Kita-Kind malt Regenbogen
Mit kreativen Ideen lässt sich die Pandemiezeit leichter durchstehen.
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Kinderbetreuung

Praxistipps für den Kita-Alltag in der Coronakrise

Schulen und Kitas sollen trotz verschärfter Corona-Situation offenbleiben. „Kitas sind keine Infektionsherde“, versicherten Familienministerin Giffey und Gesundheitsminister Spahn auf der Basis erster Studienergebnisse. Mit einem Leitfaden und Praxistipps für Kita-Träger und Fachkräfte soll der Regelbetrieb in der Pandemiezeit möglich sein.

Die Winterzeit rückt näher und auch die zweite Corona-Welle nimmt ein immer größeres Ausmaß an. Mit bundesweit steigenden Infektionszahlen wird auch das öffentliche Leben wieder zunehmend eingeschränkt. Bundesfamilienministerium und Gesundheitsministerium haben Praxistipps vorgelegt, mit denen der Regelbetrieb in Kitas aufrecht gehalten werden soll. Der Leitfaden „Kitas in Zeiten der Corona-Pandemie“ soll pädagogischen Fachkräften helfen, den Kita-Alltag zu gestalten. KOMMUNAL hat die wichtigsten Punkte des Leitfadens zusammengefasst.

Oberste Priorität haben Risikogruppen und Arbeitsschutz

An erster Stelle steht der Schutz von Erziehern und Kindern mit erhöhtem Risiko. Eine Liste, die die Risikogruppen identifiziert, wird vom Robert-Koch-Institut bereitgestellt. Trägern empfiehlt der Leitfaden, im Einzelfall mit ärztlicher Beratung zu entscheiden und dafür mit einem Betriebsarzt zusammenzuarbeiten. Auch schwangere Fachkräfte sollten sich hier individuell beraten lassen.

Dabei spielt der Raumgröße der Kita genauso eine Rolle wie die Möglichkeiten des Lüftens. Können keine individuellen Schutzmaßnahmen vom Träger der Einrichtung getroffen werden, kann auch ein vollständiges oder eingeschränktes Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden.

Sofern eine Person nicht am Arbeitsplatz erscheinen kann, kümmern sich Träger und Kita-Leitung darum, dass Risikogruppen nicht benachteiligt werden und halten den Kontakt aufrecht, um die Person dennoch angemessen in den Arbeitsalltag einzubeziehen.

So können Kitas die Hygieneregeln einhalten

Bezüglich der Hygiene gelten eigentlich die gleichen Regeln wie anderswo auch. Allerdings sind nicht alle Gebote, wie zum Beispiel das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes tauglich für den Kita-Alltag. Abstandsregeln und das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes gelten daher vor allem für Erwachsene, womit auch die Übertragung auf die Kinder verhindert werden soll. Wo es geht, sollte gelüftet werden.

Bring- und Abholzeiten könnten so geplant werden, dass Familien nicht gleichzeitig in der Umkleide sind. Abholzonen sind bestenfalls draußen an der frischen Luft und könnten wie auch Abstände farblich oder mit Band markiert werden. Darüber hinaus empfiehlt der Leitfaden auf folgende Reinigungstipps besonders zu achten:

  • Häufige Kontaktflächen und gruppenübergreifendes Spielzeug sollten öfter gereinigt werden.
  • Beim Wickeln sollten Einweghandschuhe getragen werden. Wickelauflagen sollten desinfiziert werden.
  • Bei Erbrochenem, Blut oder Einnässen sollten Einmaltücher mit Desinfektionsmittel verwendet werden. Bei Erbrochenem wird ein Mund-Nasen-Schutz empfohlen.
  • Bettzeug und Essgeschirr sollten möglichst nur von einem Kind genutzt werden. Bezüge sollten einmal die Woche bei 60 Grad gewaschen werden.
  • In den Wachsräumen sollten Flüssigseife und Einmalhandtücher oder personenbezogene Handtücher bereitstehen.

Für den Arbeitsalltag helfen kleinen Gruppen und klare Strukturen

Grundsätzlich gilt: Kleine Gruppen sind sinnvoll. Erzieher sollten dabei in ihrer jeweiligen Gruppe bleiben. Die Dokumentation, wer welche Gruppe wann betreut, kann im Infektionsfall hilfreich sein. Auch  Kinder mit längeren Betreuungszeiten am Nachmittag sollten getrennt betreut zu werden. Einige Bundesländer haben dazu ihre eigenen Vorgaben. Elterngespräche und Elternabende lassen sich per Videokonferenz organisieren.

Wie können Kitas die Raumsituation organisieren?

Für größere Kitas bietet es sich an, den Gruppen ihre eigenen Räume zuzuordnen. Für Funktionsräume sind Nutzungspläne sinnvoll. So könnten Essenszeiten zum Beispiel so gestaltet werden, dass sich die verschiedenen Gruppen nicht treffen. Die Gruppen könnten Räume wie auch Wasch- und Toilettenbereiche zum Hände- oder Zähneputzen zeitlich versetzt besuchen. In den Schlafräumen gilt es die Kinder bestmöglich zu verteilen.

