Sommerflatrate
Statt im Sommer zu pausieren, bietet die Volkshochschule in Filderstadt eine spezielle Sommerflatrate an.
© VHS Filderstadt

Erwachsenenbildung

So stärken Kommunen die Volkshochschulen

Eine Kommunalverwaltung organisiert 95 Prozent ihrer eigenen Fortbildungen durch die VHS. Filderstadt zeigt sich ideenreich. Auch im Sommer macht die Volkshochschule dort keine Pause. Im Gegenteil.

Ob als Anbieter von Sprachkursen, Sportstunden oder Kulturveranstaltungen - Volkshochschulen sind ein zentraler Ort der Erwachsenenbildung in Deutschland. Das Besondere daran: Unabhängig von Einkommen, Alter oder Herkunft ermöglichen sie allen Menschen einen barrierefreien Zugang zu lebenslangem Lernen. Damit sind sie nicht nur Bildungseinrichtungen, sondern Institutionen, die den sozialen Zusammenhalt fördern. Angesichts der Abhängigkeit von öffentlichen Förderungen und der angespannten Haushaltslage in vielen Kommunen ist ihre Existenz jedoch bedroht. Wie die Volkshochschulen dennoch gestärkt werden können, ist in der Kommune Filderstadt zu erleben.

Volkshochschule fest in kommunaler Struktur verankert

In Filderstadt ist die Volkshochschule in kommunaler Trägerschaft und eine von mehreren Abteilungen des Amts für Kunst und Kultur. „Die VHS ist bei uns sehr eng eingebunden in die kommunalen Strukturen. Das bietet große Vorteile“, sagt Claudia Vöhl, die Leiterin des Amts für Kunst und Kultur. So könnte die VHS die verschiedenen Dienstleistungen der Stadt nutzen, von der Presseabteilung über das Personalamt bis hin zum Bauamt und zur Kämmerei. „Das spart enorme Kosten und führt dazu, dass wir sehr kurze Kommunikationswege haben untereinander“, bestätigt auch Alexandra Kohlberger-Bauer, die Leiterin der VHS.

Vöhl
Claudia Vöhl, Leiterin des Amts für Kunst und Kultur in Filderstadt

Angespannte finanzielle Situation

Wie in vielen anderen Kommunen ist das kommunale Budget in Filderstadt stark belastet. „Auch wir haben eine äußerst angespannte Haushaltssituation“, sagt Vöhl. 2024 lag der städtische Zuschuss für die Volkshochschule bei 39 Prozent; 61 Prozent wurden über Bund- und Ländermittel und Gebühren finanziert. Gleichzeitig aber würden die Ausgaben kontinuierlich steigen, nicht zuletzt durch die Tariferhöhungen, und befände sich die Kommune gerade mitten in einer Haushaltskonsolisierung. „Die VHS wird davon nicht unbetroffen sein“, stellt die Abteilungsleiterin fest, gleichzeitig aber seien sich alle einig, dass das Angebot darunter nicht leiden dürfe. Der wichtigste Ansatz, um hier gegenzusteuern, ist die Akquise von Drittmitteln. Auch hier bewährt sich die enge Verzahnung innerhalb der Stadt. So sagt Kohlberger-Bauer: „Es gibt viele Ausschreibungen, die ein Tandem voraussetzen. Wir müssen hier nicht lange suchen. Für uns ist es sehr leicht, einen Partner zu finden, weil wir hier in der Stadt so gut miteinander vernetzt sind“.

Fortbildungsangebote für kommunale Mitarbeiter

Auch die Kommune profitiert davon, dass die VHS Teil der Verwaltung ist. So werden 95 Prozent aller Fortbildungen für die Belegschaft durch die VHS organisiert. „Wir können die Angebote passgenau zuschneiden und deutlich günstiger anbieten, als wenn man das extern einkaufen würde“, sagt Kohlberger-Bauer.

Ständige Ausweitung des Programms

Ein Grund für den Erfolg der VHS in Filderstadt liegt auch in der ständigen Anpassung und Ausweitung des angebotenen Programms. „Es ist sehr wichtig, das Bildungsprogramm auf breite Beine zu stellen“, sagt Kohlberger-Bauer und das Portfolio der VHS hätte sich in den vergangenen Jahren extrem entwickelt und erweitert. „Einerseits bieten wir natürlich ein klassisches VHS-Programm an, aber es gibt viele Bereiche, die darüber hinaus gehen“, so die VHS-Leiterin. Hierzu zählen diverse Online-Angebote, Lerntreffs und unterschiedlichste Formen von Integrationskursen ebenso wie etwa die spezielle Einrichtung einer „Ehrenamts-Akademie“. Auf Beschluss vom Gemeinderat hin wurden hierfür 10.000 Euro zur Verfügung gestellt mit dem Ziel, den Ehrenamtlichen der Stadt ein unterstützendes und kostenfreies Angebot zu bieten. „Das ist natürlich erstmal eine Investition, aber es zahlt sich langfristig aus, damit die Engagierten der Stadt erhalten bleiben“, so Vöhl. Kreativität hat man in Filderstadt auch bewiesen, wenn es um die Umdeutung der eigentlichen Sommerpause geht. So wurde hier eine „Sommer-Flatrate“ entwickelt, bei der Erwachsene für einmalig 40 Euro im August verschiedene Kurse besuchen können. „Das war ein Riesenerfolg und werden wir sicher wiederholen in diesem Jahr“, so Vöhl.

