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KI in Schulen, ein Interview mit Ulrike Cress über Chancen und Risiken von Chatbots im Unterricht
© Adobe Stock

Künstliche Intelligenz

KI in Schulen: Chancen, Risiken und Lösungen

von Rebecca Piron
Stellvertretende Chefredakteurin | KOMMUNAL
18. Februar 2026
Seit KI-Chatbots 2022 für die Allgemeinheit zugänglich wurden, stehen Schulträger und kommunale Bildungsverantwortliche vor der Herausforderung, KI-gestütztes Lernen zu ermöglichen – ohne die Bildungsgerechtigkeit zu gefährden. Während einige Schulen bereits erfolgreich datenschutzkonforme Chatbots entwickelt haben, fehlt es vielerorts an geeigneten Tools, Fortbildungen und klaren Regeln.

Ulrike Cress, Direktorin des Leibniz-Instituts für Wissensmedien und Juryvorsitzende des KI-Schulpreises, erklärt im Interview, wie Künstliche Intelligenz den Unterricht verändert, welche Anforderungen schulspezifische Chatbots erfüllen müssen und welche Rolle Kommunen bei der Umsetzung spielen.

KI und Schulalltag

KOMMUNAL: Seit Ende 2022 ist KI für die Allgemeinheit zugänglich. Wie hat sich dadurch der Alltag an den Schulen verändert?

Ulrike Cress: KI verändert den Schulalltag grundlegend. In Teilen auch zum Negativen. Und wir haben jetzt die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass diese Veränderungen in positive Bahnen gelenkt werden. Schulen müssen sich überlegen, wie sie ihre Schulkinder zum selbstständigen Arbeiten trotz, beziehungsweise gerade, durch KI bewegen.

Wie kann das funktionieren?

KI hat durchaus positive Effekte und es gibt produktive Möglichkeiten sie für das Lernen zu nutzen. Sie kann Feedback geben und Lernpartner sein. Solange sie aber nicht speziell auf die Bedürfnisse von Schulen und Lernen angepasst sind, wird das nur für die Kinder funktionieren, die sich selbst regulieren und motivieren können. Kinder, die ihre Aufgaben nur schnell erledigen möchten oder wenig Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten haben, werden sich von der KI vermeintlich perfekte Antworten vorgeben lassen und dabei wenig lernen. Wenn wir also keine angepassten Chatbots an den Schulen verwenden, droht die Bildungsschere weiter aufzugehen.

Ulrike Cress über KI in Schulen
Prof. Dr. Ulrike Cress ist Direktorin des Leibniz-Instituts für Wissensmedien, Professorin an der Universität Tübingen, Juryvorsitzende beim KI-Schulpreis 2025 und Mitglied der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der KMK.

Wie sollten solche Chatbots aussehen?

Ein Chatbot für die Schule muss als Lerntool aufbereitet sein. Das heißt, er muss auf Fächer und Altersgruppen angepasst werden. Der Lehrplan muss hinterlegt werden. Und das Tool muss bewerten können, was für eine bestimmte Altersgruppe eine gute und was eine schlechte Leistung ist. Er muss die Kinder zur eigenen Arbeit animieren und von dort aus durch Feedback den Lernprozess unterstützen.

Der Bot wird zum Tutor und Lernbegleiter der Zukunft. Aber das braucht Entwicklung. Als Juryvorsitzende des KI-Schulpreises war ich sehr positiv überrascht, wie gut manche Schulen bereits solche Chatbots entwickelt haben. Das sind aber Einzelbeispiele. Das kann nicht jede Schule für sich selbst leisten.

Das heißt, Schulen können aktuell nicht auf fertige Tools zurückgreifen?

Im deutschsprachigen Raum gibt es noch keine eigens für die Schule angepassten Chatbots – zumindest nicht im großen Stil. In verschiedenen anderen Ländern gibt es Einrichten, die solche KI-Systeme für die Schulen entwickeln. Auch bei uns sollten sich Bildungsinstitute oder auch Verlage daran machen, solche Bots zu bauen.

Praktische Handlungsempfehlungen für Lehrkräfte

Nun sind diese Chatbots also noch nicht verfügbar. Wie sollten Lehrkräfte denn aktuell mit dem Thema umgehen?

Solange bildungsoptimierte KI nicht verfügbar ist, müssen Lehrkräfte kreativ werden und sich selbst fragen, welche Aufgaben sie den Schulkindern stellen können, die zu einem sinnvollen Umgang mit KI führen. Das sind Aufgaben, bei denen die Kinder mit der KI in den Dialog gehen, nicht nur von ihr abschreiben.

KI-Kompetenz vermitteln

Das heißt Schulkinder sollen Chatbots als Lernbegleiter nutzen. Ist das der einzige Nutzen, den KI-Bots in der Schule haben?

Natürlich müssen Kinder auch ganz generell mit einem KI-Chatbot umgehen lernen. Sie müssen zum Beispiel das Prompten lernen.

