Der große Städte-Vergleich
Einkommens-Ranking Deutschland: Diese Städte sind überraschend reich – und diese besonders arm
Die amtlichen Regionaldaten reichen derzeit bis zum Jahr 2023. Für die erfassten kreisfreien Städte und vergleichbaren kommunalen Gebietseinheiten ergibt sich eine enorme Spannweite: von 40.646 Euro verfügbarem Einkommen je Einwohner in Heilbronn bis zu 20.138 Euro in Gelsenkirchen. Heilbronn kommt damit auf mehr als das Doppelte des Gelsenkirchener Wertes.
Die Top 5 im Einkommens-Ranking der deutschen Städte
- Heilbronn: 40.646 Euro verfügbares Einkommen je Einwohner
- München: 38.190 Euro
- Baden-Baden: 35.144 Euro
- Wiesbaden: 33.796 Euro
- Ulm: 32.974 Euro
Und am anderen Ende der Tabelle:
- Frankfurt (Oder): 22.456 Euro
- Bremerhaven: 21.951 Euro
- Herne: 21.927 Euro
- Duisburg: 21.102 Euro
- Gelsenkirchen: 20.138 Euro
Heilbronn schlägt München deutlich
Der Spitzenplatz von Heilbronn dürfte manchen überraschen. 40.646 Euro verfügbares Einkommen je Einwohner bedeuten rechnerisch rund 3.387 Euro pro Monat. München folgt mit 38.190 Euro – immerhin rund 2.450 Euro weniger im Jahr.
Das zeigt zugleich, warum ein Einkommens-Ranking nicht mit einer Rangliste der größten Wirtschaftsmetropolen verwechselt werden darf. Frankfurt am Main, Stuttgart oder Hamburg besitzen enorme Wirtschaftskraft, stehen beim verfügbaren Pro-Kopf-Einkommen aber nicht automatisch ganz oben.
In den privaten Haushalten spielen neben Erwerbseinkommen auch Vermögenseinkommen, Altersstruktur, Haushaltsstruktur und staatliche Transfers eine Rolle.
Baden-Württemberg ist an der Spitze besonders stark vertreten: Drei der ersten fünf Städte – Heilbronn, Baden-Baden und Ulm – liegen im Südwesten. Dazu kommen München und Wiesbaden. Der Süden und Südwesten bleiben damit beim nominal verfügbaren Einkommen die dominierende Wohlstandsregion.
Gelsenkirchen ist Schlusslicht – und der Westen dominiert auch ganz unten
Noch interessanter wird das Einkommens-Ranking am anderen Ende der Tabelle. Gelsenkirchen landet mit 20.138 Euro auf dem letzten Platz. Danach folgen Duisburg mit 21.102 Euro, Herne mit 21.927 Euro, Bremerhaven mit 21.951 Euro und Frankfurt an der Oder mit 22.456 Euro.
Damit liegen vier der fünf einkommensschwächsten Städte in Westdeutschland. Drei davon befinden sich mitten im Ruhrgebiet.
Das ist mehr als eine statistische Kuriosität. Jahrzehntelang wurde wirtschaftliche Schwäche in Deutschland beinahe automatisch mit Ostdeutschland verbunden. Doch der Strukturwandel hat gerade in Teilen des Ruhrgebiets tiefe Spuren hinterlassen. Frühere Industriezentren kämpfen bis heute mit Arbeitsplatzverlusten, vergleichsweise hoher Arbeitslosigkeit, geringeren Erwerbseinkommen und sozialen Belastungen.
Gelsenkirchen ist dafür das drastischste Beispiel. Zwischen Heilbronn und Gelsenkirchen liegen 20.508 Euro verfügbares Einkommen je Einwohner und Jahr – rechnerisch 1.709 Euro pro Monat.
Zwei deutsche Städte, zwei wirtschaftliche Welten.
Der angeblich „abgehängte Osten“ passt immer weniger zur Wirklichkeit
Genau hier steckt die vielleicht spannendste Botschaft der Zahlen: Die alte Deutschlandkarte „reicher Westen, armer Osten“ funktioniert immer schlechter.
Zwar liegen zahlreiche ostdeutsche Städte weiterhin unter dem Durchschnitt. Frankfurt an der Oder gehört sogar zu den fünf Schlusslichtern. Doch die unteren Plätze werden keineswegs von Ostdeutschland beherrscht.
Potsdam erreicht beispielsweise 27.311 Euro je Einwohner und liegt damit vor zahlreichen westdeutschen Städten. Jena kommt auf 25.960 Euro, Dresden auf 25.679 Euro, Erfurt auf 25.276 Euro. Dessau-Roßlau erreicht 25.214 Euro, Chemnitz 24.904 Euro. Berlin liegt mit 26.209 Euro ungefähr im Mittelfeld der erfassten Städte.
Auch die langfristige Entwicklung zeigt, wie stark sich das Bild verändert hat. In mehreren ostdeutschen Städten ist das verfügbare Einkommen seit der Jahrtausendwende erheblich gestiegen.
