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Grafik Mann mit Lap
© adobeStock

Öffentlicher Dienst

Kommunen brauchen Chef-Digitalisierer!

von Dr. Ilona Benz
Gastautorin
20. Mai 2022
Im unklaren, oft kritisierten Aufgabenprofil des Chief Digital Officer liegt gerade der Vorteil. Die öffentliche Verwaltung sollte stärker auf Handlungsfreiheit setzen und sich neuen Berufsbildern öffnen, fordert Ilona Benz im KOMMUNAL-Gastbeitrag.

Schon seit längerem lässt sich in der kommunalen Familie beobachten, dass immer mehr Städte, Gemeinden und Landkreise einen kommunalen Chief Digital Officer (CDO) in ihren Verwaltungsstrukturen etablieren. Er soll den Wandel gestalten und die digitale Transformation voranbringen. Insbesondere große Städte und Stadtkreise führen diese Bewegung an. Doch auch in kleineren Gemeinden findet sich immer häufiger das Pendant des kommunalen Digitalisierungsbeauftragten. Mindestens ebenso alt wie die ersten CDOBenennungen sind auch die kritischen Stimmen, die angesichts knapper öffentlicher Kassen die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit des Amtes in Frage stellen.

Chef-Digitalisierer mit Freiheiten

Auch deshalb ist die Zahl derjenigen Kommunen, die bei der Einrichtung der Stelle eines Chefdigitalisierers noch zögern, aller positiven Beispiele zum Trotz noch immer zu hoch. Eines der Kernargumente ist der Mangel an einem klaren CDO-Aufgabenprofil und damit einer allgemeingültigen Stellenbeschreibung. Eigentlich – so die Kritik – könne niemand genau sagen, was ein CDO eigentlich mit seiner Arbeitszeit anstellen solle. Und so hält sich das Vorurteil vom CDO als nettem Accessoire des digitalaffinen Bürgermeisters hartnäckig.  

Stelle ohne exakte Beschreibung

Diese Kritik zeigt exemplarisch, welche Schwierigkeiten bei dem Versuch entstehen, tradierte Verwaltungsdenke und neue Berufsbilder in der öffentlichen Verwaltung miteinander zu vereinbaren. Das Fehlen eines eindeutigen Aufgabenprofils bildet erst die Grundlage für die Arbeit eines CDO. Die Abwesenheit einer detaillierten Stellenbeschreibung ermöglicht Handlungsfreiheit und Flexibilität und macht damit die Durchschlagskraft des Amtes aus. Eine Stelle, die das Managen von Veränderung praktisch im Namen trägt, kann nicht auf fein ausdifferenzierte und für die Ewigkeit niedergeschriebene Aufgabenbereiche festgelegt werden.

Neuen Verwaltungsberufen gegenüber öffnen

Der CDO muss sich seine Aufgaben selbst suchen können. Nur so kann er auf den rasanten technologischen Fortschritt angemessen reagieren und diesen für die Kommunalverwaltung nutzbar machen. Kritiker täten gut daran, sich dieser Entwicklung zu öffnen. Denn was heute nur für den CDO gilt, könnte schon morgen weitere Berufsbilder im öffentlichen Dienst auf den Kopf stellen. Die Stelle des CDO wird damit selbst zum Versuchsfeld für die Weiterentwicklung bereits vorhandener und die Etablierung neuer Verwaltungsberufe.

Ilona Benz ist Geschäftsführerin der städtischen Digitalisierungsagentur KL.digital GmbH in Kaiserslautern. Die Autorin freut sich über Reaktionen an i.benz@kl.digital

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