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  3. So sehen Ankerorte des digitalen Wandels aus
ProbierLaden Jena
Das Team des ProbierLadens in Jena sorgt für digitale Teilhabe - mit einem individuellen Beratungs- und Workshopangebot.
© Stadt Jena

Smarte Stadtentwicklung

So sehen Ankerorte des digitalen Wandels aus

von Monique Opetz
Freie Journalistin
1. Juni 2026
Kommunen schaffen Orte, die physische Räume mit digitalen Angeboten verbinden – für Begegnung, Bürgerbeteiligung und digitale Teilhabe. Welche Rolle spielen Stadtlabore, Makerspaces oder Digitalwerkstätten bei der digitalen Transformation? Jena, Potsdam, Regensburg, Detmold und viele andere Kommunen als Beispiele.

Kommt man am ProbierLaden im thüringischen Jena vorbei, laden offene Fensterfronten zum Reinschauen ein: Handy-, Tablet- und Laptopaufkleber auf den Fenstern lassen erahnen, was einen hier erwartet.  „Wie bewege ich mich sicher im Internet?“ oder „Wie komme ich an eine E-Mail-Adresse?“ ist dort zu lesen. Der ProbierLaden liegt zentral in der Stadt zwischen Bücherei und Bürgerservice. „Alle Jenaerinnen und Jenaer sind herzlich eingeladen – egal ob Digital-Profi oder Technik-Neuling. Kommt rein, probiert aus, fragt uns Löcher in den Bauch!“ lautet das Motto.

Drinnen warten Sofas, Sessel und Sitzecken auf die Besucherinnen und Besucher; es herrscht Wohnzimmeratmosphäre. Es gibt aber auch Schreibtische mit PCs: Das ist der Seminarbereich für Schulungen oder Fortbildungen. Denn der ProbierLaden dient der digitalen Bildung – er soll Menschen zur digitalen Teilhabe befähigen und Berührungsängste abbauen.

Blick in den Seminarbereich
Einladend: Der Empfangs- und Seminarbereich des ProbierLadens in Jena.

Die Menschen im digitalen Wandel mitnehmen

Das Projekt ist Teil der Smart-City-Strategie der Stadt Jena. „Wir wollen die Menschen im digitalen Wandel mitnehmen – und zwar mit möglichst niedrigschwelligen Angeboten“, sagt Stefanie Teichmann, die das Handlungsfeld Bildung, Kultur und Soziales im Dezernat für Bildung, Jugend, Kultur und Sport  zusammen mit ihrem Kollegen Jan Wiescholek leitet.  „Wir wollten einen Ort schaffen, wo digitale Kompetenzen in der Bevölkerung gestärkt werden“, fügt er hinzu. Dieser sogenannte Ankerort entstand in Kooperation mit der Volkshochschule Jena.

Ankerorte des digitalen Wandels sind feste, teils auch temporäre oder mobile Orte, an denen digitale Stadt- und Regionalentwicklung erlebbar wird. Sie dienen der Information, Beteiligung und Befähigung und ermöglichen Bürgerinnen und Bürgern, die digitale Stadt mitzugestalten und Angebote zu nutzen. Zugleich vernetzen sie Bürger und Fachakteuren, um gemeinsam Impulse für den digitalen Wandel zu setzen.

Kostenfreie Beratungsangebote

„Der ProbierLaden richtet sich an Erwachsene mit wenig digitalen Kompetenzen, die Berührungsängste haben oder Digitalisierung vermeiden“, sagt Teichmann. Wer es nicht ins Stadtzentrum schafft, dem begegnet möglicherweise das ProbierMobil auf Rädern in anderen Stadtteilen oder bei Stadtteilfesten. In Zahlen sieht das so aus: 21 % der Besucherinnen und Besucher sind im Alter von 0 bis 65 Jahre und 79 % sind 66 Jahre und älter.

In der Basisstation sammeln Interessierte ihre Wünsche für Workshops auf farbigen Post-ist an einer Pinnwand. Hier ist zu lesen: „Handy-Grundkurs“, „Kurs über 3D-Druck“ oder „Apple-Kurs für mehrere Geräte“. Die Workshops entstehen aus den Bedürfnissen der Interessierten. Dabei sind die Einstiegskurse, die Beratung und die Informationsabende im Laden kostenfrei.

