wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll. Für die rund 8.500 Einwohner zählende Gemeinde wären die Kosten für einen Neubau von geschätzt 11 bis 16 Millionen Euro aus eigener Kraft kaum zu stemmen.

Deshalb haben engagierte Bürger gemeinsam mit der Kommune ein neues Modell entwickelt. Kern des Konzepts sind der Förderverein Langenbad e. V. und die gemeinnützige Langenbad gGmbH. Die Initiatoren versprechen sich davon geringere Baukosten und günstigere Finanzierungsmöglichkeiten als bei einer rein kommunalen Lösung.

Die Resonanz im Ort ist groß. Innerhalb weniger Monate gewann der Förderverein nach eigenen Angaben mehr als 1.000 Mitglieder – bei einer Gemeindegröße von rund 8.500 Einwohnern ein bemerkenswerter Rückhalt in der Bevölkerung, berichtet der WDR.

Vertreter von Landesregierung und Landtag haben sich jüngst über den Zustand des Bades und die Pläne für einen Neubau informiert. Die Initiatoren hoffen auf Fördermittel des Landes Nordrhein-Westfalen. Läuft alles nach Plan, könnte  Ende 2026 der erste Spatenstich gesetzt werden.

Beispiel 2 Siebenlehn in Sachsen

Als das Romanusbad im sächsischen Siebenlehn Anfang der 2000er Jahre vor der Schließung stand, wollten viele Bürger ihr Freibad nicht aufgeben. Sie gründeten den Förderverein „Romanusbad Siebenlehn e. V.“ und entwickelten ein Konzept, das den Fortbestand der Anlage sichern sollte. Mehr als zwei Jahrzehnte später betreibt der Verein das Freibad noch immer ehrenamtlich – eine Besonderheit, die bundesweit Aufmerksamkeit erregte.

Mit der Eingemeindung Siebenlehns wurde die Stadt Großschirma 2003 Eigentümerin des Freibads. Der Förderverein blieb Betreiber der Anlage. Aus der Rettungsaktion entwickelte sich eine dauerhafte Partnerschaft zwischen Kommune und Ehrenamt, die bis heute trägt.

Für sein Engagement wurde der Verein 2021 mit dem Sonderpreis der Bundeskanzlerin ausgezeichnet. Gewürdigt wurde damit nicht nur der Einsatz für den Erhalt des Freibads, sondern auch der Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt vor Ort.

Aktuell wird das 1932 eröffnete Romanusbad umfassend modernisiert. Rund 2,1 Millionen Euro fließen in die Sanierung der Anlage. Ziel ist es, den Charakter des Freibads zu bewahren und es zugleich technisch, energetisch und hinsichtlich der Barrierefreiheit fit für die Zukunft zu machen.

Bereits abgeschlossen sind die Erneuerung der Schwimmbadtechnik sowie die Sanierung des Kinderbeckens mit einem neuen Wasserspielplatz. Derzeit läuft die Modernisierung des Kombibeckens. Finanziert wird das Projekt mit Unterstützung von Bund und Freistaat Sachsen. Die Arbeiten sollen bis Ende Mai 2026 abgeschlossen sein.

Beipiel 3 Deblinghausen in Niedersachsen

Im niedersächsischen Deblinghausen, einem Ortsteil des Fleckens Steyerberg im Landkreis Nienburg/Weser mit rund 500 Einwohnern, wird das örtliche Freibad mit Unterstützung des Bürgervereins Contur betrieben. Das beheizte Familienbad ist während der Saison ein beliebter Treffpunkt für Familien und Badegäste aus der Region.

Viele Arbeiten rund um Pflege, Organisation und Vorbereitung der Badesaison übernehmen Ehrenamtliche. Bezahlt werden lediglich die Badeaufsichten. Damit das auch künftig gelingt, wirbt der Verein um neue Mitglieder und Helfer.

Die Suche nach ehrenamtlichem Nachwuchs beschäftigt viele Vereine, die kommunale Einrichtungen unterstützen. In Deblinghausen entscheidet sie mit darüber, wie das Freibad auch in Zukunft betrieben werden kann.

Beispiel 4 Triefenstein in Bayern

Im bayerischen Markt Triefenstein im Landkreis Main-Spessart mit rund 4.300 Einwohnern wollten sich die Bürger 2017 nicht mit der Schließung ihres Freibads abfinden. Das Waldbad im Ortsteil Lengfurt stand damals kurz vor dem Aus. Daraufhin gründeten engagierte Einwohner den Förderverein „Pro Waldbad“, um den Erhalt der Anlage zu unterstützen.

Seitdem engagieren sich zahlreiche Freiwillige für das Freibad. Der Verein kümmert sich nach eigenen Angaben um den ehrenamtlichen Erhalt der Anlage und unterstützt den Betrieb mit Spenden, Sachleistungen und Arbeitsstunden.

Bereits in den ersten Monaten nach der Gründung packten Dutzende Helfer mit an. Sie renovierten Sanitärbereiche und Umkleiden, arbeiteten an den Becken, richteten den Kiosk her und übernahmen zahlreiche weitere Aufgaben, um die Badesaison zu ermöglichen. Mehr als 1.300 Arbeitsstunden kamen dabei zusammen.

Auch heute setzt das Waldbad auf ehrenamtliche Unterstützung. Der Förderverein wirbt regelmäßig um Helfer für Kasse, Reinigung, Reparaturen und Badeaufsicht.

Freibad Mädchen am Einser

Beispiel 5 Minden in Nordrhein-Westfalen

Das Sommerbad in Minden (Nordrhein-Westfalen) hätte eigentlich schon vor zwei Jahrzehnten zugemacht werden sollen. Um es zu retten, gründeten sich damals ein Förder- und ein Betreiberverein. Er sorgte gemeinsam mit der Kommune dafür, dass das Freibad mit hohen Zuschüssen saniert werden konnte. Die engagierten Bürgerinnen und Bürger beweisen Geschäftssinn und zeigten sich kreativ "Weil wir keinen Anteil aus der Sportförderpauschale der Kommune bekommen konnten, sind wir in die Triathlonabteilung des Landessportvereins eingetreten und bekommen seither die Förderung", erläuterte die Vorsitzende des Vereins, Kathrin Kosiek, in einem Gespräch mit KOMMUNAL.

Welche Modelle gibt es noch, um die Frei- und Hallenbäder für die Kommune zu retten?

Experten empfehlen unter anderem interkommunale Zusammenarbeit, bei der mehrere Gemeinden gemeinsam ein Schwimmbad betreiben oder Ressourcen bündeln. Auch Kooperationen mit Erlebnisbädern können sinnvoll sein, etwa wenn dort Lehrschwimmbecken für den Schulschwimmunterricht genutzt werden.

Darüber hinaus bieten Öffentlich-Private Partnerschaften die Möglichkeit, Investitions- und Betriebskosten auf mehrere Schultern zu verteilen.

Weitere Einsparpotenziale liegen im laufenden Betrieb. Eine stärkere Ausrichtung der Öffnungszeiten am tatsächlichen Bedarf, zusätzliche Einnahmen aus Gastronomie oder Veranstaltungen sowie eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit können die Wirtschaftlichkeit verbessern.

Auch energetische Sanierungen und digitale Lösungen, beispielsweise beim Ticketverkauf, helfen dabei, Kosten zu senken. Welche Konzepte langfristig erfolgreich sind, muss jedoch jede Kommune anhand ihrer örtlichen Gegebenheiten selbst entscheiden.