Coronavirus Digitale Dörfer
Diesen Eindruck macht die Navigationsleiste der App "DorfFunk" auf dem Mobiltelefon.
© Frauenhofer IESE

Digitale Kommunikation

Coronavirus: Aufschwung für "Digitale Dörfer"

In Zeiten des Coronavirus bedarf es neuen Lösungen. Rheinland-Pfalz stellt seinen Kommmunen daher die App "DorfFunk" und das Nachrichtenportal "DorfNews" kostenfrei zur Verfügung. Damit soll die Kommunikation in den Kommunen unkompliziert gestaltet werden.

In Zeiten des Abstandhaltens wegen des Coronavirus ist die digitale Kommunikation besonders gefragt. Das hat auch der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz erkannt: Seit Montag stehen die Anwendungen „DorfFunk“ und „DorfNews“ landesweit kostenfrei zur Verfügung. Das sind eine App und ein Nachrichtenportal, um die kommunalen Akteure besser zu vernetzen. Beides sind wichtige Bausteine im Projekt „Digitale Dörfer“, in dem Rheinland-Pfalz federführend ist. Zusammen mit dem Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) entwickelt das Bundesland eine Plattform, die die digitale Zukunft auf dem Land mitgestalten soll. Rheinland-Pfalz fördert das Projekt seit 2015 für sechs Jahre mit rund 3,25 Millionen Euro. Aber das Angebot beschränkt sich keinesfalls nur auf Rheinland-Pfalz. Bundesweit können Kommunen das Angebot für sich nutzen. Die Bereitstellung des Basispakets ist nach Einwohnerzahl gestaffelt und kostet zwischen 50 und 150 Euro pro Monat.

In Zeiten des Coronavirus ist die digitale Kommunikation besonders gefragt

„In den letzten Tagen hat es bereits einen wahren Ansturm auf die App gegeben“, betont Innenminister Lewentz. Insbesondere Helfernetzwerke hätten nach einer einfachen Lösung gesucht, um sich vor Ort besser zu organisieren. Dafür bietet die App „DorfFunk“ Bürgern, Vereinen und Verwaltung neue Möglichkeiten des Austauschs. Geschäftliche Werbung ist in der App aber untersagt. Zu schmal wäre der Bestimmungsgrat, wer werben darf und wer nicht. Für den lokalen Einzelhandel bietet das Projekt „Digitale Dörfer“ aber zusätzliche Lösungen an, die wiederum in die App integriert werden können. Die Entwickler der Plattform wollen ein DSGVO-konformes Angebot für alle schaffen. Und das soll möglichst ohne die großen Datensammler wie Google und Facebook geschehen, so scheint es.

Die App bietet ein umfangreiches Angebot für Kommunen

Anmelden kann sich jeder, der eine E-Mail-Adresse hat. Nach der Anmeldung wählt der Nutzer die Kommune aus, in der er auf dem Laufenden bleiben möchte. Dabei muss er sich keinesfalls auf eine Gemeinde beschränken. Der Radius um die Heimatgemeinde, aus dem Informationen in die App gespielt werden, wird auf dem Touchscreen definiert. Die App ist übersichtlich in Kategorien unterteilt. Die Kategorie „News“ kann direkt von der Kommune bespielt werden. Dahinter verbirgt sich das Onlineportal „DorfNews“, das auch im Browser aufrufbar ist. Zurzeit sind dort vor allem lokale Nachrichten zum Coronavirus. Unter „Biete“ und „Suche“ sind verschiedenste Angebote im Prinzip von Kleinanzeigen zu finden. Im sächsischen Ostrau möchte gerade jemand sein DDR-Spielzeug verschenken. Unter „Plausch“ zeigt sich ein Nutzer in Rheinland-Pfalz neugierig. Er hätte gerade über die App gelesen und sei gespannt, was hier so passiere. Die Antwort: „Bislang noch nicht so viel. Ist wohl alles noch zu frisch.“

Ist das Coronavirus die Chance für die digitale Kommunikation in Kommunen?

Auch wenn Innenminister Lewentz die Zeichen der Zeit erkannt hat, befindet sich das Projekt „Digitale Dörfer“ vielerorts noch in den Anfängen. Wer sich durch die Kategorien unterschiedlicher Gemeinden klickt, merkt schnell, dass das Potenzial der App „DorfFunk“ noch nicht voll ausgeschöpft wird. Auch die Moderation der App, die der Betreiber Fraunhofer IESE vertantwortet, könnte zu einer neuen Herausforderung werden. Denn die Nutzerzahlen steigen in diesen Tagen stark an. Inwieweit sich die Nutzerzahl wiederum halten wird, ist noch unsicher. Auch ob die Coronakrise der Integration digitaler Lösungen in den kommunalen Alltag genügend Auftrieb verleiht, bleibt abzuwarten. Am Ende obliegt es vor allem den Kommunen, inwiefern sie neue Angebote machen können und wollen. Aber: Die Krise bietet sich an, um wichtige Erfahrungen in Sache digitale Kommunikation auf dem Land zu sammeln. Insbesondere für kleinere Kommunen sind Lösungen, wie die der „Digitalen Dörfer“ daher einen Blick wert.

Anmerkung des Autors: Auf meinem Android-Gerät hatte ich „Firefox Klar“ als Standardbrowser eingerichtet.  Damit war die Authentifizierung für die eigentlich unkomplizierte Anmeldung in der App „DorfFunk“ nicht möglich. Für die reibungslose Anmeldung empfiehlt es sich, den Standardbrowser übergangsweise zu ändern.