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  3. Verwaltung im Wandel: Sicherheit trifft Sinnsuche
Verwaltung Sexy machen - so geht es
Verwaltung Sexy machen - so geht es
© fotolia

Tipps von Experten

Verwaltung im Wandel: Sicherheit trifft Sinnsuche

26. Juni 2025
Die öffentliche Verwaltung wirkt auf viele Menschen so anziehend wie ein Leitz-Ordner in Beige. UInd trotzdem entscheiden sich immer mehr junge Menschen für diesen Weg. Woran das liegt und was welche Chancen das für Kommunen bietet, zeigen unsere Gastautorinnen Marie Bischof und Lena Hofmann vom Netzwerk N3GZ auf.

Ein Blick auf aktuelle Studien zeigt: Die öffentliche Verwaltung ist längst kein verstaubtes Relikt mehr, sondern für viele ein echter Karriereanker. Laut einer aktuellen Studie sehen 24 % der Studenten „Vater Staat“ als den attraktivsten Arbeitgeber – bei weiblichen Studentinnen ist der Zuspruch sogar noch höher. Sicherer Arbeitsplatz, geregelte Arbeitszeiten, Vereinbarkeit von Beruf und Familie – die Klassiker ziehen anscheinend auch heute noch.

Aber: Gleichzeitig zeigt die gleiche Studie, dass die Gehaltserwartungen im öffentlichen Dienst eher bescheiden sind. Und der Wunsch nach Selbstverwirklichung und Flexibilität bleibt groß.

Willkommen in der Ambivalenz der Moderne: Wir wollen Sicherheit – aber auch Sinn. Wir suchen Stabilität – aber bitte nicht langweilig.

Meta-Aktivismus statt Konzernkarriere

Junge Menschen wünschen sich Meta-Aktivismus statt Konzernkarriere. Vielleicht liegt der Schlüssel zur neuen Attraktivität der Verwaltung in einem Begriff, der auf den ersten Blick so sperrig klingt wie das BauGB: Meta-Aktivismus.

Was bitte soll das sein? Ganz einfach: Wer in der Verwaltung arbeitet, verändert nicht nur Dokumente, sondern Gesellschaft. Das Gefühl, für das große Ganze zu arbeiten – für Menschen, für Gerechtigkeit, für Teilhabe – motiviert viele. Gerade in einer Welt, die von Krisen, Unsicherheit und Klimadebatten geprägt ist, wird der Wunsch spürbar, beruflich etwas Sinnstiftendes zu tun. Ein eigenes Start-up? Klar. Aber genauso gut: das neue Förderprogramm für soziale Teilhabe in der Kommune mitentwickeln.

Drei Gründe für den Staat als Arbeitgeber

In einer partizipativen Austauschrunde im Rahmen der N3GZ-Frühjahrstagung – eine Art „Speed-Dating der guten Ideen“ – kristallisierten sich drei Hauptmotive heraus, warum die Verwaltung als Arbeitgeberin geschätzt wird:

1. Gesellschaftliche Verantwortung übernehmen:

Viele sehen sich als Teil eines großen Ganzen – nicht nur als Sachbearbeiter für BAföG-Förderanträge, sondern als Mitgestalter von fairen Rahmenbedingungen, die das Leben anderer direkt beeinflussen. Meta-Aktivismus eben.

2. Sicherheit und Stabilität:

Klingt langweilig? Ist es aber nicht, wenn man in einer Welt lebt, in der Banken wackeln, Tech-Firmen regelmäßig Jobs streichen und Work-Life-Balance häufig ein leeres Versprechen bleibt. In der Verwaltung gilt: Krise ja, Kündigung nein.

3. Work-Life-Balance mit System:

Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Teilzeitmodelle – das sieht nicht nur auf dem Papier gut aus, sondern findet in der Praxis tatsächlich statt.

Langsame Mühlen, große Wirkung

Doch ist das Wort Veränderung in der Verwaltung nicht eher ein Mythos? Ist das mit der Veränderung nicht ein bisschen naiv? Verwaltung sei langsam, prozessorientiert, regelverliebt. Und ja – genau deshalb sei es oft schwer, Idealismus in echte Veränderung zu übersetzen.

Doch genau hier liegt der Reiz: Die öffentliche Verwaltung ist kein Ort für Adrenalinjunkies, sondern für Veränderungswillige mit langem Atem. Es ist wie bei einem Containerschiff: Die Kurskorrektur dauert, aber wenn sie kommt, ist sie im besten Fall nachhaltig. Und im Gegensatz zu vielen Unternehmen, in denen Transformationsprozesse am nächsten Quartalsergebnis scheitern, ist die Verwaltung einer der wenigen Orte, an denen echte Langfristigkeit zählt und sich eine ganze Nation darauf verlässt.

Natürlich gibt es sie noch – die Faxgeräte, die Formulare in 12-facher Ausführung, die Aktenberge mit Amtsstubencharme. Aber parallel dazu entstehen agile Projektteams, digitale Bürgerdienste, innovative Beteiligungsformate. Verwaltung ist heute beides: Systemwächterin und Erneuerin. Ohne einander geht es nicht.

Verwaltung braucht ein neues Narrativ

Was wir also brauchen, ist ein neues Narrativ: Verwaltung ist nicht langweilig – sie ist das Rückgrat unserer Demokratie. Sie ist nicht träge – sie ist vorsichtig, weil sie für uns alle entscheidet. Und sie ist nicht veraltet – sie steckt mitten im größten Modernisierungsprozess ihrer Geschichte.

Wenn Verwaltung wieder sexy sein soll, braucht es drei Dinge: Mut, Kommunikation und Ehrlichkeit.

Mut, auch mal etwas auszuprobieren – innerhalb der Spielräume, die das Recht hergibt.

Kommunikation, um zu zeigen, wie vielfältig und sinnstiftend die Arbeit wirklich ist.

Und Ehrlichkeit, was die Grenzen angeht – ja, manches dauert länger. Aber genau deshalb ist es am Ende oft nachhaltiger.

Also, liebe Kommunen, liebe Verwaltungen: Erzählt eure Geschichten. Von der Kollegin, die mit Bürgerinnen einen Spielplatz neu plant. Vom Kollegen, der Flüchtlingen beim Ankommen hilft. Vom agilen Scrum-Team, das ein digitales Beteiligungstool aufbaut. Denn Verwaltung ist nicht nur Paragraphen – sie ist Mensch, Sinn und Gesellschaftsgestaltung.

Und wenn das kein sexy Angebot ist, was dann?

Was ist das N3GZ?

Das N3GZ ist ein interdisziplinäres Netzwerk für Nachwuchskräfte, die die Digitalisierung des öffentlichen Sektors in Deutschland aktiv mitgestalten wollen. Es verbindet junge Talente aus Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, die sich für moderne, digitale Verwaltungsstrukturen einsetzen. Durch Veranstaltungen, Workshops und Publikationen fördert das N3GZ den Austausch und die Zusammenarbeit über Sektorengrenzen hinweg.

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