Weihnachtsmärkte Sicherheit Umfrage
Hohe Sicherheitsmaßnahmen sind notwendig geworden, um Weihnachtsmarktbesucher zu schützen.
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Exklusiv

Weihnachtsmärkte unter Druck

Programme werden gekürzt, Standgebühren erhöht, die Ausgaben für Sicherheit belasten die Budgets. Eine aktuelle Befragung, die KOMMUNAL exklusiv vorliegt, zeigt, wie schwierig die Rahmenbedingungen für viele kommunal verantwortete Weihnachtsmärkte geworden sind – und wo Handlungsbedarf besteht.

Die Sommerfeste sind vorbei, die Vorbereitungen für die Weihnachtsmärkte laufen im Hintergrund bereits. Doch die Rahmenbedingungen werden immer schwieriger: Die Sicherheitsvorkehrungen müssen verstärkt werden, die Kosten steigen. Die Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland e.V (bcsd) hat Kommunen zu ihren Weihnachtsmärkten befragt und spannende Ergebnisse erhalten. KOMMUNAL liegen sie exklusiv vor.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Etwa 70 Prozent der Befragten mussten 2025 aus finanziellen Gründen Veränderungen an ihren Märkten vornehmen.
  • Lediglich 1,7 Prozent erwirtschafteten einen Gewinn
  • 44 Prozent kürzten beim Veranstaltungsprogramm.
  • 72 Prozent davon mussten ihr Programm wegen der GEMA-Gebühren kürzen.
  • 53,5 Prozent schätzen die GEMA-Gebühren als sehr hoch ein. 
  • 31 Prozent haben die Standgebühren erhöht.
  • Mehr als drei Viertel der kommunal organisierten Märkte benötigten einen finanziellen Zuschuss.
  • 59 Prozent beschreiben die Situation ihres Weihnachtsmarktes als tragfähig, aber zunehmend fragil.
  • 72 Prozent halten fest, dass Bund und Länder ihrer Verantwortung beim Thema Sicherheit nicht gerecht werden.
  • 74 Prozent rechnen ohne veränderte Rahmenbedingungen mit weniger Weihnachtsmärkten.

Grafik Weihnachtsmarkt

Die notwendigen gestiegenen Sicherheitsmaßnahmen erfordern einen hohen personellen und finanziellen Aufwand. Zufahrtssperren müssen errichtet werden, um die Weihnachtsmarktbesucher vor möglichen Anschlägen und Gewalttaten zu schützen. Im Jahr 2025 gaben die befragten Kommunen und Stadtmarketingorganisationen im Median 25 Prozent ihres gesamten Budgets für die Märkte für Sicherheitsvorkehrungen aus.

Dabei sind die zur Verfügung stehenden Mittel oft gering. 36,4 Prozent der befragten Märkte arbeiteten 2025 mit einem Budget von unter 50.000 Euro, weitere 38,1 Prozent mit 50.000 bis 199.999 Euro. Wo 50.000 Euro zur Verfügung stehen, werden  also 12.500 Euro allein für Sicherheit ausgegeben. Am häufigsten werden mobile Zufahrtssperren eingesetzt, gefolgt von neuen Sicherheitskonzepten und privaten Sicherheitsdiensten. Erst danach folgt der kommunale Ordnungsdienst, Videoüberwachung spielt in der Praxis kaum eine Rolle. Beim Überfahrtschutz setzen 54,3 Prozent auf zertifizierte Systeme, der Anteil steigt mit der Stadtgröße.

Kommunen werden Veranstaltungen streichen müssen

Die Belastung bleibt nicht auf den Advent beschränkt. Fast jede dritte befragte Stadt rechnet damit, auf das gesamte Jahr gesehen künftig Veranstaltungen streichen zu müssen, weil die Kosten für Sicherheitsmaßnahmen nicht mehr zu tragen seien: 8,6 Prozent stimmen dieser Aussage voll zu, weitere 20,5 Prozent eher. Im Ranking der größten Herausforderungen der Saison stehen die Kosten steigender Sicherheitsanforderungen mit 52,1 Prozent auf Platz eins, deutlich vor begrenzten finanziellen Ressourcen (26,5 Prozent) und der Abstimmung mit Sicherheits- und Ordnungsbehörden (17,4 Prozent). Steigende Energie- und Betriebskosten nennen nur 3,3 Prozent an erster Stelle, den vielerorts diskutierten Fachkräftemangel 0,8 Prozent.

