Stadt-Visionen gegen die verödete Innenstadt

Do, 24.05.2018

Viele Städte im ländlichen Raum kämpfen mit denselben Problemen: verödete Innenstädte, zu wenig Freizeitangebote und die Abwanderung junger Menschen. Eine Stadt im Sauerland macht vor, wie bürgerschaftliches und unternehmerisches Engagement das „Wir-Gefühl“ stärken und langfristig die Lebensqualität für alle verbessern kann.

Text: Annette Lübbers
Ein Kieselstein kann eine Lawine ins Rollen bringen und eine Handvoll Luftballons können eine Stadt verändern. So geschehen in der märkischen Kreisstadt Lüdenscheid. Vor wenigen Jahren dekorierten Angestellte eines Confiserie-Fachgeschäfts ihren Laden in der Wilhelmstraße mit bunten Luftballons. Prompt hieß es aus dem städtischen Ordnungsamt: „Die Ballons müssen weg. Die entsprechen nicht der Gestaltungssatzung.“ Entrüstet über so viel Kleingeist übten andere Gewerbetreibende Solidarität: „Wir hängen jetzt alle Luftballons auf.“ Eine Art Gallier-Streich, über den Matthias Czech, Inhaber einer Werbeagentur, bis heute lacht. „Das bisschen Widerstand hat uns allen gut getan. Aber dabei wollten wir es nicht belassen. Letztendlich war die Luftballon-Aktion eine Art Startschuss für einen weitreichenden Umdenkprozess – auch bei der Stadt. Wir Gewerbetreibenden bekamen eine Einladung ins Rathaus, dem 50 von uns folgten.“

In Lüdenscheid hängt alles an der Innenstadt

Matthias Czech wurde in Lüdenscheid geboren. Genauso wie sein Mitstreiter Willi Denecke, Inhaber von „Denecke Consulting“ und Präsident des „Marketing-Club Südwestfalen e.V.“. Beide glauben, dass ihre Geburtsstadt im Kampf um Nachwuchskräfte und junge Familien eigentlich schon vieles richtig macht. Willi Denecke: „Das Freizeitangebot ist gut, die Schulen sind es ebenfalls. Aber die Innenstadt verödet zusehends und ohne das Sterncenter sähe es hier einkaufstechnisch eher düster aus.“ Und Matthias Czech ergänzt: „Das Vereinsleben ist klasse und auch im Bereich Kultureinrichtungen sind wir schon gut aufgestellt. Trotzdem hat uns diese Sitzung im Rathaus gezeigt: Wir müssen alle gemeinsam dafür kämpfen, dass unsere Stadt noch lebenswerter wird.“

Schon wenige Wochen nach dieser Sitzung gründen Matthias Czech und Willi Denecke die Initiative „Visionäre Lüdenscheid 2020.“ 43 Teilnehmer –Unternehmer aus den Bereichen Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleitungen – setzen sich an einen Tisch und sammeln Ideen, vorrangig für die Belebung der Innenstadt. Zwei Monate später sind es schon 70 Stadt-Visionäre, die sich in fünf verschiedenen Themengruppen Gedanken um ihre Stadt machen: Einkaufen & Dienstleistungen, Architektur & Wohnen, Veranstaltungen, Gastronomie und Kultur. Im Juni 2016 legen die Arbeitsgruppen Arbeitsweise und Strukturen fest. Am Ende stehen 70 Visionen der unterschiedlichsten Art: etwa die Errichtung eines Outdoor-Skateparks mit Skulpturengarten (Vision 1) , die Organisation eines Kulturfestes, die Entwicklung eines gastronomischen Kultproduktes als städtischen Markenzeichen, der Aufbau von Stadtmöbeln, die Etablierung einer Stadtteilolympiade oder ein Urban-Gardening-Konzept.

Welche Erfolge die Initiative "Visionäre Lüdenscheid 2020" bisher verzeichnet und wohin die Reise weitergehen soll, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von KOMMUNAL, die seit dieser Woche erhältlich ist.

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