Draußen spielt es sich in Pandemiezeiten besser

An der frischen Luft unter freiem Himmel spielt es sich nicht nur in Zeiten der Pandemie besser.  Aber der Infektionsschutz kann hier noch besser eingehalten werden. Es bietet sich also an, naturnahe Aktivitäten - im Wald und auf Wiesen - noch mehr einzuplanen als bisher.

Kitabildung in Corona-Zeiten - Lernmaterialen für den Infektionsschutz

In der Pandemiezeit geht die Gesundheitsförderung vor. Meistens ist diese in Kitas schon konzeptionell verankert. Die neuen Lebensumstände wirken sich aber auf das Leben der Kinder aus. Kitas sollten die neue Erfahrung mit den Kindern aufarbeiten, die individuelle psychosoziale Situation beachten und so einen kindergerechten Blick auf die Pandemie entwickeln.

So erhalten Fachkräfte den Bildungsort Kita

Unabhängig von der besonderen Zeit gilt es, den Bildungsort Kita zu erhalten. Spannende Beispiele aus dem gesamten Bundesgebiet zeigen, dass dies selbst im Fall von Schließzeiten möglich ist. So produzierten die Fachkräfte der Kita Mandala in Magdeburg Kurzvideos für unterschiedliche Altersgruppen zu Fingerspielen, Rezepten und Experimenten. Die Fachkräfte haben sogar ein Geo-Caching organisiert, für das sie an verschiedenen Orten Hinweise und Schätze versteckten, die Kinder und Familien zur Suche animierten.

In Rheinland-Pfalz hat die Kita Zauberwind in Hüffelsheim während des Lockdowns ihren Morgenkreis ins Digitale verschoben. Täglich immer zur gleichen Uhrzeit werden die Kinder einzeln begrüßt und anschließend wird gemeinsam eine Geschichte gehört. Mit einem abwechslungsreichen Programm haben die Fachkräfte den Kindern so eine gewisse Kontinuität erhalten.

Auch Hygieneregeln können kreativ vermittelt werden. Materialien und Informationen mit Hygiene-Tipps für Eltern und Fachkräfte gibt es vom Universitätsklinikum Bonn auf hygiene-tipps-fuer-kids.de oder auf der Seite www.kindergesundheit-info.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BfgA).

Was tun bei Symptomen?

Anhand von Symptomen ist die Corona-Infektion nicht unbedingt von anderen Krankheiten zu unterscheiden. Kinder zeigen zudem häufig gar keine oder nur milde Anzeichen. Nur anhand von Symptomen kann ein Infektionsfall also nicht bestimmt werden. „Eine Betreuung in der Kita oder Kindertagespflege ist entsprechend mit einem geringen Risiko verbunden“, erkennt der Leitfaden an.

Doch in Corona-Zeiten gilt mehr denn je: Kranke Kinder sollten sich zuhause auskurieren – auch zum Schutz von Fachkräften und anderen Kindern. Eltern sind daher ausdrücklich dazu aufgefordert ihr Kind zuhause zu betreuen.

Dafür müssten Eltern verstärkt für das erhöhte Risiko sensibilisiert werden. Auch wenn ein Schnupfen in der Herbst- und Winterzeit keine Seltenheit ist, in den ersten Krankheitstagen ist eine Betreuung zuhause zu bevorzugen.

So reagieren Kitas im Infektionsfall

Im Infektionsfall sollten sich Fachkräfte zuerst an die Kita-Leitung wenden und diese dann Kontakt mit dem Gesundheitsamt aufnehmen. Dieses übernimmt das Fallmanagement und entscheidet dann über das weitere Vorgehen.

Betroffene Kinder oder Erwachsene müssen umgehend und behutsam isoliert werden. Flächen und Räume, mit denen die Personen in Kontakt oder in denen sich die infizierte Person aufgehalten hat, müssen gereinigt und desinfiziert werden.

Ein Beispiel für gute Kommunikation bietet die Inklusive Kita Wabe Lauenburg: www.wabe.de

Kita-Teams können sich auf Kosten der Krankenkassen testen lassen

In einem Infektionsfall können sich Kita-Teams, Mitarbeitende und Kotaktpersonen auf Kosten der Gesetzlichen Krankenkassen testen lassen. Dafür müssen sie selbst keine Symptome aufweisen.

Viele von den Tipps und Anregungen werden schon jetzt von den Kitas umgesetzt. Inwieweit die Anregungen für den Kita-Alltag hilfreich sind, wird sich bei der Arbeit vor Ort entscheiden. So ist das Lüften zum Beispiel wichtig, was insbesondere in kalten Wintertagen in den jeweiligen Räumen aber schwierig werden dürfte.  

Den vollständigen Leitfaden „Kitas in Zeiten der Corona-Pandemie“ finden Sie hier.