Karlsruhe Sonne Hitzeschutzplan
Karlsruhe gehört zu den Städten, in sich auf Hitze gezielt vorbereiten wollen
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Extreme Temperaturen

Hitzeaktionsplan listet 64 Maßnahmen auf

Karlsruhe hat seit einem Jahr einem beschlossenen Hitzeaktionsplan. Er kann als Vorbild für andere Städte gelten. Das Handlungskonzept umfasst 64 konkrete Maßnahmen – vom Hitzetelefon über kühle Aufenthaltsräume bis hin zu Hitzepatenschaften für ältere Menschen.

Die Zahl der Hitzetage in Deutschland steigt – und damit auch der Druck auf Städte und Gemeinden, ihre Bevölkerung besser vor den gesundheitlichen Folgen extremer Temperaturen zu schützen. Immer mehr Kommunen entwickeln deshalb Hitzeaktionspläne. Karlsruhe gehört zu den Vorreitern: Die Stadt hat einen der bislang umfangreichsten Pläne vorgelegt. Eingeflossen sind dabei die Erfahrung französischer Städte wie Nancy, Strasbourg und Toulouse, die  bereits seit mehr als 20  Jahren den französischen Hitzeaktionsplan „Plan Canicule“ umsetzen, so die Stadtverwaltung.

Hitzeplan mit vielen Bausteinen

Der Karlsruher Hitzeaktionsplan sieht 64 Maßnahmen vor: für die Gesamtbevölkerung wie Sensibilisierung und die Bereitstellung von kühlen Räumen oder Trinkwasser im öffentlichen Raum und noch mehr für ausgewählte Risikogruppen, die besonders hitzegefährdet sind: Schwangere, Kleinkinder, Hochaltrige, chronische Kranke, Pflegebedürftige und Obdachlose. 

Hitzewarnungen schnell und automatisch verbreiten

Karlsruhe will alle an der Hitzevorsorge beteiligten Dienststellen an das Hitzewarnsystem des Deutschen Wetterdienstes anbinden. Sobald der DWD eine Warnung herausgibt, sollen die zuständigen Ämter automatisch informiert werden und ihre vorbereiteten Maßnahmen aktivieren. Gleichzeitig werden Bürger über die städtische Internetseite, die Karlsruhe.App und Pressemitteilungen informiert. Zusätzlich prüft die Stadt, ob künftig auch digitale Anzeigen an Straßenbahn-Haltestellen für Hitzewarnungen genutzt werden können. Ziel ist, möglichst viele Menschen frühzeitig zu erreichen.

Hitzetelefon über die Behördennummer 115

Eine Besonderheit des Karlsruher Plans ist das geplante Hitzetelefon. Während Hitzewarnungen sollen Bürger über die Behördennummer 115 Informationen erhalten, wie sie sich schützen können. Die Mitarbeitenden geben Verhaltenstipps und verweisen auf weitere Angebote wie das städtische Hitzeportal. Zusätzlich soll das automatische Sprachdialogsystem genutzt werden, um bereits vor dem Gespräch wichtige Hinweise zu geben.

Breite Informationskampagne statt einmaliger Warnungen

Die Stadt setzt nicht nur auf Warnmeldungen, sondern auf kontinuierliche Aufklärung. Vorgesehen sind Plakatkampagnen, Videoclips in Straßenbahnen, Pressemitteilungen, Social-Media-Beiträge, Radiosendungen sowie Informationen in Vereinszeitschriften und Apps. An besonders heißen Tagen sollen digitale Werbetafeln automatisch Verhaltenstipps anzeigen. Gleichzeitig wird das städtische Hitzeportal zum zentralen Informationsangebot ausgebaut.

Hitzeknigge und mehrsprachige Informationen

Karlsruhe entwickelt einen eigenen "Hitzeknigge", der auf einer Broschüre des Umweltbundesamtes basiert und um lokale Informationen ergänzt wird. Zusätzlich gibt es einen kompakten Hitzeflyer. Beide sollen in Bürgerbüros, Bibliotheken, Beratungsstellen und Gesundheitseinrichtungen ausliegen. Die Informationen werden schrittweise in mehreren Sprachen angeboten, damit auch Menschen mit geringen Deutschkenntnissen erreicht werden.

Stadtplan für heiße Tage

Der "Stadtplan für heiße Tage". Er zeigt schattige Aufenthaltsorte, Trinkbrunnen und weitere Möglichkeiten zur Abkühlung. Die Karte gibt es digital und gedruckt. Sie soll regelmäßig aktualisiert werden, sobald neue Trinkbrunnen oder weitere kühle Orte hinzukommen. Ergänzend werden gedruckte Karten in Bürgerbüros und anderen öffentlichen Einrichtungen verteilt. Den Plan gibt es auch in Leichter Sprache.

Kühle Routen und Hitzespaziergänge

Die Stadt möchte Wege entwickeln, die möglichst durch schattige Straßen und Grünanlagen führen. Diese "Kühlen Routen" sollen Menschen helfen, auch an heißen Tagen möglichst angenehm durch die Innenstadt zu gelangen. Ergänzend sind geführte Hitzespaziergänge geplant. Dabei werden kühle Orte, Trinkwasserbrunnen und weitere Angebote vorgestellt.

