Künstliche Intellligenz
KI prüft Bauanträge im Bauamt in Thüringen
Noch immer landen Bauanträge überwiegend per Post auf den Schreibtischen der Bauämter. Im Landkreis Greiz sind das zwischen 800 und 900 pro Jahr. Diese stapeldicken Anträge zu bearbeiten und zu prüfen ist extrem aufwendig, da unzählige Dokumente wie Pläne und Gutachten mit eingereicht werden müssen. Im Landkreis Greiz und in Saalfeld-Rudolstadt soll hierfür künftig Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen.
Im Rahmen des Pilotprojektes „Automatisierte Entscheidungsunterstützung in kommunalen Baugenehmigungsverfahren“ soll ein KI-Tool prüfen, ob die Anträge vollständig und die eingetragenen Daten konsistent sind. Hierfür arbeiten das Thüringer Ministerium für Digitales und Infrastruktur (TMDI) und die Rulemapping Group mit den unteren Bauaufsichtsbehörden der Landkreise Greiz und Saalfeld-Rudolstadt zusammen. Voraussetzung für diese Prüfung ist, dass der Bauantrag digital vorliegt. Hierfür werden die Papiere zunächst digitalisiert – d. h. eingescannt und in ein PDF verwandelt.
Hundert Seiten Bauantrag werden automatisch sortiert
„Im Modul eins des Pilotprojektes wird dieses Gesamt-PDF mithilfe der KI aufgespalten und sinnvoll sortiert – nach Bauplänen, Statistikbögen oder dem Antrag selbst“, berichtet Jörg Reinhardt, der Leiter der Unteren Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Greiz. Zwischen zehn und hundert Seiten könne solch ein Bauantrag beinhalten, je nach dem, wie groß das Objekt sei. Früher, so Reinhardt, hätten das die Sachbearbeiter und Sachbearbeiterinnen händisch gemacht. „Das war zeitaufwendig“, sagt er.
Das Modul eins läuft derzeit in der Testphase und noch nicht im tatsächlichen Betrieb. In einem nächsten Schritt – dem Modul zwei – soll die KI prüfen, ob die eingereichten Unterlagen vollständig sind: Adresse, Name, Flurstück – alles eingetragen? Darüber hinaus soll die KI die Verfahrensart bestimmen. Handelt es sich um ein vereinfachtes Verfahren oder ein Genehmigungsfreistellungsverfahren? In der aktuellen Testphase klappt das schon ganz gut, „wenn auch mit noch einigen Fehlern", wie Reinhardt einräumt.
Fehlende Datensätze
Im Modul drei des Pilotprojektes soll mithilfe der KI schließlich die bauplanungsrechtliche Zulässigkeit geprüft werden. „Da gibt es allerdings noch ein paar Besonderheiten“, sagt der Leiter der Unteren Bauaufsichtsbehörde. Denn hinter dieser „bauplanungsrechtlichen Zulässigkeit“ verberge sich, ob an dieser Stelle gebaut werden darf oder nicht. Entscheidend sind hier die drei planungsrechtlichen Bereiche: der Innen-, Außen- und der geplante Bereich. „Hierfür gibt es jedoch keinen thüringenweiten Datensatz, auf den die KI zugreifen kann“, gibt Reinhardt zu Bedenken.
Was fehlt? Ein Geoinformationssystem, das die Landkreise dafür nutzen können. Das sei aber in Planung, laut Reinhardt. Bis dahin könne der Landkreis Greiz während der Testphase sein eigenes System nutzen, das die Daten von den Flurstückseigentümern jedoch nicht in Echtzeit liefert. Diesen planungsrechtlichen Teil durch die KI bestimmen zu lassen, bleibt aktuell noch eine Herausforderung, solange ein umfassendes Geoinformationssystem fehlt.
Vorteile der KI
Das Projekt läuft offiziell bis Juli. Reinhardt hofft auf Verlängerung, um es zu einem sinnvollen Abschluss zu bringen – und damit am Ende die Sachbearbeiter unterstützt werden können. „Unser klares Ziel ist die Arbeitszeiteinsparung. Standardisierte Routineaufgaben sollen künftig von KI übernommen werden, damit sich qualifizierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf anspruchsvollere Tätigkeiten konzentrieren können.“ Gleichzeitig könne KI helfen, den Fachkräftemangel abzufedern und Verwaltungsverfahren für die Bürgerinnen und Bürger zu beschleunigen.
Wann das Projekt in den realen Betrieb überführt werden könne, hängt auch davon ab, wann die OZG-EfA-Lösung für den digitalen Bauantrag im Landkreis Greiz angebunden wird. In Thüringen ist das bis 2027 geplant.
Digitale Bauanträge mit KI abzuwickeln, ist für Reinhardt definitiv zukunftsträchtig: „Die Teilnahme am Pilotprojekt war für uns selbstverständlich. Wir beschäftigen uns schon länger mit der Digitalisierung und wollten die Chance nutzen, KI aktiv in der Verwaltung zu erproben.“