Ankerorte des digitalen Wandels

Orte wie den ProbierLaden in Jena untersuchte das Deutsche Institut für Urbanistik (difu) in der Studie „Stadtlabore, Makerspaces und Digitalwerkstätten – Mit Ankerorten des digitalen Wandels smarte Städte und Regionen gestalten“. Das Ziel dieser Lern- und Beteiligungsorte ist es, Digitalisierung vor Ort erlebbar zu machen und mitzugestalten. Denn Digitalisierung und Smart-City-Projekte betreffen den Alltag der Menschen, nicht nur die Verwaltung.

Dabei können Ankerorte unterschiedliche Schwerpunkte haben: von Beratung, Bürgerbeteiligung und Begegnung über Daseinsvorsorge bis zu Lernen, Co-Working oder Start-up-Förderung.

Fünf Typen von Ankerorten

Das Difu untersuchte über 50 solcher Orte aus den Modellprojekten Smart Cities. Die Studie soll Kommunen Orientierung geben: bei der Auswahl passender Schwerpunkte, bei realistischen Erwartungen und bei der Organisation von Ankerorten. Ziel ist es, Beteiligung und Mitwirkung an Smart Cities zu stärken. Dabei hat das Difu fünf verschiedene Typen von Ankerorten ausfindig gemacht:

Informations- und Beteiligungsorte für Digitales und Smart City

  • Das 42kaiserslautern 
  • Stadtkontakt mobil in Detmold 

Räume für digitale Bildung

  • ProbierLaden Jena  
  • Digitalzentrum (DiZ) im Amt Süderbrarup  

Technikwerkstätten und Makerspaces

  • MakerSpace Mayen-Koblenz  
  • Digital.Makerspace.Mobil in Kempten 

Kokreative Labore für Transformation

  • POTSDAM LAB  
  • Cross-Innovation-Lab in Regensburg   

Plattformen zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und der Stadtteilgeschichte

  • Buntspeicher in Zwönitz  
  • Jena Digital Innovation HUB (JEDI) 

Der ProbierLaden in Jena brummt jedenfalls, seit er im September 2024 eröffnet hat. Gleich am Anfang gab es „einen Run“ auf den Laden, berichtet Teichmann. Die hohen Besucherzahlen seien seitdem nicht abgerissen. Ziemlich schnell mussten sie das pädagogische Fachpersonal von drei auf vier Personen aufstocken, damit die Wartezeiten im Laden überschaubar bleiben. „Die Dauer einer individuellen Beratung beträgt durchschnittlich 30 Minuten“, erklärt Wiescholek den hohen Personalbedarf.

Die Themen im Laden haben sich seit der Eröffnung ebenfalls weiterentwickelt – das Team passt sie an die Bedürfnisse der Besucherinnen und Besucher an. Aktuell seien das Handling von Krankenkassen-Apps oder digitalen Arztterminen sehr gefragt; aber auch Updates von Betriebssystemen. Rund 3800 Menschen besuchten 2025 den ProbierLaden, nahmen an Informationsveranstaltungen und Workshops teil oder ließen sich individuell beraten. Das Beratungsangebot sei mit Abstand die meistgenutzte Dienstleistung, erzählen die beiden Verwaltungsmitarbeitenden.

Was passiert nach der Förderung?

Bis 2027 läuft die Förderung des Smart-City-Projektes durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und die KfW-Bank. Und danach? Die Antwort von Teichmann: „Wir haben unglaublich gutes Feedback erhalten. Der ProbierLaden wird sehr gut durch die Bevölkerung angenommen.“ Der Oberbürgermeister habe bereits handschriftliche Briefe und E-Mails von vor allem älteren Menschen erhalten, die sich wünschen, dass es weitergeht. „Wir sind aktuell dabei, die Verstetigung nach der Förderung vorzubereiten“.

Zur Studie mit Praxisbeispielen: „Stadtlabore, Makerspaces und Digitalwerkstätten - Mit Ankerorten des digitalen Wandels smarte Städte und Regionen gestalten“ (difu, 2025)

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