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Wie wird der Fuhrpark klimafreundlich?
Ist Elektromobilität die Zukunft des kommunalen Fuhrparks?
© Canetti/shutterstock

Wie wird der Fuhrpark klimafreundlich?

von Rebecca Piron
Stellvertretende Chefredakteurin | KOMMUNAL
3. September 2018
Das Gespenst der Fahrverbote geht um und die Kommunen müssen handeln. Das Bewusstsein mit gutem Beispiel vorangehen zu wollen – für saubere Luft und weniger Lärm – ist längst vorhanden. Trotzdem tun sich die Kommunen mit dem Umstieg auf klimafreundliche Mobilität weiterhin schwer.

Ereignisse wie der Abgasskandal von 2015 und die jüngst drohenden Fahrverbote haben die Dringlichkeit der Mobilitätswende deutlich erhöht. Alle Akteure müssen so schnell wie möglich auf klimafreundliche Alternativen umzusteigen. Und das betrifft in hohem Maße die Kommunen, die in ihren Fuhrparks stark auf Diesel gesetzt haben. Besonders wenn es um Nutzfahrzeuge wie Müllwagen, Kehrmaschinen oder Busse geht. Ein Großteil der Kommunen möchte als Vorbild für schadstoffarme Mobilität vorangehen. Doch wieso verändert sich dann das Bild im kommunalen Fuhrpark so langsam?

Auch der Fuhrpark ist vom deutschen Förderdschungel betroffen

Hauptgründe sind wohl ein schwer durchschaubarer Fördermitteldschungel, fehlende Alternativen im Bereich bestimmter Nutzfahrzeuge und eine löchrige Ladeinfrastruktur. Die Fördermittel sind nicht nur über verschiedene Förderrichtlinien und Ministerien, sondern auch über unterschiedliche politische Ebenen verteilt. Da gibt es das Geld aus dem Mobilitätsfonds, das teils über Förderrichtlinien des Bundesverkehrsministeriums, teils beim Bundesumweltministerium abgerufen werden kann. Da gibt es verschiedene Bundesprojekte, wie den „Masterplan 100% Klimaschutz“, der Modellkommunen fördert. Und da gibt es je nach Bundesland auch Förderprogramme von der Landesregierung. Jede Förderung hat ihre eigenen Regeln. Ob sich Kommunen überhaupt auf die Mittel bewerben können, wie die Chancen sind sie zu bekommen, wie die Bewerbungskriterien und –fristen aussehen und wie lange die Förderzeit läuft, unterscheidet sich stark und ist schwer zu überschauen.

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In Kempten im Allgäu – einer der Musterkommunen „Masterplan 100% Klimaschutz“ – gibt es deshalb mittlerweile zwei Klimaschutzmanager. Eine ihrer Hauptaufgaben, neben der Öffentlichkeitsarbeit, ist ein permanentes Monitoring der Förderprogramme, die im Bereich Klimaschutz eingerichtet werden. „Nur indem man alle Fördermittel mitnimmt, schafft man es als Kommune überhaupt den Fuhrpark auf E-Mobilität umzustellen“, sagt Nina Kriegisch, Klimaschutzmanagerin der Stadt. „In Kempten versuchen wir jedes Fahrzeug, das aus unserem Fuhrpark ausgemustert wird durch ein Elektrofahrzeug zu ersetzen.“ Bei den Pkw sei das bereits zur Routine geworden. Die Stadt verfügt mittlerweile über neun Elektroautos. Dazu kommt ein Kleinlaster, der für die Landschaftspflege auf dem städtischen Friedhof eingesetzt wird. Auch die Ladeinfrastruktur in Kempten ist verhältnismäßig gut. Es gibt sechs Ladesäulen, die die Stadt und das Allgäuer Überlandwerk kofinanziert haben und eine privat finanzierte.

Wir haben Schulungen mit den Mitarbeitern durchgeführt, um sie an die E-Autos zu gewöhnen und mittlerweile werden sie deutlich bevorzugt benutzt. Bei Dienstfahrten außerhalb der Stadt nehmen unsere Mitarbeiter allerdings keine E-Autos, da dort die Ladeinfrastruktur häufig noch nicht so ist, wie man es bräuchte.

Nina Kriegisch

Einen Großteil der Investitionen in die Elektrifizierung des Fuhrparks – 80.000 Euro – stammt dabei aus dem Geld des Förderprogramms „Masterplan 100% Klimaschutz“. Schwieriger als bei den Pkw fällt es Kempten dagegen die Nutzfahrzeuge umzurüsten. Der Kleinlaster auf dem Friedhof bleibt bisher das einzige E-Nutzfahrzeug in der Kommune. „Wir planen schon lange auch die Kehrmaschinen auf E-Mobilität umzurüsten“, erzählt Kriegisch. „Das ist jedoch noch mit erheblichen Mehrkosten verbunden und es gibt kaum Erfahrungswerte aus anderen Kommunen.“

Elektromobilität und Nutzfahrzeuge

Tatsächlich machen die Kommunen bei Nutzfahrzeugen erst langsam Erfahrungen mit E-Alternativen. Während Elektrobusse in einigen Kommunen, wie Salzgitter, Eberswalde oder auf Sylt, bereits erfolgreich fahren und E-Kehrmaschinen in wenigen Kommunen wie Lübeck langsam getestet werden, gibt es auch Nutzfahrzeugtypen mit denen es in Deutschland noch keinerlei Erfahrung gibt. So zum Beispiel bei Abfallentsorgungsfahrzeugen. Vereinzelt werden zwar Hybrid-Müllwagen eingesetzt, doch die Technologie scheint sich nicht durchsetzen zu wollen. In Krefeld zum Beispiel hat man die Flotte von drei Hybridmüllwagen schnell wieder auf einen reduziert.

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Der erste Test eines Müllwagens nur mit Elektromotor steht jedoch vor der Tür: In Hamburg wird Ende des Jahres in einem Pilotprojekt ein E-Müllwagen getestet. „Gegenwärtig emittiert jeder unserer 300 herkömmlichen Müllwagen rund 31.000 Kilogramm Kohlendioxid pro Jahr. Ein elektrisch angetriebenes Abfallentsorgungsfahrzeug mit Batterie, das eine komplette 8- oder 10-Stunden-Schicht durchhält, ist ein technologischer Durchbruch“, freut sich der Geschäftsführer der Stadtreinigung Hamburg, Rüdiger Siechau. „Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Stadtreinigung Hamburg klimaneutralen Strom erzeugt, der zum Laden der Batterien verwendet werden kann.“ Wenn der mehrmonatige Test positiv ausfällt, will die Stadt Fördermittel beantragen, um ihre Müllwagenflotte nach und nach auf die neue E-Alternative umzustellen. Ein weiterer Schritt auf dem noch langsamen Weg Richtung elektrifizierten kommunalen Fuhrparks.

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