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  3. Mit Kennzahlen den Energieverbrauch der Stadthalle steuern
Im Januar 2013 eingeweiht: Die neue Stadthalle in Reutlingen setzt Maßstäbe.
Gut geplant, effizient betrieben: die Stadthalle Reutlingen.
© Stadthalle Reutlingen GmbH

Gebäudemanagement

Mit Kennzahlen den Energieverbrauch der Stadthalle steuern

von Annette Lübbers
Reporterin
10. August 2026
Kennzahlen zeigen täglich, wo sich Energie sparen lässt. Damit senkt die Stadthalle Reutlingen Stromverbrauch, CO₂-Ausstoß und Kosten.

Die Stadthalle Reutlingen wurde nach festen Prinzipien geplant: Zunächst einmal sollte sie eine städtische Begegnungsstätte für alle sein: Stadtgesellschaft, Vereine, Kultur und Firmenveranstaltungen finden in der Statthalle genauso ein passendes Ambiente wie Kongressveranstalter. Das Programm bietet für alle etwas: Kunst und Kultur, Messe und Ausstellung, Musical, Konzert, Vortrag, Gala und Kindertheater. Das Team der Stadthalle Reutlingen GmbH, eine 100-prozentige Tochter der Stadt, ist stolz darauf, sich "vor allem im Businessbereich einen exzellenten Ruf als nachhaltige, innovative Eventlocation erarbeitet zu haben". Die Planungen für das neue Gebäude Stadthalle sahen von Anfang an vor: Flexibel in seinen Möglichkeiten sollte das Haus sein, nachhaltig im Bau und energieeffizient im Betrieb. Um Letzteres sicherzustellen, arbeitet das Team konsequent mit Kennzahlen.

Kennzahlen: das Energiemanagement

Manche Kennzahlen werde im Rahmen vorgegebener Wartungsintervalle überprüft, andere sogar täglich und in Echtzeit. Im Einzelnen: 

  • Ein Quelllüftungssystem sorgt für eine bedarfsgerechte Energieverwendung, gesteuert über die jeweilige Raumtemperatur und aktuellem CO₂-Gehalt der Innenraumluft, 
  • eine intelligente Gebäudeleittechnik (GLT) ermöglicht eine veranstaltungsbezogene Programmierung sämtlicher Energieverbraucher – für Bedarfsoptimierung sowie das Identifizieren eventueller ungewöhnlichen Verbrauchs, 
  • es gibt eine hauseigene E-Tankstelle 
  • und die Möglichkeit verschiedene Gewerke (bei Tageslicht) parallel umzurüsten, 
  • eine energieeffiziente, an Wirtschaftlichkeit ausgerichtete Technik: LED-Scheinwerfer im Großen Saal, Akkus in den Mikrofonen, energiesparende Bildschirme,
  • Bewegungsmelder und Zeitschaltuhren sorgen für eine bedarfsgerechte Nutzung, kein Stand-by-Betrieb von Thekenkühlungen, Info-Displays etc., 
  • die energieeffiziente Bauweise kühlt die außenliegenden Foyers im Sommer und isoliert im Winter. Nutzflächen wie Garderoben, Tagungsräume und VIP-Bereiche sind in das energetische Gesamtkonzept integriert, 
  • es finden regelmäßige Energie-Audits statt und 
  • der CO₂-Fußabdruck wird jährlich gemessen. Jede Möglichkeit zur Emissionsreduktion wird genutzt. Alle Veranstaltungen sind zu 100 Prozent CO₂-bilanziert. 

Das Team der Stadthalle Reutlingen
Das Team der Stadthalle Reutlingen

Klimaneutral und kosteneffizient - welche Faktoren helfen?

  • Eine konsequent ganzheitliche Herangehensweise,
  • viel Detailarbeit im Rahmen von (Energie-)Audits,
  • ein Team mit einem ausgeprägten Nachhaltigkeitsbewusstsein,
  • fest in der Unternehmensphilosophie verankerte Handlungsgrundsätze für einen ressourcenschonenden Hallenbetrieb,
  • eine akribische Umsetzung dieser Grundsätze - der Letzte im Raum macht stets das Licht aus, Kühlschränke werden in den Barbereichen außerhalb von Bedarfsphasen abgeschaltet etc.,
  • eine 100-prozentige Energieversorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien durch hauseigene Photovoltaikmodule in Kombination mit Wasserkraft-Strom,
  • die Fernwärme wird während der Sommermonate ausgeschaltet und Einsparpotentiale immer wieder neu eruiert.  

Emissionen senken und CO₂-Fußabdruck ausgleichen

Die Stadt arbeitet mit der gemeinnützigen GmbH "myclimate Deutschland" mit Sitz in Reutlingen zusammen. Die Nonprofit-Organisation ist darauf spezialisiert, CO₂-Emissionen zu berechnen. "Die Zusammenarbeit ist partnerschaftlich mit dem gemeinsamen Ziel, Lösungen für ein wirksames Engagement in Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu gestalten", heißt es aus dem Team der Stadthalle. "Unumgängliche Emissionen ermitteln wir jährlich für den kompletten Betrieb und gleichen unseren ökologischen Fußabdruck vollständig über myclimate aus."

Die Zahlen können sich sehen lassen: Nach Angaben des Betreiberteams zeigt das myclimate-Zertifikat von 2023 eine Reduzierung des CO₂-Ausstoßes gegenüber 2013 von 425 Tonnen auf 162 Tonnen im Jahr 2023. Verglichen mit 2019 konnten 2023 mehr als 170.000 kWh Strom eingespart werden - trotz höherer Veranstaltungsfrequenz. Außerdem, heißt es aus dem Betreiberteam: "Netto-Cashflow, Umsatzerlöse und Betriebsergebnis werden bei uns kontinuierlich überwacht und strategisch bestmöglich auch für die Zukunft gesichert. Im volatilen Umfeld aus Welt- wie Wirtschaftslage und vor dem Hintergrund stetig steigender Energie- und Dienstleistungskosten sind innovatives Denken und maßgeschneiderte, kundenorientierte Angebote unsere Mittel der Wahl für weitere, erfolgreiche Geschäftsjahre."   

Energiekosten im Jahr 2025 um über 30 Prozent gestiegen

Auch das Betreiberteam der Stadthalle Reutlingen klagt über die gewaltig gestiegene Energiekosten. Allein im vergangenen Jahr seien diese um mehr als 30 Prozent gestiegen.  Auch in den personalintensiven Dienstleistungsbereichen, etwa Technik, Sicherheit und Catering, führen steigende Kosten und die erneute Anhebung des Mindestlohns zu spürbaren Auswirkungen auf die Gesamtkalkulation. "Unser Ziel bleibt es, durch effizientes Energiemanagement und gezielte Maßnahmen zur Ressourcenschonung die Kostensteigerungen bestmöglich zu kontrollieren." 

Kennzahlen: Sie verraten viel mehr als ein Schneider-Maßband.

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Fotocredits: Stadthalle Reutlingen GmbH
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