Wichtige Rolle für Demokratiebildung

„Die Kommunen müssen sich fragen: Was würde passieren, wenn es die Volkshochschulen nicht mehr gibt?“, sagt Kohlberger-Bauer. Aus ihrer Sicht wäre das mit erheblichen Folgen verbunden. Obwohl die VHS nach wie vor den „Stempel der Freiwilligenleistung“ hätten, würden sie in ihrer Kernarbeit einen wichtigen Teil der politischen Bildung übernehmen. „Wir sind extrem wichtig für die Stadtgesellschaft, fördern Integration, Begegnung und Bildung und können viel mehr leisten, als das, was im Heftprogramm steht“, so Kohlberger-Bauer.

So können die Volkshochschulen gestärkt werden

In Filderstadt hat man in den vergangenen Jahren viele Erfahrungen gesammelt, wie die Arbeit der Volkshochschule gestärkt werden kann - sowohl durch die Kommune als auch durch das aktive Engagement der Volkshochschule selbst. Worauf es ankommt:

  • Vernetzen und ins Gespräch gehen: Das A und O ist aus der Erfahrung von Kohlberger-Bauer die Vernetzung vor Ort und die Zusammenarbeit mit allen möglichen kommunalen Partnern. „Es lohnt sich extrem, alle an einen Tisch zusammenzuholen und Synergieeffekte auszuloten“, weiß die VHS-Leiterin. So würden nicht nur kreative Ideen für gemeinsame Projekte entstehen, sondern könnten auch deutlich die Kosten gesenkt werden.
  • Die Bedeutung der Volkshochschulen betonen: „Es geht bei uns um weit mehr, als darum, einfach nur einen schönen Abend zu verbringen“, sagt Vöhl. Die Volkshochschulen seien echte Bildungseinrichtungen und Bildung sei nichts weniger als der Kern der Gesellschaft. Das sei nicht zu unterschätzen und eben diese Rolle müsse besonders betont werden, wenn es um die Außenwirkung geht.
  • Klare politische Bekenntnis zur Volkshochschule: In Filderstadt ist man sich laut Vöhl fraktionsübergreifend einig: „Bildung und Kultur gehören zur Daseinsvorsorge“. Dieses politische Bekenntnis sei eine wichtige Grundlage für die Arbeit der Volkshochschule und trage dazu bei, dass die kommunalen Förderungen als essenziell betrachtet werden, auch wenn die Haushaltslage angespannt ist. „Den politischen Entscheidungsträgern bei uns ist klar: Das Geld, das hier investiert wird, zahlt sich aus“, so Vöhl.
  • Politische Entscheidungsträger informieren: Damit die Verantwortlichen den Wert der Volkshochschule erkennen, ist es wichtig, dass sie eine detaillierte Vorstellung von der vielfältigen Arbeit dort bekommen. „Wir informieren den Gemeinderat regelmäßig über die Projekte und Angebote bei uns, dadurch wissen sie, wie wichtig unsere Arbeit ist für die Stadt“, so Kohlberger-Bauer.
  • Leistungsfähigkeit der VHS nutzen: Die Fähigkeiten der Volkshochschule gehen weit über das klassische Kursprogramm hinaus und es ist für die Kommune eine große Chance, eine VHS als versierte und anpassungsfähige Bildungseinrichtung vor Ort zu haben. „Die Kommune kann die VHS für sich nutzen und auch in Bereiche einbinden, an die man vielleicht nicht sofort denkt, wenn man VHS hört“, sagt Kohlberger-Bauer. Das könnten verschiedenste Fortbildungen für Mitarbeiter ebenso sein wie Erste-Hilfe-Kurse, Ehrenamtsschulungen oder Rechtsberatungen.
  • Flexibel bleiben: Ganz gleich ob angesichts der angespannten Haushaltslage, räumlicher Einschränkungen oder sich wandelnder Bedürfnisse der Bevölkerung - mit das Wichtigste ist es aus Erfahrung von Vöhl und Kohlberger-Bauer, nicht in starren Denkmustern zu verharren, sondern flexibel zu bleiben und kreativ auf die jeweiligen Anforderungen zu reagieren. So hat man in Filderstadt etwa seit der Corona-Pandemie ein umfangreiches Online-Angebot ausgebaut, zudem decken die Kurse eine große Fläche ab. „Wir bespielen in Filderstadt 90 Räume im gesamten Stadtgebiet“, sagt Kohlberger-Bauer, so hätte jeder die Möglichkeit, unkompliziert und ohne lange Anfahrt einen Kurs der VHS zu besuchen.

Fotocredits: Stadt Filderstadt