Schulen
Schulsanierung: Wie sie im Schulbetrieb gelingt
Die Integrierte Gesamtschule Kreyenbrück in Oldenburg hatte es wirklich nötig: Die Grundsubstanz stammt aus den 1970er- Jahren, 1996 kam ein kleiner Anbau als "Querriegel" hinzu. Handlungsbedarf bestand bei der in die Jahre gekommenen Innenausstattung, bei großen Wärmeverlusten und baulichen Mängel. Inzwischen wurden die Gebäude innen neu hergerichtet und Dach und Fassade energetisch saniert. Investitionsvolumen: 5,6 Millionen Euro.
Schulbetrieb während umfangreicher Sanierung
Der Schulbetrieb lief weiter, weil die gröbsten Arbeiten in den Sommerferien erledigt wurden. Das ergab "einen enormen Zeitvorteil" bilanziert die Kommune. Die Architektin Carolin Ickert erläutert: "Die Anpassungsarbeiten mit vorgefertigten Holztafelelementen von innen erfolgten parallel beziehungsweise zeitversetzt zum Austausch der alten Fassade gegen die neue." Am Ende der Sommerferien konnten die meisten Klassen in ihre Räume zurückkehren. An Bauarbeiten blieben jeweils nur die Außenarbeiten an Sockel und Gelände sowie die Arbeiten an den sogenannten Lichthöfen.
Die Herausforderungen bei Schulsanierungen bei laufendem Betrieb
Die Fachfrau hat Antworten: "Eine solche Sanierung bedeutet einen enormen Stressfaktor für alle Beteiligten." Unter anderem weil
- zu jedem Zeitpunkt die Sicherheit aller Menschen, die das zu sanierende Gebäude nutzen, gewährleistet werden muss (zum Beispiel: Zugänge zu Absturzbereichen dürfen nicht vorhanden sein, auszubauende Materialien müssen dem Gesundheitsschutz entsprechend gelagert werden).
- Geräuschbelästigungen den Unterricht nicht stören dürfen
- Nutzungseinschränkungen der Räume allen Nutzenden große Flexibilität und Toleranz abfordert.
Um die Belastungen für alle Beteiligten zu reduzieren, wurde für die Sanierung der Schule eine Bauweise mit vorgefertigten Modulen gewählt. "Das war eine Art Gamechanger für die Schulsanierung, denn sie versprach uns neben der eingesparten Zeit für die gesamte Bauphase auch eine präzisere Fertigung und eine gute Qualität der unter Werkshallenbedingungen hergestellten Bauteile", unterstreicht die Architektin. Sie umschreibt aber auch weitere Herausforderungen:
- Der Planungsaufwand im Vorne herein war deutlich größer, weil zunächst die vorhandene Situation detailliert analysiert werden musste. Alle relevanten Bauteile des Bestandsgebäudes mussten nach Möglichkeit geöffnet und in der Detailplanung erfasst werden, um späteren Überraschungen vorzubeugen. Das bedeutet: Wände werden an einzelnen Stellen aufgestemmt, Verkleidungen werden entfern Denn vorgefertigte Elemente sind „fertig“ und lassen sich nicht mehr so leicht an unerwartete bauliche Gegebenheiten anpassen. Durch diese sehr umfangreiche Grundlagenermittlung und folgende Detailplanung konnten diese Herausforderungen gemeistert werden.
- Ebenso herausfordernd war es, dass der Abbruch der alten Fassade und das Aufbringen der neuen Fassade jeweils Zug um Zug an einem Tag erfolgen musste. Mittels eines ganz genauen Montage-Planes konnten r sukzessive alle vorgesehenen Fassaden innerhalb der Sommerferien ausgetauscht werden.
- Im Originalzustand hatte die Schule sehr große Fensterflächen, die man in Oldenburg auch erhalten wollte. Bei einer Sanierung mit vorgefertigten Bauteilen, erklärt die Architektin, sei dieser Erhaltung sehr herausfordernd gewesen. Bei einem weiteren Projekt dieser Art werde man in diesem Bereich wohl "Zugeständnisse" machen.

Von welchen Erfahrungen können Kommunen profitieren?
Auch wenn die vorgefertigte Außenfassade teuer ist als die Bauweise vor Ort, hat das die Zeitersparnis wettgemacht, so die Architektin. Bei den Lichthöfen könne man nicht vorgefertigt bauen. "Der Zeitvorteil ist unschlagbar und reduziert zudem die Kosten für Interimslösungen", so die Architektin. "Nichtsdestotrotz sollte bedacht werden, dass genug Zeit für die Verbindung der Fassadenelemente mit den inneren Teilen eingeplant wird und ebenso Zeit für die Sockelanschlüsse der Elemente."

Welche Schulsanierungen sind auf ähnlichen Wegen erfolgt?
Nicht nur in Oldenburg ist eine Schulsanierung weitgehend während des Schulbetriebs gelungen: Das Maria-von-Linden-Gymnasium in Calw ist ein weiteres Beispiel: Die Schule wurde zwischen saniert, während der Unterricht in großen Zeitabschnitten weiterlief. Nur zeitweise mussten die Schülerinnen und Schüler in Containern unterrichtet werden. Die Gebäudehülle wurde energetisch saniert und in eine moderne Haustechnik investiert.
In Ramstein-Miesenbach wurde das Nordpfalzgymnasium ebenfalls energetisch saniert und sogar zu einem Haus mit Passivhausstandard ausgebaut. Diese Schule bei der seriellen Sanierung kann mit gutem Beispiel vorangehen und dient als "Blaupause für die energetische Modernisierung der rund 47.000 Schulen in Deutschland".

