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  1. Praxis
  2. Warum Schafe die besseren Rasenmäher sind
Schaf
Für die Pflege von Wiesen sind Schafe die idealen Tiere. In Maintal zeigt sich, wie die Kommune von der Beauftragung eines Schäfers profitieren kann.
© 123rf.com

Wiesen

Warum Schafe die besseren Rasenmäher sind

von Dorothea Walchshäusl
Reporterin | KOMMUNAL
28. Juli 2026
Geringere Kosten, höhere Biodiversität und bessere Ökobilanz: Es spricht vieles für den Einsatz von Schafen anstelle von Rasenmähern zur Mahd kommunaler Flächen. Allerdings muss hierbei auch einiges beachtet werden, wie das Beispiel aus Maintal zeigt.

Die Natur ist in Maintal nicht weit. Rings um den Ort nahe Frankfurt erstrecken sich verschiedenste Streuobstwiesen und der Anblick der mal blühenden, mal üppig tragenden Bäume ist untrennbar mit der Stadt verknüpft. Damit diese Wiesen allerdings weiterhin derart vielfältig und fruchtbar den Ort bereichern, braucht es eine intensive Pflege, insbesondere des Unterwuchses. Seit mittlerweile vier Jahren arbeitet hierzu ein von der Stadt beauftragter Schäfer in Maintal, der die Wiesen mit seinen Schafen betreut. Aus Sicht der Kommune wie des Schäfers ist dieses Modell ein Erfolgskonzept - allerdings unter bestimmten Voraussetzungen.

Streuobstwiesen am Rande der Stadt

„Die Pflege der Wiesen ist in Maintal von jeher ein Thema“, sagt Freia Klinkert-Reuschling, die im Bereich Naturschutz- und Landschaftsplanung in Maintal arbeitet. Schließlich gäbe es direkt an die Wohngebiete angrenzend Hessens größte Streuobstwiesen, wobei vieler dieser Areale in Privatbesitz sind. Da die Wiesen allerdings Teil des Landschaftsschutzgebietes sind, trägt die Stadt die Verantwortung, die Wiesen zu erhalten. Für die Privatgrundstücke braucht es hierzu jeweils die Einverständniserklärung der Eigentümer. Entscheidend für die Pflege der Wiesen ist laut der Mitarbeiterin die Mahd. „Letztlich hängt alles davon ab, dass man den Unterwuchs gut pflegt. Es geht dabei darum, die Wiese vor der Verbuschung zu bewahren; erst wenn das gewährleistet ist, sind auch die Ernte und die Baumpflege, etwa der Schnitt und die Nachbepflanzung möglich“, so Klinkert-Reuschling.

Tiere deutlich besser als Maschinen

„Wie können wir möglichst kostengünstig und biodivers die Pflege der Flächen gewährleisten?“ - diese Frage stand laut Klinkert-Reuschling im Raum, als es in Maintal um die Betreuung der Streuobstwiesen ging. Das Problem: Wie in vielen Regionen gibt es auch in Maintal immer weniger Landwirte, zudem steigen die Kosten. Außerdem macht bei den Streuobstwiesen der Einsatz großer Mähmaschinen keinen Sinn, da ja um die Bäume herumgemäht werden muss. Darüber hinaus wäre die Pflege der kleinteiligen, unebenen Flächen für die Stadtgärtnerei extrem aufwendig. Im Gegensatz dazu sind Schafe perfekte tierische Rasenmäher. „Der Einsatz von Schafen hat ausschließlich Vorteile“, ist Klinkert-Reuschling überzeugt und die Tiere seien gerade deshalb besonders geeignet, weil sie den Kreislauf einer Wiese abbilden. „Die Schafe mähen grasend die Wiese und sorgen zudem für eine natürliche Düngung. Das ist eine reine Kreislaufwirtschaft“, so die Mitarbeiterin. Darüber hinaus sprechen noch einige weitere Dinge für den Einsatz von Schafen:

  • Förderung der Biodiversität und Insektenvielfalt: Sind Schafe auf einer Wiese unterwegs, halten sie die Gräser kurz und sorgen so dafür, dass auch im Herbst mehr Kräuter aufkommen können. In Folge gibt es auch mehr Insekten dort, während große Mähmaschinen und Mulcher für Insekten, Bienen, Eidechsen und Igel oft tödlich sind.
  • Vielfalt der Pflanzenarten: In der Wolle der Schafe und in ihrem Verdauungstrakt werden Pflanzensamen von Wiese zu Wiese getragen. Dadurch sorgen die Tiere auf natürliche Weise für die Wiederaufforstung seltener Wildblumen und Pflanzenarten und düngen zudem schonend den Boden.
  • Boden-Schonung: Während schwere Maschinen den Boden verdichten, was die Wasseraufnahmefähigkeit verschlechtert, hinterlassen Schafe durch ihren Tritt winzige offene Bodenstellen, in denen neue Samen perfekt keimen können.