Klare Zuständigkeiten, unklare Vorgaben

"Positiv fällt auf, dass es in den meisten Fällen keine Unklarheit bei den Zuständigkeiten für das Thema Sicherheit gibt", resümiert Karmen Strahonja, die Bundesvorsitzende der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing. 51 Prozent gaben an, dass die Zuständigkeiten klar geregelt seien, weitere 35,6 Prozent meinten: "Eher ja". 

bcsd-Geschäftsführer Jürgen Block betont: "73,5 Prozent der Befragten zeigten sich davon überzeugt, dass einheitlichere und klarere Sicherheitsvorgaben die Planung von Weihnachtsmärkten deutlich erleichtern würden."

Grafik Weihnachtsmarkt Sicherheit

Deutlich schärfer als über die Zuständigkeiten vor Ort urteilen die Städte über die übergeordneten Ebenen. 71,8 Prozent halten fest, dass Bund und Länder ihrer Verantwortung beim Thema Sicherheit bei Veranstaltungen nicht gerecht werden. Nur 7,7 Prozent sehen das anders. Die Auflagen setzen die Behörden, bezahlt werden sie überwiegend aus kommunalen Kassen.

Was die GEMA-Gebühren kosten

Wie groß der zweite Kostenblock ist, macht die bcsd an einem Rechenbeispiel deutlich, das sich an einer Stadt mit rund 100.000 Einwohnern orientiert und keinen real existierenden Markt beschreibt. Für eine Sondernutzungsfläche von 9.200 Quadratmetern fallen 1.313,47 Euro netto pro Tag an. Bei sechs Tagen mit Bühnenprogramm sind das 7.880,82 Euro, bei 26 Tagen 34.150,22 Euro netto, ohne Technik, Aufbauten und Honorare. Als finanzielle Entlastung empfanden diesen Tarif nur 26,2 Prozent der Befragten. 75,2 Prozent der Veranstalter geben an, sie würden mehr Live-Musik spielen, wenn sie sich die Gebühren leisten könnten. 6,8 Prozent verzichten inzwischen ganz auf Live-Musik, weitere 6,8 Prozent spielen nur noch gemafreie Stücke. Dies trifft vor allem die lokalen Akteure: Auf 94,5 Prozent der Märkte treten Bläsergruppen, Posaunenchöre oder Chöre auf, auf 75,2 Prozent lokale Profimusiker, auf 63,3 Prozent Musikschulen sowie Kinder- und Jugendgruppen.

Ohne Kommune kein Markt

Was auf dem Spiel steht, zeigt der Blick auf die kleinen Städte. In 72 Prozent der teilnehmenden Kleinstädte gäbe es ohne den kommunal verantworteten Markt überhaupt keinen Weihnachtsmarkt, bei den kleinen Mittelstädten trifft das auf 50,9 Prozent zu. Wo mehrere Märkte nebeneinander bestehen, sehen 77,1 Prozent darin keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung. Entsprechend ernst fällt die Prognose aus: 74,4 Prozent rechnen damit, dass es ohne veränderte Rahmenbedingungen in den kommenden Jahren weniger Weihnachtsmärkte geben wird. Trotz aller Anpassungen hat sich die Lage im vergangenen Jahr verschlechtert. 55,1 Prozent berichten von einem schlechteren finanziellen Gesamtergebnis als im Vorjahr, nur 10,2 Prozent von einem besseren.

Damit Weihnachtsmärkte Zukunft haben

Die Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland (bcsd) leitet aus den Ergebnissen vier Forderungen ab.

1. Kommunale Handlungsfähigkeit sichern

Eine auskömmliche und verlässliche Finanzierung der Kommunen sowie stabile organisatorische Strukturen im Stadtmarketing vor Ort sind Voraussetzung dafür, dass die notwendigen Gestaltungsspielräume erhalten bleiben.

2. Sicherheit gemeinsam verantworten

Gefahrenabwehr und Terrorprävention sind staatliche Aufgaben. Die damit verbundenen finanziellen und personellen Belastungen dürfen nicht auf Kommunen und Veranstalter verlagert werden. Bund und Länder müssen die Verantwortung und Kosten tragen.

3. Lokale Kultur durch faire Lizenzbedingungen fördern

Eine faire und verhältnismäßige Berechnungsgrundlage für Lizenzgebühren soll der tatsächlichen Musiknutzung und dem besonderen Charakter kommunaler Weihnachtsmärkte stärker Rechnung tragen.

4. Weihnachtsmärkte als Orte der Stadtgesellschaft erhalten

Weihnachtsmärkte schaffen Begegnung, geben lokalen Akteuren eine Bühne und tragen zu lebendigen Innenstädten bei. Ihr Wert bemisst sich nicht allein an Einnahmen und Ausgaben, sondern auch an ihrem Beitrag zu Begegnung, Identifikation und Kultur.

Weitere Informationen.

Die Ergebnisse der Befragung als PDF: