Der Bürgerverein in Mannheim bei einer Planbesprechung

Bürgerverein: Das Geld vor Ort halten

14. September 2016
In Mannheim hat sich eine Initiative gegründet, die privates Geld für Projekte in der Stadt einsammeln will. Ein Modell für viele Kommunen, erklärt Initiator Jens Flammann im KOMMUNAL-Gastbeitrag.

Dank des Engagements vom Bürgerverein konnten die Bauarbeiten auf dem Pfalzplatz in Mannheim beginnen

Deswegen war ich froh, als mir vor zwei Jahren zufällig die Trendsportart Calisthenics begegnete, die nicht nur in den USA und Osteuropa verbreitet ist, sondern auch auf YouTube und im sonstigen Internet: Nicht nur junge Leute turnen „gegen das eigene Körpergewicht“. Vorteile: Die Sportler trainieren gemeinsam; sie betreiben ihren Sport in der Öffentlichkeit und beleben damit Plätze; das Ganze ist mit recht überschaubaren Investitionen möglich. Damit kann ein Calisthenics-Park das Angebot von gemeinnützigen Vereinen und kommerziellen Fitnessstudios ergänzen, kann Kinder und Jugendliche von den Computern wegholen in den öffentlichen Raum und ihnen Lernmöglichkeiten weit über den eigentlichen Sport hinaus bieten.
Vor zwei Jahren haben wir als Bürgerverein gemeinsam mit zwei Dutzend Jugendlichen die Initiative für den Calisthenics-Park auf dem Lindenhöfer Pfalzplatz gegeben, der im Sommer eröffnet wurde.

Bürgerverein initiiert Spendenparlament

Das allein wäre nicht erwähnenswert, wenn nicht der Lindenhof einen Nachteil im Vergleich zu anderen Mannheimer Stadtteilen hätte: Es geht ihm so gut, dass öffentliche Mittel häufig anderswohin fließen. Deswegen war ein besonderer Joker, dass drei Spenderinnen sehr spontan finanzielle Unterstützung zusagten. Mehr noch: Ihr Interesse begleitet das Projekt der Jugendlichen und spornt sie damit an.
Was möglicherweise banal klingt, war der Startschuss für das Mannheimer Spendenparlament, das wir derzeit aufbauen. Ohne Anspruch auf Perfektion, setzen wir Erkenntnisse aus der Sozialpsychologie ein, um privates Geld für öffentliche Investitionen hervorzukitzeln. Wie sehen die einzelnen Bausteine dazu aus?

Jens Flammann, Diplom Ökonom und Lehrbeauftrager der Universität Mannheim ist Vorsitzender vom Bürgerverein in Mannheim, Initiator der Mannheimer VereinsWerkstatt und ehemaliger Bezirksbeirat in Mannheim-Lindenhof.

Der Finanzmarkt macht Menschen mit Geld derzeit wenig Freude: Geld anzulegen ist riskant und bringt geringe Renditen. Auf der anderen Seite wird immer mehr Privaten klarer, dass die Welt und auch ihre unmittelbare Nachbarschaft gefährdet ist, wenn sie nicht etwas dazu beitragen. Wichtig dabei: Wir sprechen nicht von dem einen Großunternehmen am Platze, das dauernd um Spenden angesprochen wird. Vielmehr geht es darum, dass auch Kleinvieh Mist machen kann: Wenn einige hundert Menschen jeweils einen dreistelligen Geldbetrag zusammentragen, kann dabei mehr herauskommen als ein fünfstelliger Geldbetrag.

Geld spenden - nutzen bringen

Die Idee des Spendenparlamentes ist keine Mannheimer Erfindung: Während im Süddeutschen die Bürgerstiftungen recht verbreitet sind, gibt es in der nördlichen Hälfte Deutschlands etliche Spendenparlamente – zum Teil schon so lange, dass die Engagierten in die Jahre gekommen sind und eine konzeptionelle Rundum-Erneuerung sinnvoll sein könnte.
Das Besondere an den Spendenparlamenten scheint mir nicht zu sein, dass die Menschen Geld zusammentragen, sondern dass sie sich damit auseinandersetzen, wo ihr Geld Nutzen stiften kann und genau dadurch „hautnah“ erleben, was ihr Geld bewegen und verändern kann.
Im Falle des Calisthenics-Park auf dem Mannheimer Pfalzplatz waren die drei Spenderinnen bei einer Sportaktion noch vor dem Bau des Parks dabei. Das vermittelte den überwiegend jungen Sportlern ein Gefühl von Verantwortlichkeit, weil sie die Geldgeberinnen nicht als Institutionen ohne Gesicht erlebten, sondern als Menschen aus Fleisch und Blut.
Spendenparlamente sind gleichzeitig eine Möglichkeit, dass Geld aus dem Stadtteil auch für Aufgaben im Stadtteil eingesetzt werden kann – und nicht erst über das Finanzamt und globale Umwege über Brüssel und Berlin wieder zurück nach vor Ort tröpfelt.

Bürgerverein hat noch weitere Ziele

Das Spendenparlament in Mannheim ist noch nicht fertig: Derzeit trommeln wir für die Idee, wollen Bürgerstiftung und Stadtverwaltung einbinden – ohne dabei Begeisterungsstürme zu ernten. Gute Resonanz ist hingegen bei bürgerschaftlichen Institutionen und auch bei vermögenden Privatleuten zu spüren, die verstehen, dass es um mehr geht als nur um Geld: um aufrichtiges Interesse an dem Mitmenschen.
Den aktuellen Stand des Projektes mit Hinweisen auf weitere Spendenparlamente im Land bekommen Sie auf www.Mannheimer-Spendenparlament.de

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