Kurz gesagt: Ostdeutschland ist beim Einkommen weiterhin nicht überall auf Westniveau. Aber „der Osten“ als einheitlicher wirtschaftlicher Problemraum ist eine Beschreibung aus dem politischen Archivschrank. Die Wirklichkeit ist längst kleinteiliger.
Die meisten Städte liegen zwischen 25.000 und 30.000 Euro
Auch die Verteilung des Einkommens ist aufschlussreich. Ein großer Teil der untersuchten Städte bewegt sich beim verfügbaren Einkommen je Einwohner zwischen 25.000 und 30.000 Euro im Jahr.
Nur vergleichsweise wenige Städte überschreiten die Marke von 30.000 Euro deutlich. Und nur Heilbronn durchbricht sogar die Schwelle von 40.000 Euro.
Das zeigt: Die Extreme sind spektakulär, der größte Teil Deutschlands liegt jedoch in einem relativ engen Mittelfeld.
Gleichzeitig darf der Städte-Durchschnitt nicht mit dem bundesweiten Durchschnitt verwechselt werden. Deutschlandweit fließen schließlich auch die Landkreise in die Berechnung ein. Gerade wohlhabende Umlandkreise können deutlich höhere Einkommen erreichen als manche große Stadt.
Einkommen ist nicht Kaufkraft: München zeigt das Problem
Ein wichtiger Haken bleibt. 38.190 Euro in München sind wirtschaftlich nicht dasselbe wie 38.190 Euro in einer günstigen ländlichen Region.
Der Grund sind vor allem die Wohnkosten. München gehört seit Jahren zu den teuersten Regionen Deutschlands. Hohe Einkommen werden dort zu einem erheblichen Teil durch Mieten, Immobilienpreise und andere Lebenshaltungskosten wieder aufgefressen.
Das verändert die Rangfolge erheblich, sobald nicht das nominale Einkommen, sondern die reale Kaufkraft betrachtet wird.
Eine Stadt kann auf dem Papier sehr wohlhabend aussehen und ihren Bürgern trotzdem vergleichsweise wenig finanziellen Spielraum lassen. Umgekehrt können Regionen mit niedrigeren Einkommen durch günstige Wohnkosten erheblich aufholen.
Für Kommunen ist das eine wichtige Unterscheidung: Ein hohes verfügbares Einkommen bedeutet nicht automatisch hohe Lebensqualität oder besonders großen finanziellen Spielraum der Bürger.
Das Ruhrgebiet wird zur eigentlichen Problemzone des Einkommens-Rankings
Wer die Einkommenskarte Deutschlands betrachtet, erkennt inzwischen weniger einen harten Ost-West-Gegensatz als mehrere regionale Problemräume.
Besonders auffällig ist das Ruhrgebiet.
Gelsenkirchen, Duisburg und Herne stehen ganz am Ende der Tabelle. Auch Oberhausen erreicht lediglich rund 23.100 Euro, Dortmund rund 24.200 Euro, Bochum knapp 24.900 Euro und Essen knapp 25.900 Euro verfügbares Einkommen je Einwohner.
Damit wird eine Entwicklung sichtbar, die in der politischen Debatte häufig untergeht: Wirtschaftliche Schwäche verläuft heute nicht entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze.
Sie verläuft zwischen prosperierenden und strukturschwachen Regionen – und manchmal liegen diese nur wenige Kilometer auseinander.
Gerade für Kommunalpolitiker ist das keine akademische Feinheit. Wo die Einkommen niedrig sind, treffen häufig geringere private Kaufkraft, höhere soziale Belastungen und schwächere kommunale Steuereinnahmen aufeinander. Gleichzeitig steigt dort der Investitionsbedarf.
Das ist die berühmte kommunale Zange – nur leider ohne Bedienungsanleitung.
Deutschlands Einkommenskarte hat sich verändert
Das Einkommens-Ranking erzählt deshalb gleich mehrere Geschichten.
Der wirtschaftlich starke Süden bleibt an der Spitze. Baden-Württemberg und Bayern stellen zahlreiche wohlhabende Städte. Gleichzeitig finden sich die auffälligsten Problemstädte heute nicht mehr automatisch im Osten, sondern vor allem in alten westdeutschen Industrieregionen.
Und auch innerhalb der großen Städte stimmt die einfache Gleichung „hohes Einkommen gleich hoher Wohlstand“ nicht. München ist auf dem Papier fast ganz oben – aber dort frisst das hohe Preisniveau einen erheblichen Teil des Einkommensvorsprungs wieder auf.
Umgekehrt können Regionen mit niedrigeren Einkommen durch günstigere Wohn- und Lebenshaltungskosten erheblich aufholen.
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis lautet deshalb: Deutschland lässt sich wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll in Ost und West teilen.
Die entscheidende Trennlinie verläuft zunehmend zwischen starken und schwachen Regionen, zwischen Städten mit Wachstumsperspektive und Kommunen, denen der Strukturwandel noch immer im Nacken sitzt.
Für die Kommunalpolitik ist das eine gute und eine schlechte Nachricht zugleich. Die gute: Herkunft und Himmelsrichtung entscheiden immer weniger über wirtschaftliche Chancen.
Die schlechte: Strukturprobleme verschwinden dadurch nicht.