Grillen in der Öffentlichkeit: Sollten Kommunen das erlauben?

Fröhliche Familien und ausgelassene Freunde am Abend, Müll, Beschwerden und Brandlöcher am nächsten Morgen. Das Grillen auf öffentlichen Plätzen ist für Kommunen ein zweischneidiges Schwert. Sollten Städte und Gemeinden das öffentliche Grillen verbieten oder gibt es bessere Lösungen?

Langsam wird es wieder warm, die Sonne scheint häufiger und abends länger. Da träumen viele von brutzelndem Fleisch oder Gemüse über glühenden Kohlen. Aber nicht jeder kann so einfach bei sich zu Hause grillen. Nachbarn, die sich von den Gerüchen oder dem Rauch gestört fühlen, fehlender Garten oder Balkon – viele Leute haben nur auf öffentlichen Plätzen die Möglichkeit zu grillen. Dafür weisen die Kommunen Grillplätze aus, auf denen das Grillen erlaubt ist. Hier ist im Sommer immer viel los. Familien und Freunde versammeln sich, um Sonne und Grillgut zu genießen.

Grillabende lassen öffentliche Plätze vermüllt zurück

Die Grillplätze machen eine Kommune familienfreundlich und geben ihr im Sommer belebte Zentren. Doch leider gibt es auch in jedem Jahr Ärger mit den Plätzen. Nach einem sonnigen Sommerabend zieren die Grillplätze am nächsten Morgen leere Holzkohletüten, Aluschalen und Bierdosen. Rasenflächen zeigen sich mit schwarzen Brandflecken an denen die fast überall verbotenen, aber dennoch beliebten Einweggrills am Vorabend standen. Dazu kommen Beschwerden von Bürgern, die sich von Lautstärke und Geruch gestört fühlen. Und nicht weniger ärgerlich ist so mancher Einzelfall: Bürger, die zu nah an Bäumen grillen und einen Brand auslösen oder Menschen, die sich an Bäumen und Büschen vergreifen, wenn sich ihre Holzkohle dem Ende zuneigt. Die Kommunen gehen sehr unterschiedlich mit diesen Problemen um. Die meisten Städte definieren auf welchen Grünflächen grillen erlaubt ist und auf welchen nicht. Doch schon bei den Bußgeldern sind die Unterschiede groß. In Hannover, Düsseldorf und Essen etwa müssen Wildgriller gar keine Bußgelder fürchten. Die teuerste Stadt ist Frankfurt am Main mit einem Bußgeld von 120 Euro. Bonn und Stuttgart liegen mit 50 Euro immernoch weit über dem deutschen Durchschnitt von 26,50 Euro. Während in Bremen und Leipzig gerade einmal fünf Euro an Bußgeld anfallen.

In Leverkusen war das Grillen zwischen 2008 und 2017 auf allen öffentlichen Plätzen verboten. Die Stadt hatte zuvor sehr schlechte Erfahrungen mit den Grillplätzen gemacht. Nicht nur, dass nach jedem sonnigen Abend ein Berg an Müll anfiel. Eine Grillstelle mit Grillhütte wurde jedes Mal kurz nach der Reparatur aufs Neue kaputt gemacht oder gar komplett abgebrannt. Trotz des stadtweiten Verbots grillen weiterhin viele Leverkusener auf öffentlichen Plätzen. Vielen ist das Verbot gar nicht bewusst. Deshalb werden die Grünflächen von einem privaten Sicherheitsdienst überwacht. Sie weisen die Grillfans zunächst nur auf das Verbot hin. Wenn Wildgriller der Aufforderung, den Grill zu löschen, nicht nachkommen, ruft der Sicherheitsdienst das Ordnungsamt und es wird ein Verwarngeld in Höhe von 25 Euro erhoben. Im letzten Jahr hat die Stadt sich jedoch zu einer Testphase entschieden, in der an drei Stellen auf dem Stadtgebiet wieder gegrillt werden durfte. Der Wunsch unter den Bürgern nach einem legalen Ort zum Grillen war in den letzten Jahren immer lauter geworden. Ob die Grillstellen auch in diesem Jahr wieder legal benutzbar sein werden, ist noch unklar.

Grillen in Münster überall erlaubt

Münster geht den genau umgekehrten Weg: Hier ist Grillen auf allen öffentlichen Grünflächen erlaubt. Statt das Grillen zu verbieten, versucht die Stadt ihr Angebot für die Müllentsorgung zu verbessern. Am Aasee, wo besonders gerne gegrillt wird, hat sie große Unterflurcontainer mit 1.000 Litern Fassungsvermögen installiert. Hier können auch glühende Kohlen entsorgt werden. Leider stellt die Stadt derzeit fest, dass der Müll auch dann auf dem Grillplatz liegt, wenn die Container erst halb voll sind. In Köln geht man deshalb offensiver auf die Brutzler zu. In der Domstadt fallen während der Grillsaison wöchentlich 20 Tonnen Müll auf insgesamt 30 Grünflächen an. Deshalb laufen bei gutem Wetter sogenannte Grillscouts über die Grillplätze und informieren über die Entsorgungspflichten und –möglichkeiten. Sie händigen auch sogenannte „After-Grill-Büggel“ aus, mit denen die Entsorgung von Grillresten, Pappgeschirr und Kohleverpackungen vereinfacht wird. Außerdem gibt es eine Website, die über das richtige Verhalten beim Grillen informiert.
Um den Müll zu minimieren überlegt die Stadt Düsseldorf Elektrogrills mit Münzeinwurf zu installieren. Das soll die Grillbegeisterten davon abhalten Einweggrills und Grillkohle zu benutzen. Die Idee wurde 2016 erstmals im Stadtrat besprochen, doch bisher gibt es keine Entscheidung. In Hamburg ist ein ähnliches Projekt wegen seiner Kosten in die Kritik geraten. Ein großer und moderner Elektrogrill war hier 2011 installiert worden. Nutzer zahlen für zehn Minuten Grillvergnügen einen Euro. Der Grill ist zwar gut angenommen worden, die Anschaffung war mit 38.000 Euro jedoch auch sehr teuer. Selbst die jährlichen Kosten von 4.000 Euro können durch die Gebühren für die Nutzung nicht wieder reingeholt werden. Der Grill, der eigentlich als Pilotprojekt für die Hamburger Grünflächen gedacht war, bleibt bis heute der einzige öffentliche Elektrogrill in Hamburg.

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