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Der Digitalpakt 2.0 und seine Umsetzung - Best Practice aus Langenfeld
© Adobe Stock

Moderne Schulen

Digitalpakt 2.0: Netzwerken statt verzweifeln

von Rebecca Piron
Stellvertretende Chefredakteurin | KOMMUNAL
17. Februar 2026
Wie setzt man die Fördermittel aus dem Digitalpakt vor Ort sinnvoll um? Die Stadt Langenfeld zeigt: Systematisches Vorgehen und clevere Zusammenarbeit machen den Unterschied.

Digitalpakt 2.0 bringt fünf Milliarden Euro – und neue Herausforderungen

Am 18. Dezember 2025 war es soweit: Bund und Länder einigten sich auf den Digitalpakt 2.0. Fünf Milliarden Euro fließen bis 2030 in die digitale Schulausstattung, die Verwaltungsprozesse sollen schlanker werden und erstmals dürfen die Mittel auch für Wartung und IT-Support verwendet werden. Für viele Bürgermeisterinnen, Kämmerer und Schuldezernentinnen beginnt damit eine intensive Phase: Wer beantragt die Förderung? Wie nutzen man die Gelder optimal? Wer kümmert sich um die Umsetzung?

Praxisbeispiel Langenfeld: 1,85 Millionen Euro erfolgreich investiert

Maike Chmielewski kennt diese Fragen aus eigener Erfahrung. Seit 2019 ist sie Fachverantwortliche für digitale Schulentwicklung in Langenfeld, einer Stadt mit rund 60.000 Einwohnerinnen und Einwohnern im Kreis Mettmann in Nordrhein-Westfalen. Sie hat erlebt, wie aus 1,85 Millionen Euro Digitalpakt-Mitteln eine beeindruckende digitale Transformation wurde: Alle 13 Schulen mit Glasfaser vernetzt, 1:1-Tablet-Ausstattung für weiterführende Schulen und Tablets ab Klasse 3 in den Grundschulen. Und am Ende laufen alle Maßnahmen bei Maike Chmielewski zusammen.

Ich verstehe mich als Mittlerin zwischen den Schulen und der Verwaltung. Die Schulen können mit Ihren Ideen, zumeist digitaler Natur, gerne an mich herantreten und ich schaue dann, was die Stadt als Schulträger ermöglichen kann.

Maike Chmielewski, Verantwortliche für Schuldigitalisierung der Stadt Langenfeld

Maike Chmielewski über die Umsetzung des Digitalpakt 2.0 in Langenfeld

Die versteckten Kosten: Ersatzbeschaffung und laufende Ausstattung

Die Digitalisierung von Schulen ist keine einfache Einkaufsliste. Tablets und interaktive Displays allein garantieren noch keinen modernen Unterricht. Dazu kommt: Die Geräte müssen alle fünf bis sieben Jahre ersetzt werden. „Bei der Anschaffung muss bereits klar sein, dass ich in einigen Jahren erneut investieren muss", mahnt Chmielewski aus Erfahrung. Langenfeld steht aktuell vor der ersten großen Austauschwelle.

Hinzu kommt ein Umstand, der viele Schulträger ärgert: „Zusätzlich zu den Mitteln des Digitalpakts gab es die Ausstattungsoffensive, die zur Ausstattung von Lehrkräften zur Verfügung gestellt wurde", erklärt Chmielewski. „Da stellt sich die Frage: Jetzt wo die Gelder aufgebraucht sind – wenn eine Schule neue Lehrkräfte bekommt, mit welchen Mitteln statte ich die mit Geräten aus?" Eine Frage, die der Digitalpakt 2.0 zwar adressiert, aber nicht langfristig löst.

IT-Support: Die unterschätzte Herausforderung

Und dann ist da noch der technische Support. Wer kümmert sich, wenn das WLAN ausfällt, wenn Apps nicht funktionieren, wenn Geräte defekt sind? „Aktuell übernehmen die Medienkoordinatoren der jeweiligen Schulen viel von dem anfallenden First Level Support", berichtet Chmielewski. „Das sollte aber nicht so bleiben. Denn am Ende leidet die Lehre darunter, wenn unsere Lehrkräfte mehr mit IT-Support als mit Unterrichten beschäftigt sind. Es reicht nicht, die Technik in die Schule zu bringen, auch der Support muss sichergestellt sein."

Erfolgsfaktoren: Strategische Planung und personelle Kontinuität

Was Langenfeld so weit gebracht hat? Vor allem drei Dinge: strategische Planung, personelle Kontinuität und konsequente Vernetzung. Als Chmielewski 2019 ihre Stelle antrat, musste sie nicht auf der grünen Wiese starten. „Alle Schulen waren ans Glasfasernetz angebunden. Es gab ein redundantes Netz, bei dem das Rechenzentrum hier im Hause verortet ist", erzählt sie. Diese Vorarbeit ermöglichte es, die Digitalpakt-Gelder gezielt für die nächsten Schritte einzusetzen.

