Trinkwasser wird teurer
Wasserpreise explodieren - Was Kommunen jetzt tun können
Der Fall der enormen Steigerung beim Wasserpreis in dem hessischen Ort sorgte deutschlandweit für Schlagzeilen, trifft aber einen wunden Punkt vieler Kommunen: steigende Kosten, marode Infrastruktur, wachsender Investitionsbedarf. Und er wirft zentrale Fragen auf: In welcher Spanne bewegen sich Wasserpreise in Deutschland überhaupt? Welche Faktoren treiben sie? Und vor allem: Was können Kommunen konkret tun, um Preise stabil zu halten, Kosten zu senken und dennoch eine erstklassige Wasserqualität zu garantieren?
Wasserpreise zwischen „normal“ und „schmerzhaft“
In den meisten deutschen Städten und Gemeinden liegt der Preis für Trinkwasser derzeit zwischen etwa 2,20 Euro und 4 Euro pro Kubikmeter. Je nach Region, Netzstruktur und Abwassergebühren kann es auch etwas darüber liegen. Für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von rund 150 Kubikmetern ergeben sich damit Kosten von grob 330 bis 600 Euro im Jahr – in Extremfällen deutlich mehr.
Dass einzelne Kommunen deutlich darüber liegen, ist kein Zufall. Vor allem kleinere Gemeinden mit wenigen Anschlüssen müssen hohe Fixkosten auf vergleichsweise wenige Zahler umlegen. Während große Städte von Skaleneffekten profitieren, schlägt in ländlichen Regionen jede Investition deutlich stärker auf den Preis durch.
Warum Wasser teurer wird – die entscheidenden Kostentreiber
Wasserpreise entstehen nicht politisch aus dem Bauch heraus, sondern folgen einer strengen Kostenrechnung. Zu den wichtigsten Einflussfaktoren gehören:
Erstens die Rohwasserversorgung und Aufbereitung. Je nachdem, woher das Wasser stammt und welche Qualität es hat, sind unterschiedlich aufwendige Behandlungsverfahren nötig. Tiefbrunnen, Schutzgebiete und moderne Filtertechnik kosten Geld.
Zweitens die Infrastruktur. Alte Leitungsnetze, Pumpstationen, Hochbehälter und Armaturen verursachen hohe Unterhalts- und Erneuerungskosten. Viele Netze sind Jahrzehnte alt und sanierungsbedürftig.
Drittens die Energiekosten. Förderung, Aufbereitung und Druckhaltung benötigen Strom – steigende Energiepreise wirken sich direkt auf den Wasserpreis aus.
Viertens Demografie und Fläche. Schrumpfende Bevölkerungszahlen bei gleichbleibender Netzlänge treiben die Pro-Kopf-Kosten. Gleiches gilt für weitläufige Netze in Flächengemeinden.
Fünftens die Abwasserentsorgung. In vielen Kommunen werden Wasser- und Abwassergebühren gemeinsam betrachtet – hohe Kosten in der Kläranlage wirken sich unmittelbar auf die Gesamtbelastung der Bürger aus.
Kurz gesagt: Trinkwasser ist ein klassischer Kostenpreis. Gewinne sind nicht vorgesehen, Einsparungen müssen real erwirtschaftet werden.
Rechtlicher Rahmen: Viel Pflicht, wenig Spielraum
Bei der Berechnung der Wasserpreise sind Kommunen rechtlich eng gebunden. Zentrales Prinzip ist die Kostendeckung: Die Gebühren dürfen weder dauerhaft Überschüsse noch Defizite erzeugen. Ziel ist eine verursachungsgerechte Finanzierung der Wasserversorgung – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Preiserhöhungen müssen sachlich begründet, transparent kalkuliert und öffentlich beschlossen werden. Willkürliche Aufschläge sind ausgeschlossen. Gleichzeitig unterliegen kommunale Wasserversorger der kommunalen Rechtsaufsicht und – je nach Organisationsform – auch der kartellrechtlichen Preisaufsicht.
Für Kommunen bedeutet das: Spielräume für politische Schönfärberei gibt es kaum. Wer Investitionen verschleppt, zahlt später doppelt – entweder über abrupte Preissprünge oder über marode Netze.
Wie Kommunen Wasserpreise stabil halten können
Trotz begrenzter Spielräume gibt es wirksame Hebel, um Kosten zu dämpfen und Preise langfristig zu stabilisieren.
Ein zentraler Punkt ist Effizienz. Moderne Leckage-Erkennungssysteme helfen, Wasserverluste frühzeitig zu erkennen und Rohrbrüche zu vermeiden. Jeder vermiedene Kubikmeter Verlust senkt die Betriebskosten.
Ein weiterer Schlüssel liegt in der Digitalisierung. Intelligente Netzüberwachung, digitale Messsysteme und automatisierte Steuerungen ermöglichen einen effizienteren Betrieb. Smart Meter liefern präzisere Verbrauchsdaten, Prognosesysteme helfen, Fördermengen besser zu planen und Überkapazitäten zu vermeiden.
Auch beim Energieverbrauch steckt erhebliches Sparpotenzial. Durch optimierte Pumpzeiten, energieeffiziente Aggregate und Eigenstromerzeugung – etwa aus Klärgas – lassen sich laufende Kosten deutlich senken.
Nicht zuletzt spielen Kooperationen eine große Rolle. Interkommunale Zweckverbände, gemeinsame Wasserwerke oder regionale Versorgungsnetze ermöglichen Skaleneffekte und reduzieren den Investitionsdruck auf einzelne Gemeinden.
Investieren, aber mit Plan
Preisstabilität entsteht nicht durch Stillstand, sondern durch kluge Investitionen. Wer Sanierungen aufschiebt, riskiert teure Notmaßnahmen. Wer frühzeitig plant, kann Investitionen strecken, Fördermittel nutzen und Preissprünge vermeiden.
Wichtig ist dabei eine langfristige Investitionsstrategie, die Netzerneuerung, Technikmodernisierung und demografische Entwicklung gemeinsam betrachtet. Wasserwirtschaft ist kein Projekt für eine Wahlperiode – sondern für Jahrzehnte.
Wasserqualität: Nicht verhandelbar
Bei allen Preisdebatten gilt eine rote Linie: Die Qualität des Trinkwassers darf niemals leiden. Sauberes, sicheres Wasser ist eine zentrale Daseinsvorsorgeaufgabe.
Kommunen sichern hohe Qualität durch regelmäßige Kontrollen, konsequenten Schutz der Wassergewinnungsgebiete und moderne Aufbereitungstechnik. Auch neue Herausforderungen wie Medikamentenrückstände oder Mikroverunreinigungen erfordern Investitionen in innovative Filter- und Reinigungssysteme.
Wer hier spart, spart am falschen Ende – und verliert das Vertrauen der Bürger.