Darüber hinaus gibt viel Metawissen, das in der Schule unterrichtet werden sollte. Das geht von Nachhaltigkeitsthemen wie „Wie hoch ist der Energieverbrauch von KI?" über Themen wie „Was bedeutet es, wenn KI halluziniert und wie erkenne ich das?" und „Wie erkenne ich ein Deep Fake?" bis hin zu dem Bewusstsein dafür, dass man es mit einer Software zu tun hat und nicht mit einem denkenden Wesen. Viele Schulen machen das im Zuge eines KI-Führerscheins in der 7. oder 8. Klasse. Auch das halte ich für wichtig.

Haben die Lehrkräfte denn die nötigen Kenntnisse, um Prompten, Medienbildung und alles andere rund um KI zu unterrichten?

Die nötigen Fortbildungen dafür gibt es mittlerweile in allen Bundesländern. Aber 800.000 Lehrkräfte im Umgang mit KI zu schulen, ist eine große Aufgabe. Auch weil sie sich alle auf einem unterschiedlichen Stand befinden. Das ist noch ein riesiges Thema. Und am besten wäre es natürlich, wenn man die Schulungen direkt an das richtige Tool koppeln könnte, das dann in der jeweiligen Schule auch genutzt wird.

Klare Regeln und Datenschutz für KI in Schulen

Mit dem richtigen Chatbot und gut weitergebildeten Lehrkräften sind wir dann an den Schulen gut gerüstet?

Grundsätzlich ja. Es braucht darüber hinaus aber zum Beispiel auch klare Regeln in der Schule, wann der Einsatz von KI erlaubt ist und wann nicht. Darf ich KI für meine Hausaufgaben nutzen? Darf ich KI in der Klausur nutzen? Wann ist es Täuschung und wann ist es erwünscht? Die Schulkinder brauchen klare Leitlinien.

Und dann haben wir noch die Frage nach dem Datenschutz. Es gibt aktuell kaum datenschutzkonforme KI-Chatbots für die Schulen. Die Länder sind da zwar dran, aber das noch sind das deutlich abgespeckte KI-Tools, die zwar datenschutzkonform sind, aber viel weniger können als es nötig wäre. Das sorgt am Ende nur dafür, dass die Kinder doch wieder zu den nicht-datenschutzkonformen Varianten greifen.

Positive Entwicklungen trotz Herausforderungen

Hat Ihnen der Schulpreis Hoffnung gemacht, dass der Umgang mit Chatbots in der Schule einen positiven Weg nehmen wird?

Der Schulpreis hat mich sehr positiv gestimmt. Wenn man sieht, wie sich teilweise ganze Fachkollegien gemeinsam Gedanken machen, wie man die Kinder produktiv mit der KI umgehen lassen kann. Wenn die Schule dann auch noch interessierte und kenntnisreiche Eltern einbindet. Dann gehe ich schon davon aus, dass die KI ihren positiven Platz in der Schule finden kann. Aber wir müssen daran weiterarbeiten und den Wandel nicht einfach passieren lassen. Und wir müssen von der Wissenschaft aus Beispielen entwickeln, die als Blaupause dienen können.

Der KI-Schulpreis 2025: Gewinner Teilkonzept

1. Platz: Friedensschule Osnabrück

Die Friedensschule Osnabrück verbindet mit dem Modellprojekt „demoKI" KI- und Demokratiebildung. Schüler lernen KI-Funktionsweise, entwickeln eigene Bots und Lernspiele, reflektieren ethische Folgen. Via datenschutzkonformer Plattform „SchulKI" nutzen sie KI-Tools ohne Anmeldung. Ein Peer-to-Peer-Ansatz verankert KI-Kompetenz in der Schulkultur – KI als Werkzeug für Verantwortung, Teilhabe und kritisches Denken.

1. Platz im KI-Schulpreis für die Friedensschule in Osnabrück

2. Platz: Carl-Orff-Grundschule Wiesbach

Die Carl-Orff-Grundschule Wiesbach nutzt KI für Schulorganisation: Der selbstentwickelte Chatbot "Krisenhelfer RLP" gibt bei Vorfällen binnen Sekunden strukturierte Handlungsempfehlungen auf Basis der offiziellen Krisenmanagement-Handreichung des Pädagogischen Landesinstituts Rheinland-Pfalz. Datenschutzkonform liefert er Checklisten, Zuständigkeiten und konkrete Schritte. Ein Schutzkonzept-Assistent unterstützt zudem die Präventionsarbeit.

2. Platz im KI-Schulpreis für die Carl-Orff-Grundschule Wiesbach

3. Platz: Ernst-Reuter-Schule Pattensen

Die Ernst-Reuter-Schule Pattensen hat 2023 das Fach Cyberethik für Jahrgang 8 eingeführt. Jugendliche lernen, wie KI funktioniert und reflektieren ethische Fragen zu Bias, Fake News, Klimaauswirkungen und Berufsorientierung. Das interdisziplinäre Fach ergänzt Informatik um gesellschaftliche Perspektiven und nutzt KI-Tools in geschützten Lernräumen. Ziel ist eine verantwortungsvolle Nutzung digitaler Technologien. Das Konzept soll künftig als Spiralcurriculum in höheren Jahrgängen fortgeführt werden.

3. Platz beim KI-Schulpreis für die Ernst-Reuter-Schule Pattensen

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