OZG-Leistungen beschleunigen
Roll-in-Teams – Lösung für schnellere Verwaltungsdigitalisierung?
Eine neue Initiative vom Bund sind sogenannte Roll-in-Teams, die als mobile Einsatzteams in den Kommunen unterstützen sollen. Zunächst sollen Hessen, Niedersachsen und Bayern als Pilotländer von dieser Maßnahme profitieren. Weiter Länder sollen folgen. Doch Moment – so neu ist diese Idee gar nicht.
Roll-in-Teams unterstützen Kommunen
Bereits 2023 hatte der IT-Planungsrat solche Teams im Kommunal-Pakt festgeschrieben. Drei Jahre später ist es nun soweit. Finanziert werden die Roll-in-Teams vom Bund. Er trägt die Kosten für die IT-Fachkräfte, die direkt in die Kommunen gehen, technische Schnittstellen anbinden und die Kommunen bei der Nutzung von Onlinediensten unterstützen.
Im Gegenzug verpflichten sich die beteiligten Bundesländer, die digitalen Bürgerdienste im Rahmen der EfA (Einer-für-Alle)-Dienste landesweit auszurollen. In Bayern werden die Roll-in-Teams von der BayKommun AöR koordiniert. Wir haben bei dem stellvertretenden Geschäftsführer Felix Appel nachgefragt, wie das Ganze ablaufen soll:
Wie ist der aktuelle Stand der Roll-in-Teams in Bayern?
Bayern befindet sich aktuell in der Überführung der Pilotierungsphase in den flächendeckenden Rollout. Ziel ist es, die im Rahmen der Nationalen Digitaloffensive priorisierten digitalen Verwaltungsleistungen möglichst strukturiert, standardisiert und in enger Abstimmung mit den Kommunen in die Fläche zu bringen.
Wie viele Kommunen werden aktuell begleitet und welche konkreten Ziele gibt es?
Zur Vorbereitung des Rolloutvorgehens sind in Bayern sechs Pilotkommunen eingebunden. Anhand dieser Pilotierungen haben wir zentrale Fragestellungen für den weiteren Rollout betrachtet, insbesondere technische Voraussetzungen, organisatorische Abläufe, Unterstützungsbedarfe und Kommunikationswege.
Die weitere Begleitung der Kommunen erfolgt nun schrittweise im Rahmen einer Wellenplanung. Dabei geht es nicht darum, jede Kommune isoliert zu betrachten, sondern vergleichbare Ausgangslagen zu bündeln und den Rollout möglichst effizient zu steuern.
Welche Aufgaben übernehmen die Roll-in-Teams?
Die Roll-in-Teams unterstützen die Kommunen bei der konkreten Umsetzung virtuell und auch vor Ort. Dazu gehören insbesondere die Klärung technischer Voraussetzungen, die Abstimmung mit Fachverfahren, die Begleitung der Anbindung, die Unterstützung bei organisatorischen Fragen sowie die Rückkopplung offener Punkte an die Projektsteuerung.
Bayern ist Spitzenreiter bei der Verwaltungsdigitalisierung. Wo sehen Sie trotz hoher Abdeckungsquoten den größten Unterstützungsbedarf?
Hohe Abdeckungsquoten in Dashboards zeigen zunächst, dass digitale Leistungen grundsätzlich verfügbar sind. Für die Kommunen ist aber entscheidend, ob eine Leistung vor Ort tatsächlich produktiv, nutzbar und organisatorisch sinnvoll eingebunden ist. Genau hier liegt häufig die eigentliche Arbeit.
Der größte Unterstützungsbedarf besteht aus unserer Sicht daher an der Schnittstelle zwischen Technik, Organisation und kommunaler Praxis: Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden? Wie wird eine Leistung bestellt? Wie erfolgt die Fachverfahrensanbindung? Wer ist intern zuständig? Wie werden Mitarbeitende informiert? Und wie wird die neue digitale Leistung gegenüber Bürgern kommuniziert?
Welche Herausforderungen gibt es für die Roll-in-Teams?
Die Herausforderungen sind selten rein technischer Natur. In der Praxis geht es meist um das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Technisch spielen insbesondere Schnittstellen zu Fachverfahren, bestehende Systemlandschaften und unterschiedliche Ausgangssituationen vor Ort eine wichtige Rolle. Organisatorisch geht es um Zuständigkeiten, interne Abläufe, Priorisierung und die Frage, wie eine neue digitale Leistung in den Alltag der Verwaltung integriert wird.
Was sind weitere Faktoren?
Hinzu kommen personelle und fachliche Ressourcen. Viele Kommunen arbeiten mit sehr begrenzten Kapazitäten. Digitalisierung läuft dort nicht nebenher, sondern konkurriert mit dem regulären Tagesgeschäft. Deshalb ist es wichtig, die Kommunen nicht nur mit Informationen zu versorgen, sondern sie konkret durch den Umsetzungsprozess zu begleiten.
Welchen Mehrwert bieten die Roll-in-Teams insbesondere für kleinere und ländliche Kommunen in Bayern?
Gerade kleinere und ländliche Kommunen profitieren von einem strukturierten Unterstützungsansatz. Sie verfügen häufig nicht über eigene große Digitalisierungs- oder Projektteams. Gleichzeitig müssen sie dieselben rechtlichen, technischen und organisatorischen Anforderungen erfüllen wie größere Städte.
Wie sieht die Unterstützung konkret aus?
Die Roll-in-Teams helfen hier konkret mit den Zielen Komplexität zu reduzieren, nächste Schritte klar zu strukturieren und Erfahrungen aus anderen Kommunen nutzbar zu machen.
Größere Städte haben oftmals mehr eigene Ressourcen, komplexere Systemlandschaften und spezifischere Anforderungen. Kleinere Gemeinden benötigen dagegen häufig stärker standardisierte Unterstützung, klare Ansprechpersonen und pragmatische Hilfestellungen. Genau diese „letzte Meile“ entscheidet darüber, ob digitale Verwaltungsleistungen nicht nur vorhanden sind, sondern tatsächlich in der Fläche ankommen.
Wie messen Sie den Erfolg der Roll-in-Teams?
Der Erfolg der Roll-in-Teams wird sich nicht allein daran messen lassen, ob eine digitale Leistung theoretisch verfügbar ist. Entscheidend ist, ob sie in den Kommunen produktiv genutzt werden kann und ob sie dort tatsächlich Entlastung schafft.
Relevante Kriterien sind aus unserer Sicht unter anderem die Zahl der angebundenen Verwaltungsträger, der Fortschritt bei den priorisierten Leistungen, die Dauer von der Bestellung bis zur produktiven Nutzung, die Zahl gelöster technischer und organisatorischer Klärungen sowie die Rückmeldungen der Kommunen zur praktischen Umsetzbarkeit.
Welche Ziele haben Sie bis Ende 2027?
Bis Ende 2027 geht es darum, aus der Pilotierung und dem initialen Rollout ein belastbares, wiederholbares Vorgehensmodell zu entwickeln. Bayern soll zeigen, wie digitale Verwaltungsleistungen nicht nur projektförmig eingeführt, sondern dauerhaft, strukturiert und flächendeckend in die kommunale Praxis gebracht werden können. Aus Sicht der BayKommun ist dabei besonders wichtig: Verwaltungsdigitalisierung gelingt nur gemeinsam mit den Kommunen. Die Roll-in-Teams können hierbei einen wichtigen Beitrag leisten, wenn sie nicht als reines Technikformat verstanden werden, sondern als praktische Unterstützung für die Umsetzung vor Ort.
Behörden-Digitmeter 2026