Lebendige Zentren
Wie Mehrgenerationenhäuser die Ortsmitte bereichern
Angebote für alle Generationen
Sind die Örtlichkeiten entsprechend gegeben, können in einem Mehrgenerationenhaus verschiedenste Aktionen angeboten werden, mit denen Bürger in den verschiedensten Lebenssituationen erreicht werden können. Angefangen bei Eltern-Kind-Kursen und Familienfrühstücken über Nachhilfestunden, Bewegungsgruppen und Tauschbörsen bis hin zu Seniorennachmittagen und digitalem Training für ältere Smartphone-Nutzer - es gibt kaum ein Angebot, das nicht im Ortszentrum denkbar ist. Dabei lohnt sich die Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden, Schulen, Pflegeeinrichtungen oder Vereinen vor Ort.
Soziale Beratung - Anlaufstelle Mehrgenerationshaus
Neben Orten für Aktivitäten und Austausch können Mehrgenerationenhäuser auch wichtige Anlaufstellen sein für die Vermittlung von Betreuungsangeboten, etwa durch Familienpaten, Seniorenbegleiter oder Integrationslotsen. Darüber hinaus findet in Mehrgenerationenhäusern häufig auch eine niedrigschwellige Beratung zu verschiedenen Lebensbereichen statt, zum Beispiel zu Behördenangelegenheiten und Pflege, zu Kindererziehung oder zur Wohnungssuche. In der Stadt Passau hat sich dieses Angebot sehr bewährt und wird gut nachgefragt.
Arbeitsmöglichkeit in Volzum
Mehrgenerationenhäuser sind nicht nur Orte für die Freizeit, sondern können auch als Arbeitsplatz dienen. Gerade für Selbstständige, Gründerinnen und Pendler, die nicht täglich den weiten Weg zur Arbeit auf sich nehmen wollen, sind Coworking-Plätze im Ort eine attraktive Alternative zum heimischen Schreibtisch. Eine derartige Nutzung findet unter anderem in Volzum im Landkreis Wolfenbüttel statt.
Mobilitätsstation in Schwabmünchen
Zentral im Ort gelegen, sind Mehrgenerationenhäuser auch eine ideale Ausgangsstation für den Verleih von Autos oder E-Bikes sowie für die Installation von hierfür notwendigen Ladestationen. Dies ist zum Beispiel in Schwabmünchen bei Augsburg der Fall.
Räumlichkeiten, Bürgerbeteiligung und Finanzierung
- Auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten für ein Mehrgenerationenhaus findet sich nicht selten eine Möglichkeit in bislang leerstehenden Gebäuden, zum Beispiel ehemaligen Gasthäusern, Schulen oder Pfarrheimen. Gelingt ein entsprechender Umbau, kann ein Mehrgenerationenhaus auch das Ortsbild und die soziale Infrastruktur stärken.
- Für die inhaltliche Gestaltung des Angebots macht es Sinn, von Anfang an gezielt die Bürger selbst miteinzubeziehen, etwa mittels Fragebögen, Workshops, Ideenwerkstätten oder Beteiligungsverfahren. Je mehr diese selbst gestalten können, umso größer ist die Akzeptanz im Ort.
- Um Mehrgenerationenhäuser zu finanzieren, gibt es verschiedene Fördermöglichkeiten, unter anderem über Programme wie Mehrgenerationenhaus (BMFSFJ), Dorfentwicklung, LEADER oder soziale Stadt. Diese greifen insbesondere dann, wenn die Etablierung eines solchen Hauses mit einer Neugestaltung oder Aktivierung der Ortsmitte einhergeht.

Ein Haus für alle in Schwebheim
Wie sehr ein Mehrgenerationenhaus das Leben im Ort bereichern kann, ist auch in Schwebheim zu erleben, einem 4.200-Einwohner starken Dorf nahe Schweinfurt. „Wir sind hier schon lange sehr gut aufgestellt, was das Engagement von Ehrenamtlichen anbelangt, und haben ein breites Angebot im Ort“, erzählt Bürgermeister Volker Karb. Einen richtigen Treffpunkt aber habe es lange Zeit über nicht gegeben, stattdessen konnte das kommunale Bürgerhaus von Vereinen oder Bürgern für einzelne Veranstaltungen gemietet werden. Als 2015 die Flüchtlingskrise hereinbrach, entstand in Schwebheim schnell ein aktiver Helferkreis, der mit der Diakonie kooperierte. „In dieser Zeit sind Kommune, Ehrenamt und Diakonie eng zusammengewachsen“, erzählt Karb, und so entwickelte sich in den folgenden Jahren die Idee, diese Verbindung zu verstetigen.

Offener Treffpunkt im Ort
Inspiriert von dem Bundesförderprogramm „Mehrgenerationenhäuser“, entstand in Schwebheim der Plan, einen offenen Treffpunkt im Ort zu schaffen, der als dauerhafte Einrichtung verschiedenste Angebote für die Bürger beherbergen kann. „Im Gemeinderat waren wir uns schnell einig, dass das eine gute Sache ist, die wir auf jeden Fall angehen wollen“, sagt Karb; als Träger war von Anfang an die Diakonie mit im Boot. Auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten für einen solchen Ort wurde schließlich das bereits existierende Bürgerhaus ausgewählt, von dem einige barrierefrei zugängliche Räume nun explizit für das Mehrgenerationenhaus reserviert wurden.

Miteinander von Diakonie, Ehrenamt und Kommune
Seit 2017 ist das Mehrgenerationenhaus in Schwebheim eine Institution, die sich laut Karb längst bei den Bürgern etabliert hat. Gefördert vom Bund, co-finanziert von der Gemeinde und getragen von der Diakonie, sind zu festen Zeiten Mitarbeiter als Ansprechpartner vor Ort und gibt es dort sowohl Angebote seitens der Diakonie als auch seitens verschiedener Ehrenamtlicher. „Für uns hat sich hier die Chance ergeben, dass die Dinge und Projekte, die bereits im Ehrenamt gelaufen sind, jetzt in strukturierte Hände geraten und noch besser koordiniert werden“, sagt Karb. Darüber hinaus sei das Mehrgenerationenhaus eine niedrigschwellige Anlaufstelle für die Bürger. „Die Tür steht hier offen und jeder kann reinkommen, sei es um Spiele zu spielen, einen Kaffee zu trinken oder sich beraten zu lassen“, so der Bürgermeister.
Gewinn für den Ort
Aus Sicht von Karb war die Schaffung des Mehrgenerationenhauses für Schwebheim ein klarer Gewinn. So gäbe es nun viele Angebote, die ohne diese Institution nicht entstanden wären und würde auch die Arbeit der Gemeinde entlastet. „Als kleine Verwaltung können wir gerade im sozialen Bereich nicht alles leisten. Da ist es sehr hilfreich, ein solches Haus vor Ort zu haben“, so Karb. Die Wege zwischen Kommune und Diakonie seien dabei denkbar kurz und man helfe sich gegenseitig und bespreche wichtige Themen. Dass sich im Mehrgenerationenhaus Hauptamtliche um die Koordination des Ehrenamts kümmern, hat sich nicht zuletzt auch in der Corona-Krise ausgezahlt. „Durch die professionelle Organisation konnte damals trotz aller Einschränkungen einiges aufrechterhalten werden und auch wenn jetzt bei manchen Angeboten einzelne federführende Personen ausfallen, versuchen die Mitarbeiter vom Mehrgenerationenhaus, jemand anderen zu finden“, so Karb.
Mehr zum Mehrgenerationenhaus Schwebheim findet man hier

