Badespaß
Pop-up-Becken rettet Freibad-Saison
Der Sommer ist da, die ersten Hitzewellen sind durchs Land gezogen und kaum ein Ort ist bei heißen Temperaturen beliebter als das örtliche Schwimmbad. Dabei sind die Freibäder für deutsche Städte und Gemeinden weit mehr als nur Orte zum Schwimmen. Als soziale Begegnungsstätten treffen dort Menschen aller Altersgruppen und sozialer Schichten aufeinander, zudem spielen die Bäder eine wichtige Rolle für die Gesundheitsförderung und die Schwimmausbildung von Kindern und sind nicht zuletzt wichtige weiche Standortfaktoren für die Kommunen. Wie haben uns in der Republik umgesehen und einige Bäder ausfindig gemacht, die mit ganz besonderen Konzepten überzeugen.
Besser ein mobiles Becken als kein Freibad - das Pop-up-Bad in Remagen
In Remagen in Rheinland-Pfalz wird das Freizeitbad noch bis 2028 saniert. Badefreunde müssen aber dennoch nicht auf eine Abkühlung verzichten, schließlich hat man in dem Ort ein Schwimmbad der besonderen Art als Alternative eingerichtet: So steht auf dem Gelände des bestehenden Freibads seit Kurzem ein mobiles Pop-up-Schwimmbecken mit Maßen von 25 mal 10 Metern, jeweils 30 Besucher können das Becken für eine Stunde nutzen. Damit es zu keinen Wartezeiten kommt, muss der Stundenslot vorab online gebucht werden; Liege- oder Freizeitflächen gibt es keine. Die Idee für das mobile Becken kam ursprünglich von der DLRG Remagen und wird vom Land Rheinland-Pfalz finanziell unterstützt. Neben den öffentlichen Schwimmzeiten gibt die DLRG in dem mobilen Becken Schwimmkurse und es findet das Schulschwimmen statt.

Aus Sicht des Bürgermeisters Björn Ingendahl ist das mobile Freibad eine gute Überbrückung, bis das große Freibad wieder in Betrieb genommen werden kann. So sagt er: „Ich freue mich sehr, dass es uns gemeinsam mit der DLRG Remagen gelungen ist, trotz der laufenden Sanierung des Freizeitbades eine Schwimmgelegenheit für die Bürgerinnen und Bürger bereitzustellen. Das Pop-up-Schwimmbecken ermöglicht es neben Schwimmkursen und Schwimmausbildung auch vielen Menschen, in den Sommermonaten in Remagen schwimmen zu gehen und aktiv zu bleiben.“
Ein Schwimmbad für Alle - das Inklusionsbad in Perlesreut
Auch wenn sich Bäder grundsätzlich an Menschen quer durch alle Generationen und Lebenswelten richten - für Menschen mit Beeinträchtigungen oder Behinderung ist die Nutzung oft nur schwer möglich. Wie es auch anders geht, ist in Perlesreut zu erleben. Das dortige Familien-Inklusionsbad hat sich unter dem Namen „Ilztalperle – Das Bad für Alle“ zum Ziel gesetzt, tatsächlich ein Ort zu sein, an dem Menschen gleich welchen Alters und gleich welcher Behinderung die Möglichkeit haben, „am öffentlichen Leben teilzunehmen und unbeschwert und barrierefrei ein paar Stunden in der Sonne und im kühlen Nass zu verbringen“. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wurde bei einer Sanierung und einem Neubau das gesamte Bad behindertengerecht erschlossen.
Der Badebereich wurde mit Ein- und Ausstiegs-Hilfen ausgestattet und das Nichtschwimmerbecken in ein Erlebnisbecken mit Strömungskanal und einem Ruhe- und Sitzbereich umgebaut, außerdem wurde das Becken barrierefrei über eine Rampe zugänglich gemacht. Auch die Toiletten- und Umkleideräume und der Theken- und Terrassenbereich wurden behindertengerecht gestaltet. Ein Leitsystem mit Markierungen am Boden dient sehbehinderten Menschen zur Orientierung im Bad, außerdem steht jedem, der nicht über die Treppenstufen zum Badebereich gelangen kann, im Außenbereich ein Aufzug zur Verfügung.

Getragen von den Bürgern selbst - das Elsebad in Schwerte
Mittlerweile über 30 Jahre ist es her, dass das Schwimmvergnügen in Schwerte in Nordrhein.-Westfalen vor dem Aus stand. Aufgrund mangelnder Finanzierbarkeit wurde das Elsebad von der Stadt damals geschlossen. Bald jedoch fanden sich etliche engagierte Bürger zusammen, die sich zum Verein zusammengeschlossen und das Bad in den Folgejahren gemeinsam wieder aufgebaut und dabei grundlegend erneuert haben. Bis heute wird das Bad komplett ehrenamtlich als Bürgerbad betrieben und von den Einwohnern Schwertes durch Mitarbeit und Spenden getragen. Um die Kosten zu decken, ist der Ort mittlerweile nicht mehr nur Schwimmbad, sondern auch ein Kulturzentrum. So finden dort Open-Air-Kinos und Konzerte statt und gestalten lokale Künstler das Gelände. Für die Kommune selbst war die Möglichkeit der Abgabe der Trägerschaft an den gemeinnützigen Verein ein Glücksfall, der sich nicht nur wirtschaftlich bewährt, sondern auch die Identifikation der Bürger mit ihrem Ort gestärkt hat.

Nachhaltiger und günstiger - das NaturErlebnisBad in Luthe
So beliebt und sinnvoll kommunale Bäder sind - ein massives Problem für Freibäder sind die explodierenden Energiekosten. Ein Weg, um hier gegenzusteuern, kann ein sogenanntes Naturbad sein, wie es zum Beispiel in Wunstorf-Luthe in Niedersachsen umgesetzt wurde. Das Besondere: Das Bad kommt komplett ohne Chemie aus, wodurch die Betriebskosten enorm gesenkt werden. Statt durch Chlor und andere chemische Substanzen wird die Wasserreinigung und -aufbereitung auf rein natürliche, biologisch-physikalische Art durchgeführt.

Dieser Prozess erfolgt durch einen Kiesfilter im Regenerationsteich und Wasserpflanzen, an deren Wurzeln Mikroorganismen anlagern, die dann die Wasserreinigung vornehmen. Das daraus am Ende hervorgehende „Reinwasser“ wird schließlich wieder den Schwimmbecken zugeführt und ist nicht zuletzt deutlich verträglicher für die Haut.