Ebenfalls wichtig für den Erfolg: Gleichberechtigung zwischen den Schulen. „Wir haben uns bemüht, die Digitalisierungsschritte relativ gleich zu halten zwischen den Schulen", betont Chmielewski. Das erleichtert auch die Verwaltung: Einheitliche Geräte, einheitliche Software, einheitliche Schulungen. Und kann wegen höherer Stückzahlen für günstigere Preise bei der Beschaffung sorgen.

Doch Technik allein reicht nicht. „Die Schulen sind unterschiedlich fit in Sachen Digitalisierung. Dass sie aber alle auf einen guten Stand kommen, ist essenziell wichtig", sagt Chmielewski. „Nur die Geräte verfügbar zu machen, reicht nicht aus." Deshalb gibt es in Langenfeld regelmäßige Treffen mit den Medienbeauftragten der Schulen. „Gerade erst waren wir mit ihnen im Medienzentrum des Kreises Mettmann, um auszuloten, welche Möglichkeiten darin für die Schulen stecken."

Vernetzung als Erfolgsfaktor: Das Bündnis für Bildung

Was Langenfeld auszeichnet, ist nicht primär das größere Budget – es ist die Art, wie die Stadt mit anderen zusammenarbeitet. „Ich bin viel auf Vernetzungsveranstaltungen und spreche mit anderen Verantwortlichen für Schuldigitalisierung", erzählt Chmielewski. „Die Probleme sind bei allen Kommunen die gleichen. Eine kleinere Kommune hat natürlich weniger Mittel und weniger Personal. Sie hat aber auch weniger Schulkinder und Schulen. Am Ende sitzen wir alle im gleichen Boot."

Deshalb setzt Chmielewski systematisch auf Erfahrungsaustausch. „Es gibt verschiedene Netzwerke, in denen wir organisiert sind und uns austauschen", berichtet die Fachverantwortliche für Schuldigitalisierung. „Am größten ist vermutlich das Bündnis für Bildung. Es geht darum, dass nicht jede Kommune das Rad neu erfinden muss. Wenn jemand Erfahrungen mit etwas sammelt, teilt er oder sie diese mit der Gruppe. Auch wenn man sich mal mit einem Versuch eine blutige Nase holt. Niemand hält Informationen oder Erfahrungen zurück. Das ist schon Wahnsinn, wie man sich da gegenseitig unterstützt."

Vier Erfolgsfaktoren für die Digitalpakt-Umsetzung

Erstens: Die Mittlerrolle zwischen Schule und Verwaltung

Auch eine Kommune mit 5.000 Einwohnerinnen und Einwohnern braucht eine Person, die zwischen Schulen und Verwaltung vermittelt. Das muss keine Vollzeitstelle sein – aber jemand sollte Ansprechpartner sein und den Überblick behalten.

Zweitens: Gleiche Standards für alle Schulen

Nichts frustriert mehr als das Gefühl, benachteiligt zu werden. Wenn alle Schulen dieselbe Ausstattung bekommen – angepasst an ihre Größe und ihren Bedarf – schafft das Akzeptanz und erleichtert die Verwaltung. Das kann sich auch positiv auf die Beschaffung auswirken.

Drittens: Langfristige Planung und Ersatzbeschaffung

Die Ersatzbeschaffung nach fünf bis sieben Jahren muss von Anfang an mitgedacht werden. Der Digitalpakt 2.0 läuft bis 2030, mit rückwirkendem Maßnahmenbeginn ab Januar 2025. Wer jetzt klug plant, kann einen Teil der Mittel für spätere Ersatzbeschaffungen zurücklegen oder zumindest in der Haushaltsplanung berücksichtigen.

Viertens: Netzwerke nutzen und Erfahrungen austauschen

Das kostet nichts außer Zeit – und die zahlt sich mehrfach aus. Das Bündnis für Bildung ist nur eines von mehreren Netzwerken. Auch Kreise und Länder bieten Plattformen für Erfahrungsaustausch. Und manchmal reicht schon ein Anruf bei der Nachbarkommune.

Was Kommunen jetzt von Bund und Ländern brauchen

Bei aller Eigenverantwortung der Kommunen – Chmielewski nennt auch klar, wo die Verantwortung bei Bund und Ländern liegt: „Von Bund und Ländern brauchen wir vor allem Verlässlichkeit. Eine sichergestellte Finanzierung der digitalen Schulausstattung." Das könne nicht allein ein einmaliger – oder zweimaliger – Digitalpakt leisten. Doch auch hier hat Chmielewski Hoffnung: „Ich hoffe, dass das Antragsverfahren beim Digitalpakt 2.0 wirklich verschlankt wurde. Es gab beim ersten Digitalpakt so vieles zu bedenken und vorab zu leisten, bevor man überhaupt den Antrag auf den Weg bringen konnte. Ich bin gespannt, ob das diesmal besser laufen wird." Das hängt am Ende von den Landesprogrammen ab, die den Digitalpakt 2.0 umsetzen werden.

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