Carsharing rechnet sich in den meisten Städten nicht
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Ist Carsharing wirklich nicht so gut?

Mi, 14.08.2019

Eine Studie will aufzeigen, wieso Carsharing nicht überall in Deutschland funktioniert und welche Auswirkungen das Sharen wirklich auf den Verkehr hat. Doch jetzt wird Kritik an der Untersuchung laut.

Viele Verkehrsplaner setzen auf Carsharing - um die Umwelt und den Verkehr zu entlasten.

Doch laut einer Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney sehen lediglich fünf Prozent im Carsharing eine Alternative zum eigenen Auto. Hinzu kommt, dass laut der Untersuchung viele deutsche Städte nicht genug Einwohner haben, um das Sharing wirtschaftlich zu betreiben.

 

Laut Studie: Carsharing nur in Großstädten lukrativ

 

"Profitables Carsharing erfordert gewisse Mindestnutzerzahlen kombiniert mit einer hohen Nutzerdichte, die bereits in vielen Randgebieten deutscher Großstädte nicht mehr gegeben ist", erklärt der Marktanalyst Wulf Stolle von der Unternehmensberatung. Deshalb könnten lediglich elf Städte die Dienste wirtschaftlich erfolgreich anbieten. Zudem könnten die Mietwagen höchstens zwei Millionen private Autos ersetzen - und das auch nur, wenn alle potenziellen Kunden von ihren eigenen Autos auf Sharing-Dienste umsteigen.

Das Teilen wird von den Studienautoren eher als zusätzliche Option aber nicht als vollwertiger Ersatz für das eigene Auto betrachtet. Das eigene Auto sei aufgrund der guten Verfügbarkeit beliebt. Zudem betonen die Autoren, dass es den Menschen die Möglichkeit gibt, sich frei fortzubewegen.

Von den Kunden nutzen angeblich nur ein Prozent die Sharing-Dienste täglich. "Dass wir das eigene Auto im Straßenverkehr langfristig durch Sharing-Angebote ersetzen, zeichnet sich also derzeit nicht ab", erklärt Stolle.

"Selbst wenn jeder Mensch, der in den dicht besiedelten Hotspots von München, Hamburg, Berlin, Frankfurt, Stuttgart lebt, auf sein Fahrzeug künftig verzichten und nur noch sharen würde, dann ließen sich in Deutschland gerade einmal fünf Prozent der Fahrzeuge reduzieren."
 

Ein Carsharing-Auto sollte acht bis zehn Privatautos ersetzen

 

2011 hatte die Unternehmensberatung Frost & Sullivan noch berechnet, dass ein geteiltes Fahrzeug zwischen acht und zehn Privatautos ersetzen könnte. Bestätigt hat sich das laut der neuen Studie jedoch nicht.

Berlin ist die Stadt mit den meisten Anbietern. Die Zulassungszahlen bei Privatautos haben aber nicht abgenommen. Die Studie weist darauf hin, dass Sharing-Fahrzeuge das Verkehrsproblem verschärfen und für mehr Staus und Parkplatzmangel sorgen können.

Der Chef des Carsharing-Anbieters Sharenow sieht das Ganze positiver: "Würde es uns gelingen, die in der Studie genannten fünf Prozent der privaten Fahrzeuge von den Straßen zu holen, wären das allein in den großen Städten Deutschlands 2,5 Millionen weniger Autos. Das wäre eine tolle Nachricht für die Umwelt."

Bei der Deutschen Bahn, ebenfalls ein Anbieter, setzt man jedoch nicht nur auf Carsharing - um Verkehrs- und Klimaprobleme zu lösen. Sondern vielmehr auf eine Kombination von Bus, Bahn, Fahrrad und Carsharing.

Die Autoren der Studie empfehlen, Carsharing besser in den ÖPNV zu integrieren und weniger als Konkurrenz zu Bus und Bahn zu sehen.

 

Kritik an den Ergebnissen der Studie

 

Der Bundesverband Carsharing kritisiert die Studie. Die Ergebnisse träfen lediglich auf wenige große Anbieter zu. Zudem gäbe es auch in kleineren Städten als in der Studie erwähnt (100.000 bis 500.000 Einwohner) mindestens ein Sharing-Angebot. So würden diese schon teilweise länger als 20 Jahre existieren.

Der Verband schreibt auf seiner Homepage: „Es wird behauptet, Carsharing leiste keinen oder nur geringen Beitrag zur Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs. Die Autoren arbeiten hier mit einer Methodik, die für die Untersuchung von Konsumgütern angemessen gewesen wäre.“ Für die Ermittlung einer Entlastungswirkung durch Carsharing wäre aber eine andere Methode korrekt. Fakt sei, dass einige reine free-floating-Angebote (Auto je nach Bedarf überall abholen und abstellen) keine oder nur geringe verkehrsentlastende Wirkung gezeigt habe. Für die stationsbasierten (feste Abhol- und Abstellorte) und kombinierten Carsharing-Varianten wurde eine verkehrsentlastende Wirkung hingegen längst bewiesen.

Außerdem gäbe es einen weiteren Unterschied zwischen free-floating und anderen Sharing-Varianten: Nur 33 Prozent der free-floating Kunden sehen darin einen vollwertigen Ersatz für ein eigenes Auto. Bei den anderen Varianten seien es hingegen über 60 Prozent der Kunden.

Zudem, das stellt der Interessenverband des Carsharings dar, kannibalisiere Carsharing nicht den ÖPNV, sondern erhöhe vielmehr den Ticketverkauf.

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