David Myers
David Myers, Stadtschäfer in Maintal

Schäfer arbeitet als eigenständiger Landwirt

Nachdem die Wiesenflächen in Maintal zwischenzeitlich zu verbuschen drohten, hat die Stadt eine Anzeige geschaltet und gezielt nach einem Schäfer gesucht, der sich der Flächen annehmen möchte. Mit David Myers wurde die Kommune schließlich fündig. Myers ist eigenständiger Landwirt und bringt viel Erfahrung im Umgang mit Schafen mit. Von der Stadt bekam er eine Zusicherung von einer jährlichen Förderung über 20.000 Euro für einen Zeitraum von insgesamt fünf Jahren, seine Haupteinnahmen erhält er durch Subventionen und den Verkauf von Schafserzeugnissen. Seit mittlerweile vier Jahren ist Myers für Maintal im Einsatz und kümmert sich mit seinen Tieren als Stadtschäfer um die Streuobstwiesen. Circa 150 Quadratmeter grasen die Schafe in zwei Tagen ab. Damit Myers eine ausreichend große Fläche zur Verfügung hat, war es anfangs herausfordernd, ausreichend Privateigentümer zu finden, die ihre Wiesen zur Verfügung stellen, um ein lückenloses Netz an Flächen für die Beweidung zu haben. Mittlerweile aber ist das Areal groß genug und die Bewirtschaftung durch den Schäfer zahlt sich laut Klinkert-Reuschling für die Stadt voll aus und ist auch finanziell von Vorteil für Maintal. „Wenn ich nicht da wäre, müsste die Stadt selbst tätig werden. Das wäre deutlich teurer als die Förderung, die mir gezahlt wird“, sagt auch Myers selbst.

Schafe
Schafe am Rande der Stadt - ein vertrauter Anblick in Maintal

Voraussetzungen für erfolgreichen Einsatz von Schafen

In Maintal hat sich der Einsatz von Schafen für die Pflege der Streuobstwiesen bislang erfolgreich bewährt und sowohl Kommune als auch Schäfer sind zufrieden. „Aus Sicht eines Schäfers ist es durchaus interessant und auch lukrativ für eine Kommune zu arbeiten“, sagt Myers, während sich die Kommune laut Klinkert-Reuschling wiederum viel Arbeit und Geld spart durch die Beauftragung von Myers. Damit das reibungslos funktioniert, gilt es allerdings einige Punkte zu beachten:

  • Kontaktperson in Kommunalverwaltung: Für die Kommune ist es nicht damit getan, die Wiesenpflege an einen Schäfer auszulagern. Vielmehr braucht es laut Klinkert-Reuschling und Myers bei der Kommune „eine Person, die sich der Sache fachkundig und mit ausreichend zeitlichen Ressourcen annimmt und Ansprechpartnerin ist für den Schäfer bei allen Fragen und Problemen, die auftreten“. So gäbe es regelmäßig Anfragen oder auch Beschwerden von Bürgern, ganz praktische Herausforderungen wie die Besorgung von Wasser für die Tiere oder auch Abstimmungsprobleme mit den Eigentümern der Flächen.
  • Politik muss dahinterstehen: „Wenn die politische Führung keine Notwendigkeit sieht für den Einsatz der Schafe, kann man es von vornherein sein lassen“, sagt Myers. Schließlich braucht es für die Arbeit des Schäfers den klaren politischen Rückhalt und die Überzeugung in der Kommunalverwaltung, dass der Einsatz der Tiere Sinn macht und der Kommune einen großen Nutzen bringt.
  • Bürokratie nicht überhandnehmen lassen: Was den Einsatz des Schäfers jenseits der ganz praktischen Arbeit stark belastet, ist  die Abwicklung der bürokratischen Herausforderungen, etwa wenn es um die Akquise neuer Flächen und Abstimmungen mit dem Liegenschaftsamt oder datenschutzrechtliche Fragen geht. „Ich appelliere an jede Kommune, dass sie die Bürokratie hintenanstellt und die Kirche im Dorf lässt“, so Myers. Ansonsten stehe der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag der Arbeit als Schäfer.
  • Mit Herausforderungen rechnen: Weiden Schafe unweit von Menschen, muss auch mit Problemen gerechnet werden. Dazu zählen aus den Erfahrungen von Myers und Klinkert-Reuschling etwa Konflikte mit Hundebesitzern, deren Hunde jenseits der erlaubten Wege laufen, oder auch der Klau von Schafen. „Ich stehe in engem Kontakt zur örtlichen Polizei“, sagt Myers und regelmäßig gäbe es Anlässe für einen Einsatz.
  • Bürger aufklären und informieren: Die meisten Bürger in Maintal erfreuen sich laut Myers an der Anwesenheit der Tiere. Um Probleme und Missverständnisse zu vermeiden, brauche es allerdings eine gezielte Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit.

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