Öffentliche Gebäude als kühle Orte

Karlsruhe will systematisch erfassen, welche öffentlichen Gebäude auch im Sommer angenehm kühl bleiben. Bibliotheken, Museen, Kirchen und weitere Einrichtungen sollen als Rückzugsorte dienen. Während Hitzeperioden können Öffnungszeiten verlängert oder zusätzliche Räume geöffnet werden. Falls das Angebot nicht ausreicht, sieht der Plan ausdrücklich vor, neue Cooling Center einzurichten. Vorab soll ein Kriterienkatalog festlegen, welche Anforderungen solche Räume erfüllen müssen, etwa Barrierefreiheit oder gute Erreichbarkeit.

Städtische Gebäude hitzefest machen

Der Plan beschränkt sich nicht auf Sofortmaßnahmen. Für alle städtischen Gebäude soll ein Konzept zum sommerlichen Wärmeschutz entwickelt werden. Bei Sanierungen und Neubauten sollen Hitzeschutz und Aufenthaltsqualität künftig stärker berücksichtigt werden. Gleichzeitig sollen Beschäftigte und Nutzer städtischer Gebäude darüber informiert werden, wie sie Räume richtig verschatten und lüften können. Auch private Hauseigentümer erhalten Informationen, wie sie ihre Gebäude besser gegen Hitze schützen können.

Mehr Bäume und Schirme als Hitzeschutz

Karlsruhe setzt beim Hitzeschutz auch auf Baumpflanzungen, Sonnenschirme und Wasser im Außenbereich. Besonders Baumpflanzungen sollen Freiflächen besser verschatten. Allerdings macht der Plan deutlich, dass gerade hier Personal und Haushaltsmittel die Umsetzung begrenzen.

Trinkwasserbrunnen und Sonnenschutzmittel-Stationen

Neben Trinkwasserangeboten berücksichtigt der Plan auch scheinbar kleine, aber wichtige Angebote. Öffentliche Toiletten sollen leicht auffindbar sein, außerdem soll geprüft werden, wie Sonnenschutzmittel an öffentlichen Orten bereitgestellt werden können. Diese Maßnahmen richten sich vor allem an Menschen, die sich längere Zeit draußen aufhalten.

Trinkwasserspender Kind trinkt
Trinkwasserspender sind künftig in unseren Städten unerlässlich.

Verwaltung auf Hitze vorbereiten

Beschäftigte mit Bürgerkontakt – etwa in Bürgerbüros oder im Ordnungsdienst – sollen für hitzebedingte Gesundheitsrisiken sensibilisiert werden. Auch organisatorische Abläufe im Bürgerservice sollen angepasst werden. Außerdem sollen Erste-Hilfe-Schulungen künftig den Umgang mit hitzebedingten Erkrankungen stärker berücksichtigen.

Hitzeschutz bei Veranstaltungen

Großveranstaltungen der Stadt sollen künftig Hitzeschutzmaßnahmen einplanen – etwa ausreichende Trinkwasserversorgung, Schatten oder Informationen für Besucher. Auch private Veranstalter erhalten Hinweise, wie sie ihre Veranstaltungen hitzesicher organisieren könne

Gesundheitswesen einbeziehen

Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und andere Gesundheitsdienstleister sollen eigene Hitzeschutzpläne entwickeln beziehungsweise weiterentwickeln. Der Plan beschreibt auch organisatorische Maßnahmen, um die medizinische Versorgung während extremer Hitze sicherzustellen und besonders gefährdete Menschen besser zu schützen.

Besonders gefährdete Menschen im Blick

Fast die Hälfte des Hitzeaktionsplans widmet sich Menschen, die besonders unter hohen Temperaturen leiden.

Kitas und Schulen sollen organisatorische Maßnahmen für heiße Tage treffen, etwa Tagesabläufe anpassen, ausreichend Trinkmöglichkeiten schaffen und Beschäftigte sensibilisieren. Ergänzend werden Bildungsangebote und Informationskampagnen entwickelt. Außerdem plant Karlsruhe hitzeangepasste Spiel- und Lernorte im Freien.

Ein Schwerpunkt sind sogenannte Hitzepatenschaften. Sie sollen ältere Menschen während Hitzeperioden im Alltag unterstützen und sicherstellen, dass sie ausreichend trinken und Hilfe erhalten. Ergänzend sind Vorträge, Informationskampagnen und spezielle Bewegungsangebote vorgesehen.

Pflegebedürftige Menschen sollen sowohl zu Hause als auch in stationären Einrichtungen besser geschützt werden. Pflegeeinrichtungen werden beraten und bei der Entwicklung eigener Hitzeschutzkonzepte unterstützt.

Für wohnungslose Menschen sieht der Plan kühle Aufenthaltsorte, gezielte Informationsangebote und Unterstützungsmaßnahmen vor. Einrichtungen sollen ihre Angebote während Hitzeperioden anpassen und Betroffene aktiv ansprechen.

Menschen, die allein leben oder sozial isoliert sind, sollen gezielt erreicht werden. Der Plan setzt auf Nachbarschaftshilfe, Netzwerke und die Unterstützung durch soziale Einrichtungen, um zu verhindern, dass besonders gefährdete Personen während Hitzeperioden übersehen werden.

Zum Thema Hitze und Klimaanpassung hat die Stadt eine eigene Homepage geschaltet. Dort ist auch zu lesen, was bereits umgesetzt ist. 

Der Karlsruher Hitzeschutzplan als PDF:

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