Atommüll
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Endlagerung

Atommüll - So geht die Suche nach dem Endlager weiter

Wie die Bundesgesellschaft für Endlagerung nach einem Standort für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle sucht - und was die Kommunen wissen sollten. Ein Gastbeitrag von Stefan Studt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesgesellschaft für Endlagerung.

Die „weiße Landkarte“, mit der die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) 2017 in die Standortauswahl gestartet ist, hat Ende September dieses Jahres erste Farben bekommen. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung BGE hat im „Zwischenbericht Teilgebiete“ diejenigen Flächen ausgewiesen, die nach Abwägung aller bekannten geologischen Erkenntnisse günstige Eigenschaften für die Endlagerung von Atommüll und weiterer hochradioaktiver Abfälle erwarten lassen.

Insgesamt sind es 90 Teilgebiete, die 54 Prozent der Fläche der Bundesrepublik bedecken. Einige Teilgebiete sind eher klein, weil es sich um steilstehende Salzstrukturen (Salzstöcke) handelt. Andere Teilgebiete erstrecken sich über mehrere Bundesländer, weil es hier großflächig geeignete Salz-, Ton- oder Kristallin-Strukturen gibt. Manche dieser Teilgebiete überlagern sich auch, so dass einige Kreise sich in mehreren Teilgebieten wiederfinden. Ein Teilgebiet ist noch kein Endlagerstandort.

Wo kann Atommüll sicher endgelagert werden?

Heute in einem Teilgebiet zu leben, heißt noch lange nicht, dass dies der gesuchte Endlagerstandort sein wird. Denn es folgen noch verschiedene weitere Schritte im Standortauswahlverfahren. Bislang ging es um rein geologische Kriterien, die Geografie spielte bis zum jetzigen Verfahrensschritt noch keine Rolle. Deshalb gibt es auch Teilgebiete unter Großstädten. Faktoren wie z.B. die Bevölkerungsdichte, Natur- und Trinkwasserschutz- sowie Überschwemmungsgebiete werden im weiteren Verfahren dann eine Rolle spielen, wenn gleichwertige Standorte gegeneinander abgewogen werden. Entscheidend bleibt aber immer die Frage: Wo kann der Atommüll am sichersten für eine Million Jahre durch die Geologie eingeschlossen und somit endgelagert werden?

Diese rein wissenschaftliche Betrachtung hat auch ergeben, dass der lange diskutierte Salzstock Gorleben-Rambow sowie weitere Salzstöcke in Norddeutschland nicht als Teilgebiete in Frage kommen. Die Abwägung der geowissenschaftlichen Kriterien lässt hier nicht erwarten, dass dort eine günstige geologische Gesamtsituation gemäß Standortauswahlgesetz vorliegt.

2017 ist die Suche nach einem Endlager für Deutschlands hochradioaktive Abfallstoffe neu gestartet worden. Sie folgt dem Prinzip der „Weißen Landkarte“: Kein Ort wurde bei der Suche von vornherein ausgeschlossen und kein Ort war von vornherein gesetzt. Dieser im Parlament von einer breiten Mehrheit getragene politische Kompromiss ist die Arbeitsgrundlage der BGE. Unser Ziel ist es, einen Standort im tiefen Untergrund in Deutschland zu finden, der die hochradioaktiven Abfälle für eine Million Jahre sicher von der Umwelt und den Menschen abschließt.

Nicht alle Gebiete eignen sich für ein Endlager

Die erste Phase der Standortauswahl ist ein reines Aktenstudium. Die Geologischen Landesdienste und die Bundesanstalt für Geologie und Rohstoffe haben umfangreiche Daten zur Verfügung gestellt, auf die alle im Standortauswahlgesetz (StandAG) definierten Kriterien angewendet wurden. So hat die BGE überprüft, in welchen Gebieten gesetzlich bestimmte Ausschlusskriterien erfüllt sind.  Auszuschließen sind beispielsweise Gebiete mit gegenwärtigem oder früherem Bergbau, aber auch Gebiete mit Vulkanismus- oder Erdbebengefahr. Anhand der Mindestanforderungen wurde im zweiten Schritt überprüft, in welchen nicht ausgeschlossenen Gebieten es prinzipiell möglich erscheint, Radionuklide über einen Zeitraum von einer Million Jahren zurückzuhalten.

Die BGE sucht nach einer stabilen und möglichst dichten Gesteinsformation in einer Tiefe zwischen 300 und 1.500 Metern. Drei Gesteinsformationen können geeignet sein: Steinsalz, Tongestein oder kristallines Wirtsgestein. Die Mächtigkeit des Gesteins, in der ein Einlagerungsbereich gefunden werden soll, beträgt mindestens 100 Meter. Wichtig ist zudem, dass das Gestein möglichst wasserundurchlässig ist und Gas zurückhält, damit Radionuklide nicht entweichen können.

Im dritten Schritt wurden Gebiete, in denen sämtliche Mindestanforderungen erfüllt sind, anhand von sogenannten geowissenschaftlichen Kriterien abgewogen. Das Ziel war, diejenigen Teilgebiete zu identifizieren, die eine günstige geologische Situation für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle erwarten lassen.

Ab Februar 2021 gibt es den Zwischenbericht

So geht es jetzt weiter: Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung BASE lädt ein zur Fachkonferenz Teilgebiete, der ersten Phase der formellen Bürgerbeteiligung. Ab Februar 2021 wird es für ein halbes Jahr die Möglichkeit geben, den Zwischenbericht der BGE zu diskutieren. Die Ergebnisse der Konferenz fließen in die weitere Arbeit der BGE ein. Wir werden nach weiteren Analysen Erkundungsprogramme vorschlagen, mit denen die Verhältnisse im Untergrund genauer betrachtet werden können.

Die BGE legt für die zweite Phase des Suchverfahrens einen Standortregionenvorschlag vor, das BASE überprüft ihn und gibt ihn über das Bundesumweltministerium ins Parlament. Wo obertägig erkundet wird, entscheidet dann der Bundesgesetzgeber. Dieses Procedere wiederholt sich für die untertägigen Erkundungen in der dritten Phase. Die Entscheidung für den Standort soll durch den Bundesgesetzgeber 2031 fallen, 2050 soll das Endlager dann zur Verfügung stehen.

Wir freuen uns über Feedback aus den Kommunen und bitten Sie, sich am Verfahren zu beteiligen. Prüfen Sie uns, stellen Sie Fragen, leiten Sie uns Informationen weiter und laden Sie uns gern zu sich ein. Unterstützen Sie das wissenschaftsbasierte Standortauswahlverfahren. Wir stehen bereit!

Stefan Studt ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE).